24 November 2003

Synthetischer Diesel auf Erdgasbasis

Diesel tanken Erdgas

Shell und VW haben in einem Flottenversuch einen synthetischen Diesel auf Erdgasbasis erprobt. Der farb- und geruchlose Kraftstoff fließt aus herkömmlichen Tanksäulen und führt im Alltagsgebrauch zu deutlich niedrigeren Schadstoffemissionen als normaler Diesel.

So stießen die 25 serienmäßigen Golf TDI, die bereits die Euro-4-Abgasnorm erfüllen, mit dem neuen Gas to Liquid (GTL)-Kraftstoff 90 Prozent weniger Kohlenmonoxid und 64 Prozent weniger Kohlenwasserstoff aus als im Betrieb mit herkömmlichem Diesel. Der Partikelausstoß sank um ein Viertel, obwohl die Motoren nicht auf GTL abgestimmt waren. Zudem waren im Abgas sechs Prozent weniger Stickoxide nachweisbar.

Laut Jack Jacometti, der bei Shell für die globale Entwicklung des GTL Marktes zuständig ist, soll der neue Diesel “als Brücke zu alternativen Kraftstoffen” dienen, bevor das Wasserstoffzeitalter anbreche. Statt Erdgas könne man mit dem Verfahren auch Biomasse in hochwertige Kraftstoffe wandeln.

Shell hat ein Verfahren modifiziert, das die Chemiker Franz Fischer und Hans Tropsch in den 20er Jahren entwickelten, um synthetischen Kraftstoff aus Kohle zu erzeugen. Durch Teiloxidation des Erdgases schafft man ein Wasserstoff-Kohlenmonoxid-Gemisch, das mit dem Fischer/Tropsch-Verfahren in flüssige, langkettige Kohlenwasserstoffe umgebaut wird. Diese Ketten lassen sich in Diesel, Kerosin oder andere Spezialkraftstoffe aufbrechen. Zu Beginn des Prozesses lässt sich Erdgas problemlos durch Synthesegas aus Biomasse ersetzen – und damit der Traum nahezu klimaneutraler Kraftstoffe verwirklichen.

Mit solchen Biokraftstoffen seien Kohlendioxid-Minderungen von bis zu 85 Prozent möglich, sagt der Leiter der VW-Aggregateforschung, Wolfgang Steiger. Auch auf Erdgasbasis schone der synthetische Diesel Klima und Umwelt: Euro-3-Dieselfahrzeuge erfüllen damit ohne weitere technische Veränderungen die Euro-4-Abgasnorm. Der Sprung von Diesel zu GTL entspreche etwa jenem von einer Motorgeneration zur nächsten. Bei entsprechender Motorauslegung sieht Steiger noch weitaus mehr Minderungspotenzial.

Bevor der Kraftstoff an die Tankstellen kommt, werden aber noch Jahre vergehen. Shell betreibt bislang nur in Malaysia eine einzige Anlage, die ca. 1,9 Mio. l GTL täglich produziert. Bis 2020 soll die weltweite Tagesproduktion allerdings auf 223 Mio. l ansteigen. Die erste von zehn geplanten Anlagen baut der Konzern für 5 Mrd. EUR in Katar. Dort sollen von 2011 an 22,3 Mio. l täglich produziert werden. Die Technologie soll Erdgasquellen nutzbar machen, für die es sich bisher nicht lohnte, teure Pipelines zu bauen: Die Felder wurden entweder nicht angerührt, abgefackelt oder mit Kühltankern bei minus 160 Grad über die Ozeane gebracht, wobei die Kühlung die Hälfte der Ladung aufzehrte.

(Vgl. Meldung vom 2003-10-28.)

Source: UMWELT kommunale ökologische Briefe Nr. 23 vom 2003-11-12.

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