7 Oktober 2005

Synthetische Biokraftstoffe: Engineering-Studie für BtL-Pilotanlage

Neue Anlage zur Produktion synthetischer Biokraftstoffe in Planung

Nicht nur die Preisspiralen an Rohölmärkten und Tankstellen weisen auf dringenden Handlungsbedarf am Kraftstoffmarkt hin. Als mittelfristiger Hoffnungsträger für mehr Unabhängigkeit vom Erdöl gelten synthetische oder BtL-Kraftstoffe aus Biomasse (Biomass-to-Liquid), die in Zukunft einen wesentlichen Anteil an der Kraftstoffversorgung sichern sollen. Mit finanzieller Förderung des Verbraucherministeriums startet jetzt das Engineering für die Errichtung einer weiteren BtL-Pilotanlage, die Biomasse nach einem neuartigen Vergasungsverfahren veredeln wird.

Synthetisch hergestellte Biokraftstoffe nähren große Erwartungen für die Sicherung künftiger Mobilität. Sie können aus einer breiten Palette unterschiedlichster Biomassen wie Holz, Energiepflanzen oder Stroh hergestellt, im Syntheseprozess dem jeweiligen Anforderungsprofil angepasst und über bestehende logistische Strukturen sukzessive am Markt etabliert werden.

Das Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen der TU Bergakademie Freiberg geht jetzt einen großen Schritt in die Zukunft synthetischer Biokraftstoffe. Aufbauend auf der bereits abgeschlossenen Planungsstudie beginnt nun das Engineering für eine BtL-Pilotanlage. Dafür konnten die Freiberger namhafte Unternehmen wie RWE Power AG, Vattenfall Europe Generation AG, Uhde GmbH, Total Deutschland GmbH, Lurgi AG, Daimler Chrysler AG und Volkswagen AG als Partner gewinnen. Technische Unterstützung erfährt das Projekt auch durch die CAC Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH.

Konzeptionell hebt sich die geplante Anlage von bestehenden Aktivitäten deutlich ab. So setzen die Freiberger für die Biomassevergasung einen einstufigen PHTW- (Power-High-Temperature-Winkler-) Vergaser ein, der nach dem Wirbelschichtprinzip arbeitet. Das entstehende Synthesegas wird nach Aufarbeitung zu Methanol umgesetzt. Mit dem Umweg über Methanol und Verzicht auf die direkte Fischer-Tropsch-Kraftstoffsynthese soll es wirtschaftlich möglich werden, die Biomasse dezentral in verhältnismäßig kleinen Einheiten zu verarbeiten, ohne lange Transportwege in Kauf nehmen zu müssen.

Mit Methanol bekommen die Freiberger ein gleichermaßen energiereiches wie transport- und lagerfähiges Zwischenprodukt in die Hand, das erst in einer nachgelagerten, zentralisierten Stufe mittels Methanol-to-Synfuel-(MtS)-Technologie wahlweise zu Benzin- oder Dieselkraftstoffen veredelt wird. So lassen sich die Schritte der Biomassevergasung und der eigentlichen Kraftstoffherstellung räumlich voneinander entkoppeln. Im Ergebnis der Engineering-Studie, die bis Ende 2006 vorliegt, wird eine schlüsselfertige Pilotanlage zur Herstellung von Methanol aus fester Biomasse konzipiert.

Weitergehende Informationen zum Thema synthetische Biokraftstoffe stehen auf der Internetseite www.btl-plattform.de zur Verfügung.

(Vgl. Meldungen vom 2005-09-15 und 2005-04-05.)

Source: FNR-Pressemeldung Nr. 435 vom 2005-10-06.

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