24 Februar 2005

SunDiesel aus Uelzen?

L P D – Die Region Uelzen hat gute Chancen, zu einem der ersten Standorte für die Produktion von synthetischem Biokraftstoff, auch Biomass-to-Liquids (BtL) oder SunDiesel genannt, zu werden. Die Firma Choren Industries kündigte jetzt beim Kreislandvolkverband Uelzen in Bad Bevensen ihre Absicht an, im Raum Uelzen eine Produktionsanlage für ihren SunDiesel zu errichten.

Gemeinsam mit dem Kreislandvolkverband Uelzen, der Kreisstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Hannover, dem Maschinenring Uelzen-Isensee, der Wald Marketing Gesellschaft sowie Stadt und Landkreis Uelzen wurde die Absichtserklärung zur Gründung einer AG Biomasse unterzeichnet, die im Laufe dieses Jahres Fragen der Biomasseproduktion und -aufbereitung, der Logistik und Qualität abarbeiten soll. Derzeitige Planungen gehen von einer Jahresproduktion von 170.000 bis 200.000 Tonnen (t) SunDiesel aus, dafür würden 900.000 t trockene Biomasse benötigt. In erster Linie wird dazu Holz gebraucht, aber auch Getreide und Stroh sind besonders geeignet. Die Produktion der Rohstoffe soll im Umkreis von 60 km um das Werk erfolgen.

Die Firma Choren erforscht und entwickelt seit 1998 in einer Pilotanlage in Freiberg/Sachsen die Herstellung von Flüssigkraftstoffen aus Biomasse. Dort wird zurzeit auch die erste Anlage zur BtL-Produktion im industriellen Maßstab errichtet, die im kommenden Jahr in Betrieb gehen wird. Bis 2010 will Choren insgesamt fünf Anlagen zur Produktion von einer Million t SunDiesel aufbauen. Die erste Anlage ist im Mecklenburg-Vorpommerschen Lubmin geplant, Uelzen ist danach als zweiter Standort vorgesehen. Bisherige Studien hätten ergeben, dass hier die Voraussetzungen zum Bau und Betrieb der Anlage besonders günstig seien, unter anderem aufgrund der vorhandenen guten “Biomasselogistik”. Anders als in Lubmin mit seiner Anbindung an das Baltikum auf dem Seeweg, ist in Uelzen jedoch die Rohstoffversorgung ausschließlich durch die Land- und Forstwirtschaft der Region vorgesehen. Die abschließende Entscheidung ist 2007 zu erwarten, die Produktion könnte 2009 beginnen.

Gegenüber der ersten Generation von Biokraftstoffen lässt SunDiesel nach Angaben von Choren eine vielfach höhere Ausbeute je Hektar erwarten, weil die gesamte Pflanze verwertet wird. Daneben ergeben sich erhebliche Umweltentlastungen, da weniger Schadstoffe im Abgas enthalten sind und insbesondere die Emissionen von Klimagasen gegenüber herkömmlichem Diesel um bis zu 90 Prozent geringer ausfallen. Zudem kann SunDiesel in herkömmlichen Motoren problemlos eingesetzt werden, deshalb müssen keine neuen Vertriebsstrukturen aufgebaut werden. Aber auch die Landwirtschaft knüpft große Hoffnungen an den neuen Treibstoff. Sie kann sich mit der Erzeugung der erforderlichen nachwachsenden Rohstoffe ein zusätzliches Standbein schaffen. Damit ergeben sich neue Perspektiven für den gesamten ländlichen Raum.

(Vgl. Meldung vom 2005-02-01.)

Source: Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V. vom 2005-02-23.

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