5 September 2006

Südzucker: Biotreibstoffsparte CropEnergies noch diesen Monat an die Börse

Europas größter Zuckerkonzern Südzucker will noch im September seine Biotreibstoffsparte CropEnergies an die Börse bringen. Goldman Sachs sieht mindestens 320 Mio. Euro Börsenwert für den Debütkandidaten. Für den Ausbau der Produktion sind weitere Großinvestitionen nötig.

“Mit einem Börsengang wollen wir die Weichen stellen, dass CropEnergies 2008/09 die führende Position in Europa im Wachstumsmarkt Bioethanol einnimmt”, sagte Südzucker-Vorstandssprecher Theo Spettmann am Freitag in Mannheim. “Im Rahmen einer Kapitalerhöhung könnten CropEnergies bei einem Börsengang über 200 Mio. Euro zufließen.”

Die Aktie soll am 27. September in den Handel starten, verlautete aus mit den Plänen vertrauten Kreisen. Die Roadshow bei Investoren könne am 18. September beginnen. Mit der Organisation des Börsendebüts ist die Deutsche Bank betraut.

Südzucker werde auch nach dem Börsengang deutlich mehr als 50 Prozent an der Bioethanol-Tochter halten, verlautete weiter. Falls Südzucker einen größeren Anteil an der Tochter platziert, könnte das Emissionsvolumen dadurch zusammen mit der angekündigten Kapitalerhöhung rund 400 Mio. Euro erreichen, hieß es. Die Analysten von Goldman Sachs schätzen den Wert des Bioethanol-Geschäfts auf mindestens 320 Mio. Euro.

Mehrere Biokraftstoff-Anbieter planen derzeit den Börsenstart. Die Branche erhält Unterstützung von der Politik: Aus Umweltschutzgründen muss Kfz-Treibstoffen bis 2010 ein steigender Anteil von Biokraftstoff beigemischt werden. Experten sehen daher ein Marktpotenzial von mehr als 4 Mrd. Euro.

Ertragswende geschafft

CropEnergies erzielte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 bei einem Umsatz von 30,8 Mio. Euro einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,6 Mio. Euro. In einer Analystenpräsentation vom 31. Mai war noch von “Anfangsverlusten” (“start-up losses”) die Rede. “Die Grundinvestitionen sind getätigt, das Unternehmen arbeitet profitabel”, sagte Südzucker-Finanzchef Thomas Kölbl.

Die CropEnergies-Gruppe betreibt am Standort Zeitz in Sachsen-Anhalt die nach eigenen Angaben größte Bioalkoholanlage in Europa. Sie kann im Jahr 700.000 Tonnen Getreide zu 260.000 Kubikmeter Bioalkohol verarbeiten. Neben dem Ausbau der Produktionsanlage in Zeitz plant Südzucker neue Standorte in Belgien, Frankreich und Ungarn.

Börsenkandidat soll bis 2010 rund 350 Mio. Euro investieren

200 Mio. Euro hat Südzucker bereits im ostdeutschen Zeitz investiert. Bis zum Jahr 2010 sind für das gesamte Südzucker-Bioethanol-Geschäft weitere 500 Mio. Euro an Investitionen geplant, heißt es in der Präsentation von Ende Mai. Davon sollen jedoch 100 bis 150 Mio. Euro in Produktionsstätten in Österreich und Ungarn fließen. Die Geschäftsteile in Österreich und Ungarn sind jedoch nicht Teil des Börsenkandidaten CropEnergies sondern bleiben bei Südzucker.

Beim Börsenkandidaten CropEnergies sind nach einer überschlägigen Rechnung daher bis 2010 Investitionen von rund 350 Mio. Euro geplant. Der angepeilte Emissionserlös aus dem Börsengang würde 57 Prozent dieser Summe abdecken.

Kurschancen durch Transparenz

Deutsche-Bank-Analystin Katja Filzek prognostiziert in einer Südzucker-Studie von Anfang August “starkes Wachstum für Umsatz und Gewinn bei Bioethanol”. Goldman-Analyst Mark Lynch bekräftigte für den Mutterkonzern seine Empfehlung “Übergewichten” und das Kursziel von 21,75 Euro. Auch die Investoren sehen die Pläne von Südzucker positiv: Die Aktie legte am Freitag 3,3 Prozent zu.

Lynch nimmt 320 Mio. Euro Marktwert für das Biokraftstoff-Geschäft an. Bei einem Börsengang könnte die Sparte wegen der höheren Transparenz jedoch deutlich höher bewertet werden, teilte Lynch mit: “Unser Preisziel scheint konservativ, weil es die Bewertung des Biokraftstoff-Geschäfts mehr auf die bisherigen Anlageinvestitionen stützt als auf die Gewinnchancen.”

Weitere Biokraftstoff-Börsengänge geplant

CropPower85 – Ein neuer Kraftstoff an der Tankstelle

Im vergangenen Jahr waren mit EOP Biodiesel und Biopetrol bereits zwei Biotreibstoff-Hersteller an die Börse gegangen. Die ostdeutsche Biokraftstoff-Firma Verbio und der Wiener Biokraftstoff-Anlagenbauer BDI erwägen für den Herbst ebenfalls den Sprung auf das Frankfurter Börsenparkett.

Der Börsenkandidat BDI stellte am Freitag das Halbjahresergebnis vor. Der Umsatz stieg auf 38,7 Mio. Euro, nach 2,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. BDI machte 4,1 Mio. Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern, nach 1 Mio. Euro Verlust in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

(Vgl. Meldungen vom 2006-08-18, 2006-08-23 und 2006-01-31.)

Source: Financial Times Deutschland vom 2006-09-01.

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