29 Oktober 2002

Subventionen beeinflussen die Baumwollpreise

Obwohl der Baumwollmarkt ein an sich sehr transparenter internationaler Rohstoffmarkt ist, da Baumwolle niemals an Warenabkommen gebunden war, sind dennoch 73 % der Welt-Baumwollproduktion in 14 Ländern direkt oder indirekt subventioniert.

Das Thema Baumwollsubventionen war demzufolge ein Thema der am 8./9. Juli 2002 in Washington abgehaltenen “Conference on Cotton & Global Trade Negotiations”. Der Wirtschaftsberater der brasilianischen Botschaft, Mr Aluiso de Lima-Campos, sah in seinem Vortrag die in vielen Baumwollproduktionsländern ausgeübten Subventionspraktiken als Hauptgrund für den Verfall der internationalen Baumwollpreise an.

Die neuesten Untersuchungen des ICAC, Washington, zu den Produktionskosten von Rohbaumwolle besagen, dass die Netto-Produktionsskosten im Mittelwert bei 42 US-cents pro lbs liegen, die Maximalkosten betragen 68 cents in den USA, die Minimalkosten 21 cents in Burkina Faso.

Der Trend in freien Märkten, dass sich die Preise nach den Kosten der effizientesten Erzeuger richten und andere Erzeuger/Erzeugerländer das Produktionsvolumen nach einiger Zeit reduzieren, ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre durch die staatlichen Maßnahmen empfindlich gestört. Mit Subventionen besteht für Farmer kein Grund, die Produktion zurück zu fahren, so dass der Preisverfall international voranschreiten kann.

So ist durch den Preisverfall der Baumwolle in 2001 die Produktion in den nicht subventionierten Ländern wie Brasilien oder Australien deutlich gesunken, während in anderen Ländern die Gesamtproduktion mehr als ausgeglichen wurde.

Kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag eines Labels “Distortion free cotton” – für nicht subventionierte Baumwolle als Maßnahme zur Reduzierung der marktverfälschenden Subventionen. Letztendlich wurde dieser Vorschlag jedoch als nicht praktikabel abgelehnt, da in der Spinnereiindustrie diverse Baumwollprovenienzen gemischt werden und daher ein Herkunftsnachweis schwierig sei. Weiterhin würde ein teures Registrierungs- und Überwachungssystem erforderlich, das die Baumwolle im Ergebnis noch weniger wettbewerbsfähig machen würde.

Source: Cotton Report - Wochenbericht der Bremer Baumwollbörse, Nr. 37/38 vom 2002-09-27.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email