9 September 2002

Strohhaus braucht keine Beheizung

In Disentis ist jetzt ein Strohhaus des Trunser Architekten Werner Schmidt fertig gestellt worden. Der zweistöckige Bau, dessen Außenwände ausschließlich aus Strohballen bestehen, ist ganzjährig bewohnbar. Über 400 Strohballen von einen Gewicht bis zu je 300 Kilogramm wurden für das neun Meter hohe Gebäude auf einander gestapelt. Einzige Befestigung der Ballen sind Bänder, die sie untereinander und mit der Bodenplatte verbinden. Außerdem sackt das Stroh in den nächsten Wochen noch um ca. 15 cm ab, wodurch es zusätzlich an Stabilität gewinnt.

In Bezug auf die Innenausstattung sowie die Türen und Fenster unterscheidet sich das Strohhaus nicht von anderen Häusern. Auch bei Strom- und Wasseranschluss gibt es keinerlei Probleme, lediglich eine Heizung erübrigt sich hier. Aufgrund der guten Isolationseigenschaften der Strohwände ist nach Angaben des Architekten das ganze Jahr eine Raumtemperatur von 18-22°C garantiert.

Die Feuchtigkeitsanfälligkeit des Strohs stellt jedoch noch ein Problem dar. Deshalb wird die Betonbasis des Hauses von Säulen getragen und damit der direkte Bodenkontakt vermieden. Zusätzlich wird das Stroh mit einem atmungsaktiven Verputz überzogen. Sollte trotzdem Wasser eindringen, so sickert es in ein Kiesbett. Bis das Haus bezugsfertig ist, muss das Stroh allerdings erst vollständig absacken, worüber noch einige Wochen vergehen werden.

(Vgl. Meldungen vom 2002-05-10 und 2001-09-05.)

Source: St. Galler Tagblatt vom 2002-09-05.

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