26 Oktober 2007

Strohballenhaus im Finale des World Habitat Award

Die Strohballenbauaktivitäten des Ökodorf Sieben Linden aus der Altmark sind in das Finale der diesjährigen World Habitat Awards der Organisation UN-HABITAT gekommen. Die World Habitat Awards werden seit 1985 in Zusammenarbeit mit der Building and Social Housing Foundation (BSHF) vergeben. Sie beinhalten jeweils einen Preis für ein Projekt auf der Nord- und der Südhalbkugel sowie zwölf Finalisten und wurden in diesem Jahr am World Habitat Day, dem 1. Oktober, in Den Haag vergeben.

straw_bales_and_posts.JPGMit den World Habitat Awards werden Projekte ausgezeichnet, welche in vorbildlicher Weise praktische Denkanstösse geben zu Lösungen rund um das Bedürfnis von Menschen nach einer angemessenen Behausung. Die Jury trifft die Auswahl in Bewusstsein, dass Millionen von Menschen in allen Teilen der Welt unter erbärmlichen Bedingungen leben und es hierfür zukunftsweisende und vielfach anwendbare Lösungen braucht. Dies betrifft vor allem: das soziale Umfeld, in welchem die Gebäude entstehen, die Wohngesundheit, den Klimaschutz und den Energiebedarf für die Erstellung und den Betrieb.

“Zwischenzeitlich hatten wir uns mehr erhofft aber am Ende sind wir stolz darauf, es bis ins Finale eines weltweit so bedeutenden Wettbewerbs geschafft zu haben. Die beiden Sieger, ein Ökobauprojekt in Kuba und die Zukunftswerkstatt Leinefelde konnten die Jury der BSHF mehr überzeugen. Ein Blick auf alle diesjährigen Finalisten zeigt, dass insgesamt ein sehr hohes Niveau angetreten ist. Immerhin war ein chinesisches Strohballenbauprojekt bereits im vergangenen Jahr einer der beiden Sieger”, sagt Elke Maier- Wiegand vom Ökodorf Sieben Linden.

Regionen Aktiv und DBU unterstützen Strohballenbau
Mit Unterstützung des gemeinnützigen Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA) werden im Ökodorf Sieben Linden mittlerweile seit sieben Jahren Wohnhäuser aus Strohballen, Holz und Lehm gebaut. Wichtige bautechnische und rechtliche Hürden konnten zwischen 2003 und 2005 mit Hilfe der REGIONEN AKTIV- Förderung der Altmark genommen werden. Deutschlandweites Aufsehen erregte der dreigeschossige Bau des mit 550m2 seinerzeit europaweit größten Strohballenmehrfamilienhauses “Strohpolis”, das in dem Poppauer Ortsteil jeden ersten Sonntagnachmittag im Monat besichtigt werden kann. Ein weiteres Indiz für das zunehmende Interesse an der Bauweise hierzulande: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert derzeit ein Forschungsprojekt des FASBA zur Weiterentwicklung der Bauweise.

“Ohne die REGIONEN AKTIV- Förderung wäre all dies nicht möglich gewesen, die teuren Baustofftests, vor allem den aufwändigen Brandtest, den wir erfolgreich absolvieren konnten, hätten wir nicht aus eigener Tasche bezahlen können. Die altmärkischen Strohballenbauaktivitäten sind bundesweit vorbildhaft und waren eine wichtige Grundlage für die Verbesserung der Genehmigungsfähigkeit zukünftiger Strohballenbauten. Einzelfallgenehmigungen sind nun praktisch nicht mehr erforderlich”, sagt Eva Stützel vom Ökodorf Sieben Linden. Ende 2008 will sie selbst, gemeinsam mit dreizehn anderen Menschen in ein weiteres knapp 500m2 großes Strohballenhaus einziehen, welches derzeit dem Bauamt in Salzwedel zur Genehmigung vorliegt.

Wegen des ausschließlichen Einsatzes von unbehandelten Naturmaterialien ist diese Bauweise sehr umweltfreundlich und ermöglicht ein besonders gesundes Raumklima. Dirk Scharmer, Vorsitzender des FASBA, betont: “Auch Ungeziefer, Feuchte und Feuer können fachgerecht hergestellten Strohballenbauten nichts anhaben, dies zeigen die über hundert Jahre alten unversehrten Strohballenhäuser aus Nordamerika. Allein der Bau eines konventionellen Einfamilienhauses benötigt soviel Energie, wie zusammengenommen die Errichtung und die 10-15-jährige Beheizung eines Strohballenhauses. Wirksamer Klimaschutz fängt schon im Rahmen der Herstellung des Gebäudes an!”

Kontakt
Elke Wiegand
Vorstand des Freundeskreis Ökodorf e.V.
Sieben Linden 1
38486 Bandau
E-Mail: maier-wiegand@web.de
Internet: www.siebenlinden.de

Dirk Scharmer
Vorstand des FASBA e.V.
In de Masch 6
21394 Südergellersen
E-Mail: ds@fasba.de
Tel.: 04131-72 78 04
Fax: 04131-72 78 05
Internet: www.fasba.de

(Vgl. Meldungen vom 2006-09-06 und 2006-03-03.)

Source: www.fasba.de, Pressemitteilung, 2007-10-17

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