29 Januar 2008

Stroh wird zum knappen Gut

Preise fast verdoppelt

Die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen – diese Tendenz macht auch vor Nebenprodukten wie Stroh nicht halt. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet, hat sich der Preis für Stroh in diesem Winter fast verdoppelt. Mit neun bis elf Euro je Dezitonne (1 dt = 100 kg) ab Hof zuzüglich Mehrwertsteuer kostet Stroh in kleinen Ballen gegenwärtig genauso viel wie Heu.

Grund für den Preisanstieg sei die deutlich kleinere Getreideernte, die auch weniger Stroh lieferte. Die Strohknappheit werde außerdem verschärft durch eine steigende Nachfrage aus den Niederlanden.

Auch in den Nachbarländern wird das Halmgut knapp. Noch nie sei Stroh in Zentraleuropa so gesucht gewesen wie heute, schrieb die Schweizer Bauernzeitung bereits im Dezember. In der Schweiz und auch in Süddeutschland sei das Stroh fast ausverkauft. Deshalb werde Stroh derzeit aus Norddeutschland, Frankreich und zum Teil aus Spanien importiert. Bereits im Jahr 2006 wurde eine Rekordmenge von gut 255.000 Tonnen Stroh in die Schweiz eingeführt. Als Grund für die Strohknappheit sieht die Bauernzeitung die ausgedehnten Regenfälle während der Getreideernte. Deutlich zeigt sich, dass auch die sogenannten biogenen Reststoffe keine unerschöpfliche Ressource darstellen.

Als Brennstoff wird Stroh derzeit vor allem in Dänemark genutzt. Auch in Deutschland nimmt das Interesse an der Nutzung dieses bisher preisgünstigen Brennstoffs zu. So ist im Landkreis Hildesheim das bundesweit erste Strohkraftwerk in Planung. Hersteller synthetischer Biokraftstoffe (BtL) wollen die Getreidehalme künftig als Rohstoffe nutzen. Auch beim Hausbau spielt das Nebenprodukt aus dem Ackerbau eine wachsende Rolle: Stroh-Dämmstoffe sind auf dem Markt, und seit 2006 dürfen in Deutschland Häuser aus Stroh gebaut werden: Das zuständige Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hatte die Nutzung von Strohballen als wärmedämmende Ausfachung für zulässig erklärt. (Vgl. Meldung vom 2006-03-03.)

(Vgl. Meldungen vom 2006-04-13 und 2007-09-21.)

Source: Top Agrar Online, 2008-01-28, LID.CH, 2007-12-17 und Eigenrecherche.

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