2 März 2020

Stroh ist ein knapper Wertstoff und kein Abfall

UFOP Grafik der Woche (KW 08/ 2020)

Getreidestroh ist knapp. Die vielfältigen Einsatzbereiche machen Getreidestroh zu einer nachgefragten Ressource. Dazu gehören der Humusaufbau für den Klimaschutz und die Verbesserung der Bodenqualität im konventionellen wie im Ökolandbau, die Verwendung als Strukturfutter, der steigende Einstreubedarf und die Erweiterung von Fruchtfolgesystemen mit Blattfrüchten wie zum Beispiel Körnerleguminosen. Die Herstellung von Biokraftstoffen wird sich als Nutzungspfad hinten anstellen müssen.

GdW_0820Damit hinterfragt die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) die aktuelle politische Bevorzugung von Biokraftstoffen aus Reststoffen, wenn Getreidestroh als Rohstoffquelle genannt werde. Dieses ist ein Handelsgut und sei zum „Nulltarif“ nicht zu haben. Im Gegenteil: Getreidestroh werde zwischen 95 bis 120 EUR je Tonne gehandelt. Tendenziell stiegen die Preise, insbesondere dann, wenn witterungsbedingt eine Strohbergung nicht möglich oder der Strohertrag ohnehin gering sei, betont der Verband. Aus Sicht der UFOP gehöre Getreidestroh als Strukturverbesser in die „CO2-Senke“ Boden für die Bildung von Dauerhumus. Außerdem werde der „Anbauflächenbedarf“ zu wenig beachtet.

Die UFOP hinterfragt auch, warum die Treibhausgas(THG)-Bilanz von Bioethanol aus Stroh besser sein solle als aus Anbaubiomasse. Stroh sei ein Wertstoff, deshalb müsse der Aufwand für die Produktion, Düngung, Kraftstoff usw. nach den internationalen Ökobilanzregeln auf das Korn und den Strohanteil verteilt werden. Getreidestroh als Rohstoff mit einem THG-Wert von „0“ g CO2/MJ zu bevorzugen sei nicht sachgerecht. Die UFOP mahnt den Korrekturbedarf in der RED II an, die infolge des „European Green Deals“ überprüft werden soll.

Anpassungsbedarf sieht die UFOP auch bei Biokraftstoffen aus Rapsöl. Hier müsste die Proteinkomponente dem Biokraftstoffanteil gutgeschrieben werden. Die Politik ignoriere geradezu die Option, mit einer solchen Anrechnung für die in der Europäischen Union für die Biokraftstoffherstellung genutzten Kulturarten wie Raps, Getreide, Mais und Zuckerrüben einen Absatzmarkt und damit Wertschöpfung für die Ackerbaubetriebe zu sichern.

Die UFOP fordert die Bundesregierung auf, für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die sich naturgemäß an den Anforderungskriterien für einen nachhaltigen Anbau orientieren müssen. Hier seien infolge der Umsetzung der RED Zertifizierungssysteme und -verfahren etabliert, die als gesetzlich verbindliche Marktzugangsregelung schärfere internationale Standards setzen als die sogenannten „Sustainable Development Goals “. Diese müssten auch für Biokraftstoffe aus Reststoffen gelten. Denn die UFOP erwarte, dass infolge der bestehenden Regelungen Biokraftstoffe aus Reststoffe auch aus Drittstaaten importiert werden.

Source: Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP), Chart of the week, 2020-02-17.

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