26 Juli 2011

Straubing: Baubeginn für CleanTech-Zukunftsprojekt

Süd-Chemie legt Grundstein für bis dato größte deutsche Zellulose-Ethanol-Anlage

Die Süd-Chemie AG, München, ein Konzernunternehmen der Schweizer Clariant AG, Muttenz, hat in Straubing den Bau der bislang größten deutschen Anlage zur Herstellung des klimafreundlichen Biokraftstoffs Zellulose-Ethanol aus Agrarreststoffen gestartet. Im Beisein von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil fand am 26. Juli 2011 die Grundsteinlegung für das von der Bayerischen Staatsregierung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Zukunftsprojekt statt.

Die in unmittelbarer Nähe des bayrischen BioCampus Straubing entstehende Anlage wird ab Ende 2011 vor allem aus Weizenstroh aus der Straubinger Umgebung, dem landwirtschaftlichen Zentrum der sogenannten Kornkammer Niederbayerns, jährlich bis zu 1.000 Tonnen Zellulose-Ethanol herstellen. Damit stellt diese Anlage einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Kommerzialisierung dieser Technologie dar. Am Standort werden in den kommenden drei Jahren etwa 20 neue Arbeitsplätze entstehen.

Dr. Günter von Au, Vorstandsvorsitzender der Süd-Chemie AG, sagte: “Mit der Investition in den Bau der Demonstrationsanlage gehen wir einen großen Schritt hin zur Kommerzialisierung unseres sunliquid®-Verfahrens und damit zur Markteinführung eines nachhaltigen Verfahrens zur Herstellung klimafreundlicher Kraftstoffe. Unser Dank gilt allen lokalen und überregionalen Partnern sowie unseren Förderern auf Seiten der Politik, insbesondere der Bayerischen Staatsregierung und dem BMBF. Mit Hilfe unserer Straubinger Demonstrationsanlage werden wir eine Zukunftstechnologie Made in Germany auf dem Weltmarkt ganz nach vorne bringen.”

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil erklärte: “Biokraftstoffe der ersten Generation werden aus essbaren Teilen der Pflanzen hergestellt, dadurch kommt es zur Konkurrenz zwischen Teller und Tank. Die Technologie von Süd-Chemie zeigt einen Weg aus diesem Dilemma: Sie nutzt die nicht essbaren Teile der Pflanze. Zudem ist diese Technologie noch klimafreundlicher. Daher habe ich mich persönlich für die Zellulose-Ethanol-Anlage in Straubing eingesetzt und dafür gesorgt, dass Bayern fünf Millionen Euro für begleitende Forschungsvorhaben bereit stellt.”

Bundesforschungsministerin Annette Schavan sagte: “Das knappe Erdöl verstärkt durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen, ist ein erklärtes Ziel der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030. Deshalb fördern wir die Entwicklung von Bioraffinerien, die aus landwirtschaftlichen Abfällen und Nebenprodukten wie Stroh wertvolle Chemierohstoffe oder Biokraftstoff herstellen können. In den nächsten sechs Jahren stehen insgesamt 2,4 Mrd. Euro Fördermittel für die Bioökonomie-Forschungsstrategie zur Verfügung, die im November 2010 von der Bundesregierung beschlossen wurde.”

Dr. Andre Koltermann, Leiter der strategischen Forschung und Entwicklung der Süd-Chemie, ergänzte: “Als Biokraftstoff der zweiten Generation weist Zellulose-Ethanol hohe Treibhausgaseinsparungen von bis zu 95% auf. Zudem bietet Zellulose-Ethanol ein hohes Potential, um nachhaltig die Abhängigkeit vom Erdöl durch die lokale Produktion eines erneuerbaren Energieträgers zu reduzieren.”

Seit 2009 wird das von der Süd-Chemie entwickelte sunliquid®-Verfahren bereits erfolgreich im Pilotmaßstab getestet. Es handelt sich dabei um ein innovatives, biotechnologisches Verfahren, um aus Pflanzenreststoffen wie Getreide oder Maisstroh Bioethanol herzustellen. Der Bau der Demonstrationsanlage stellt den notwendigen Zwischenschritt für die Planung energie- und kosteneffizienter Produktionsanlagen mit optimalen Treibhausgaseinsparungen dar.

In dem vollständig integrierten Verfahren liefern hochoptimierte rohstoffspezifische Biokatalysatoren hohe Ausbeuten bei stabilen Prozessbedingungen. Dabei bietet die prozessintegrierte Produktion der Biokatalysatoren Flexibilität und reduziert Produktionskosten. Durch einen neuen Hefeorganismus können im nächsten Schritt sowohl C5- als auch C6-Zucker in Ethanol umgewandelt werden, was die Ausbeute nochmals um etwa 50% erhöht. Erstmals wird in der Straubinger Anlage auch ein neues von der Süd-Chemie entwickeltes Aufreinigungsverfahren zum Einsatz kommen, welches maßgeblich dazu beiträgt, dass die gesamte benötigte Prozessenergie aus dem nicht verwertbaren Reststoff Lignin gewonnen werden kann.

Das Projekt umfasst ein Gesamtvolumen von rund 28 Mio. Euro. Diese setzen sich aus Investitionen in Höhe von 16 Mio. Euro und begleitenden Forschungsmaßnahmen von knapp 12 Mio. Euro zusammen. Diese und weitere im Zusammenhang mit dem Projekt stehende Forschungsvorhaben werden von der Bayerischen Staatsregierung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit jeweils rund 5 Mio. Euro unterstützt.

Über Biokraftstoffe der zweiten Generation
Die heute bereits gängigen Biokraftstoffe der ersten Generation werden ausschließlich aus öl- bzw. stärke- oder zuckerhaltigen Pflanzenbestandteilen hergestellt, beispielsweise Biodiesel aus Rapsöl oder Bioethanol aus Stärke oder Zucker. Das Problem dabei: Die Nutzungskonkurrenz zwischen Treibstoff und Nahrungsmittelherstellung, das sog. Tank-oder-Teller-Problem. Bei der Herstellung von Biokraftstoffen der zweiten Generation, wie beispielsweise Zellulose-Ethanol, werden hingegen nur die zellulosehaltigen Bestandteile der Pflanze genutzt. Dabei konkurriert der Treibstoff also nicht mit Nahrungs- oder Futtermitteln, weil die stärkehaltigen Pflanzenbestandteile, wie zum Beispiel das Weizen- oder Maiskorn, weiterhin für die Nahrungsmittelproduktion verwendet werden können. B

iokraftstoffe der zweiten Generation sind zudem klimafreundlicher als Treibstoffe aus fossilen Energieträgern wie Erdöl oder Erdgas, weil die Pflanze während des Wachstums der Atmosphäre exakt die Menge des Klimagases Kohledioxid entzieht, die später beim Verbrennen in Motoren wieder freisetzt wird. Die Einführung klimafreundlicher Biokraftstoffe der zweiten Generation wird durch gesetzliche Rahmenbedingungen in den USA und der EU gefördert. In den USA schreibt ein Ende 2007 beschlossenes Gesetz vor, dass bis 2022 etwa 15 Prozent des jährlichen US-Benzinverbrauchs mit Biokraftstoffen substituiert werden sollen, knapp 60 Prozent davon basierend auf lignozellulosehaltigen Reststoffen. Die vom EU-Parlament im Dezember 2008 verabschiedete Richtlinie Erneuerbare Energien schreibt bis 2020 einen Mindestanteil von 10 Prozent an erneuerbaren Energieträgern im Verkehr zum Güter- und Personentransport vor. Das derzeit in der EU jährlich anfallende überschüssige Getreidestroh wäre mehr als ausreichend, um dieses EU-Substitutionsziel von 10 Prozent durch Bioethanol der zweiten Generation zu decken.

Über Süd-Chemie
Die Süd-Chemie, ein Konzernunternehmen der Schweizer Clariant AG, Muttenz, ist ein börsennotiertes (ISIN: DE0007292005; WKN: 729200), weltweit tätiges Spezialchemieunternehmen mit Sitz in München. Gemeinsamer Nenner aller Produkte und Leistungen der Süd-Chemie ist der effiziente und schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen zur Schaffung von mehr Lebensqualität für Mensch und Umwelt. Produkte der Business Unit Catalysis & Energy (vormals: Unternehmensbereich Katalysatoren) bieten unter anderem Lösungen für die Chemie-, Petrochemie- und Raffinerieindustrie, die Energiespeicherung, Wasserstoffproduktion und Abgasreinigung. Wesentliche Märkte der Business Unit Functional Materials (vormals: Unternehmensbereich Adsorbentien) sind die Konsumgüter-, Verpackungs-, Gießereiindustrie sowie die Wasserbehandlung. Der Süd-Chemie-Konzern erzielte 2010 einen Konzernumsatz von 1,225 Mrd. Euro, davon knapp 85 Prozent mit Kunden außerhalb Deutschlands. Am 30. Juni 2011 beschäftigte der Konzern rund 6.500 Mitarbeiter in weltweit rund 120 Produktions- und Vertriebsgesellschaften.

Source: Südchemie AG, Pressemitteilung, 2011-07-26.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email