19 Dezember 2006

Österreich: Verbot für “nicht biogene Plastiksackerln” gefordert

Biogene Kunststoffe führen zwangsläufig zur Kreislaufwirtschaft

“Immer häufiger sind wir im Stadtbild mit Müllresten konfrontiert”, so ÖVP Wien Umweltsprecher LAbg. Roman Stiftner. Vor allem Plastiksackerln landen immer öfter nicht im Müllcontainer, sondern verschandeln Straßen, Parks und auch die Naturgebiete am Stadtrand.

“Wir fordern die Stadt Wien daher auf, wie etwa in Frankreich eine Diskussion über ein Verbot von Plastiksackerln aus nicht biogenem Kunststoff zu beginnen und somit mit gutem Beispiel voranzugehen.”

Stiftner tritt auch dafür ein, die Ausschreibungsbedingungen für das Gastronomiemanagement bei Großveranstaltungen in Wien in Richtung biogene Verpackungen zu ändern, so dass bei Großveranstaltungen nur noch biogenes Kunststoffgeschirr zum Einsatz kommt.

Unterstützt von einem Experten bescheinigt der VP-Umweltsprecher dem auf Basis von erneuerbaren Rohstoffen wie Mais, Weizen und Zucker hergestellten Kunststoff, dank seiner besseren Verrottbarkeit bzw. besseren CO2-Bilanz eine wichtige Bedeutung für die Umweltzukunft Wiens.

Stiftner: “Biogene Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen lassen automatisch eine Kreislaufwirtschaft entstehen und würden zudem, da landwirtschaftliche Produkte zur Produktion eingesetzt werden, eine Verdienstmöglichkeit für die heimische – bekanntlich unter starkem Wettbewerbsdruck stehende – Landwirtschaft schaffen.”

In Paris, so Stiftner, sind normale Plastiksackerln bereits ab 2007 verboten, in ganz Frankreich ab 2010. SPÖ-Gemeinderat Erich Valentin meinte dazu, es bestehe zwar in der Frage der Plastiksackerln mit der ÖVP durchaus Einigkeit, eine entsprechende Regelung sei aber für die SPÖ nur österreichweit durchsetzbar. (Vgl. Meldung vom 2006-11-30.)

Auch die FPÖ ist der gleichen Meinung wie die OVP. Norbert Hofer von der FPÖ: “Die Wiener ÖVP liegt richtig. Denn durchschnittlich dauert es vier bis sechs Jahrhunderte, ehe heute gebräuchliche Verpackungsfolien vollständig verrotten.

Innerhalb der EU werden Jahr für Jahr rund 250.000 Millionen Tonnen solcher Müllbergbausteine – zu deren Fundament auch Wegwerftaschen zählen – produziert. Die Suche nach umweltschonenden Alternativen ist demnach mehr als gerechtfertigt. Landwirtschaftliche Abfälle können maßgeblich zur Lösung des Problems beitragen.”

Biokunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Sie verrotten rasch und rückstandsfrei und entlasten die limitierten fossilen Ressourcen. Als Ausgangsstoffe eignen sich Zucker, Zellulose und vor allem Pflanzenstärke, die aus Erdäpfeln, Mais, Weizen und Zuckerrüben gewonnen wird. Durch Gärprozesse entsteht Polymilchsäure (PLA), die Produkten petrochemischen Ursprungs nicht nur bei Sauerstoffdurchlässigkeit und Temperaturbeständigkeit überlegen ist.

Hofer: “Abgeschlossene Studien in Gartenbetrieben und Pilotprojekte in Deutschland weisen Vielfalt und Wirkkraft der Anwendungsmöglichkeiten nach. Als weiterer positiver Effekt eines vermehrten Einsatzes von Biokunststoffen bieten deren Produktion neue Absatzmärkte für die heimischen Bauern.

Wiederum ist es einzig eine Frage des politischen Willens, ob im Interesse der Umwelt, der heimischen Bauern und unserer Unabhängigkeit von Importen entschieden wird. Minister Pröll wäre gut beraten, eine Initiative zur Abschaffung von Plastiksackerl zu unterstützen, anstatt umweltpolitsch sinnvolle Vorschläge der FPÖ reflexartig abzulehnen.”

(Vgl. Meldungen vom 2006-11-22 und 2006-10-25.)

Source: Oekonews vom 2006-12-19.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email