25 Oktober 2007

Steigende Preise bei Chemierohstoffen – Holzwerkstoffindustrie unter Druck

Preisauftrieb bei Vorprodukten Melamin, Harnstoff und Methanol

Die Preise der chemischen Vorprodukte zur Leimherstellung sind in den letzten Wochen dramatisch gestiegen. Für die Hersteller von Holzwerkstoffen nahmen damit die Produktionskosten in erheblichem Umfang zu. Ein Ende der Preisrallye, so der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), ist nicht absehbar.

Der vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) errechnete Index der Weltmarktpreise für Rohstoffe (HWWA-Index) liefert die Zahlen: Bis September 2007 stieg der Gesamtindex für Rohstoffe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22,5 Prozent. Diese Entwicklung hat sich bislang ungebremst fortgesetzt, wobei insbesondere die Preise für Melamin, Harnstoff und Methanol, Vorprodukte zur Leimherstellung, massiv anzogen.

Die VHI-Mitgliedsfirmen berichten von einem Preisauftrieb innerhalb der letzten 12 Monate bei Melamin um 23 Prozent, bei Harnstoff um 44 Prozent und bei Methanol vom 3. auf das 4. Quartal 2007 um 74 Prozent. Besonders Besorgnis erregend, so Dr. Peter Sauerwein, VHI-Geschäftsführer ist die brandaktuelle Entwicklung im Bereich Methanol. “Auf dem Spotmarkt kletterten die Preise gegenüber dem Beginn des 3. Quartals in diesen Tagen um über 150 Prozent.”

Zu den Ursachen gehört neben der weltweit ungebrochenen Nachfrage nach Rohstoffen auch der Bioboom (Anm. d. Red.: Gemeint ist die dynamische Entwicklung bei der Bioenergie). So wird zur Erzeugung alternativer Kraftstoffe mehr und mehr Biomasse benötigt. Dem weltweit wachsenden Hunger nach Produktionsflächen begegnet die Landwirtschaft auch durch vermehrten Einsatz von Düngemitteln. Dabei spielt Harnstoff eine zunehmende Rolle. Aber auch für den Klimaschutz ist Harnstoff begehrt. Um die Stickoxidemissionen zu reduzieren, wird Harnstoff im Rahmen der “AdBlue-Technologie” dem Sprit zugeführt.

Bei Melamin wirken sich die nachlassenden Liefermengen aus China negativ aus. China hat kürzlich die Rückvergütung der Ausfuhrsteuer deutlich reduziert, was den Warenfluss nach Europa drosselt. Die Engpässe in der Erdgasversorgung haben in China zudem dazu geführt, dass u.a. die Produktion von Methanol aus Erdgas Ende August gestoppt wurde. Daneben fehlt es zunehmend an Tankerkapazitäten für den Transport nach Europa.

“Angesichts dieser weltweiten Entwicklungen kann von einer absehbaren Entspannung auf den Märkten für Chemierohstoffe nicht ausgegangen werden”, so Sauerwein. Der zunehmende Wettstreit um die Ausgangsprodukte Erdöl, Erdgas und der nachwachsenden Rohstoffe macht wahrscheinlich, dass selbst eine Stagnation auf hohem Niveau derzeit nicht in Sicht ist. Sauerwein geht daher davon aus, dass die Weitergabe der Rohstoffpreise durch die Wertschöpfungskette unausweichlich ist und kurzfristig erfolgen wird.

Pressemitteilung als PDF-Dokument

(Vgl. Meldung vom 2007-07-19 und die Rubrik Preis-Indizes.)

Source: Verband der Deutsche Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), Pressemitteilung, 2007-10-16.

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