9 Juni 2006

Steigende Holzpreise werden zum Problem

Waldprivatbesitzer-Potenzial zu wenig genutzt

Die deutlich gestiegenen Preise für Holz bereiten der verarbeitenden Industrie in Deutschland zunehmend Probleme. Branchen wie die Zellstoffwirtschaft oder die Möbelindustrie erwarten auch für die kommenden Jahre steigende Preise, können diese aber kaum an die Endkunden weitergeben.

Hauptgrund für die rasant steigenden Beschaffungskosten sind die hohen Energiepreise, die dazu führen, dass Holz als Brennstoff immer begehrter wird. “Wenn es bei den jetzigen Rahmenbedingungen bleibt – vor allem in der Energiepolitik und beim Ölpreis – wird die Konkurrenz zwischen stofflicher und energetischer Verwertung von Holz deutlich zunehmen”, sagt Michael Funk, Geschäftsführer des Holzhandelsunternehmens ZS Holz. Das Unternehmen gehört zu Zellstoff Stendal, einer Tochter des amerikanischen Konzerns Mercer International. Dessen Zellstofffabrik in Arneburg (Sachsen-Anhalt) ist die größte in Zentraleuropa und einer der größten Holzverbraucher in Deutschland.

Angesichts der stark gestiegenen Kosten für Öl und Erdgas ergänzen viele Hausbesitzer ihre Wärmeerzeugung mittlerweile um Holzöfen oder steigen ganz darauf um. Eingesetzt werden dabei sowohl klassische Kaminöfen als auch moderne Brenner, die aus Sägespänen gepresste Holzpellets verheizen.

Zusätzlich getrieben wird der Holzbedarf in Deutschland durch die gesetzlich geregelte Förderung von Biomassekraftwerken. In den Anlagen werden neben anderen organischen Substanzen auch große Mengen Holz zu Biogas umgewandelt. Funk schätzt, dass der Holzverbrauch in Deutschland insgesamt von rund 82 Millionen Festmetern im Jahr 2002 auf etwa 96,4 Millionen Festmeter im vergangenen Jahr gestiegen ist.

Preissteigerungen von 20 bis 25 Prozent

Die Industrie bezieht ihr Holz aus unterschiedlichen Quellen. Neben dem Einschlag aus den deutschen Forsten wird im wesentlichen Altholz aus der Wirtschaft oder aus dem Abriss von Gebäuden verwertet. Die Preissteigerungen unterscheiden sich nach Herkunft und Produktqualität.

“Bei Buchenholz wird am Markt für Brennholz deutlich mehr bezahlt als für die Verwertung in der Industrie”, sagt Funk. “Der Preis für einen Festmeter Buche ist im zurückliegenden Jahr um 20 bis 25 Prozent auf 40 bis 50 Euro gestiegen. Wenn man als Zellstoffhersteller den Preisanstieg mitgehen würde, wie er beim Buchenbrennholz herrscht, würde man rote Zahlen riskieren. Auch Altholz ist eine knappe Ressource, die deutlich teurer geworden ist.”

Betroffen vom Anstieg des Holzpreises ist auch die Möbelindustrie in Deutschland. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen stehen derzeit vor dem Problem, dass sie die höheren Beschaffungskosten nicht weitergeben können.

Vorprodukte wie Spanplatten seien in den vergangenen zwei Jahren um 15 bis 20 Prozent teurer geworden, sagte Jan Kurth vom Hauptverband der deutschen Holz und Kunststoffe verarbeitenden Industrie: “Im Möbelhandel gibt es eine starke Konzentration von Anbietern, die sich Rabattschlachten liefern. Bei Preisverhandlungen mit den Möbelherstellern sind sie hingegen sehr unbeweglich.”

Energiepolitik verschärft Rohstoffknappheit

Bezugsquellen
Auch die Zellstoffindustrie könne die Preissteigerungen nicht ohne weiteres an ihre Kunden, etwa die Papierhersteller, weitergeben, sagte Wolfram Ridder, Vice President bei Mercer International. “Zellstoff unterliegt als Massenware der Preisbildung am Weltmarkt, und die deutsche Zellstoffproduktion hält trotz der Verdoppelung der hiesigen Herstellungskapazitäten in den vergangenen fünf Jahren global nur einen geringen Marktanteil.”

Ridder kritisierte, dass die Energiepolitik der Bundesregierung die Verbrennung oder Verschwelung von Holz fördere, “anstatt das Holz zunächst zu hochwertigen Produkten zu verarbeiten und es erst anschließend an eine solche Nutzung zu verbrennen”. Daraus ergebe sich für die Holz verarbeitende Industrie in Deutschland ein Wettbewerbsnachteil, “der nicht vom Markt beeinflusst ist”.

Sinkende Preise nicht zu erwarten

Festmeter
Baldige Entlastung durch ein höheres Holzangebot könnten die Unternehmen nicht erwarten, glaubt Marktexperte Kurth. Die Anbieter versuchten, das hohe Preisniveau zu halten: “In Deutschland wird nach wie vor deutlich weniger Holz geschlagen als gebraucht wird. Die Motivation privater oder öffentlicher Forstunternehmen, mehr Ware an den Markt zu bringen, ist durchaus begrenzt.”

Michael Funk von ZS Holz dagegen hofft, dass die hohen Preise mittelfristig neue Anbieter dazu verführen, ins Holzgeschäft einzusteigen: “Etwa die Hälfte des Waldes in Deutschland liegt in Privatbesitz, ein großer Teil davon ist so genannter Kleinprivatwald”, sagte er. “Hier gibt es ein großes, wirtschaftlich nutzbares Potenzial. Das müssen wir mobilisieren.”

(Vgl. Meldung vom 2006-06-08.)

Source: Financial Times Deutschland vom 2006-06-08.

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