27 Oktober 2003

Steigen die Rohholzpreise?

Hannover 15.10.2003 Im Sommer 2004 soll das zur Zeit im Bau befindliche Zellstoffwerk Stendal die Produktion aufnehmen. Bei voller Auslastung des Werkes werden in der Folgezeit jährlich insgesamt zwei Millionen Festmeter Industrie-Rundholz und eine Millionen Festmeter Hackschnitzel benötigt. Das Werk braucht auch Holz aus Niedersachsen. Können die Weltbesitzer auf höhere Preise hoffen?

Die eigens für die Holzbeschaffung gegründete Zellstoff Stendal Holz (ZS Holz) hat kürzlich den Rundholzeinkauf gestartet, sie wird nicht nur für das neue Werk in Arneburg bei Stendal zuständig sein, sondern nach Ablauf der dortigen Startphase auch den Holzeinkauf für den Schwesterwerk in Blankenstein (Thüringen) übernehmen. Damit übernimmt die ZS Holz die Beschaffung von 2,5 Millionen Festmeter Industrieholz und 2,5 Millionen Festmeter Hackschnitzel. In Stendal sollen die Nadelhölzer Kiefer, Fichte, Tanne und Douglasie eingesetzt werden, ausdrücklich ausgeschlossen wird Lärchenholz, weil die darin enthaltenen Inhaltstoffe zu Qualitätsnachteilen beim Zellstoff führen können. Die Rundhölzer werden mit Längen von drei bis sechs Meter und Durchmessern von 50 bis 750 Millimeter angenommen. Kürze Hölzer sollen aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen werden. Nach Angaben von Geschäftsführer Michael Funk wünschen die Zellstoffkunden PEFC-zertifiziertes Holz.

Das Zuwachspotenzial der Forsten – so die Experten – werden im Einzugsgebiet des Zellstoffwerkes gegenwärtig bei weitem nicht genutzt. In vielen Regionen beträgt die Holznutzung pro Hektar nur ein Festmeter, obwohl von einem jährlichen Zuwachs von etwa vier Festmeter pro Hektar ausgegangen werden kann. Nach Berechnungen von ZS Holz müssen für die Holzernte im Einzugsgebiet von etwa 300 Kilometern um das Werk 87 Harvester und Rückezüge zuzüglich im Zweischichtsystem eingesetzt werden. Allein hierdurch würden zirka 350 neue Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft entstehen. Der weitaus größte Teil des benötigten Holzes soll jedoch von Forstunternehmen beschafft werden. Diese können dabei frei entscheiden, ob sie die für die ZS Holz als Dienstleister tätig werden oder das auf eigene Rechnung geworbene Holz zum Kauf anbieten wollen.

Nach der aktuellen Planung soll mit 1,6 Millionen Festmeter etwa 60 Prozent des Rundholzes per Lkw angeliefert werden. Ab einer Entfernung von 200 Kilometer vom Werk wird der Bahntransport mit Ganzzügen favorisiert. Zudem soll später im Werk eine Anlieferung per Schiff erfolgen. Die Zeit von der Fällung des Holzes bis zum Eingang im Werk wird nach aktuellen Planung in der Winterzeit höchstens 42 Tage und bei der Sommerfällung bis zu 32 Tage betragen.

Die Hoffnungen der Waldbesitzer auf höhere Preise scheinen nicht unberechtigt, denn der enorme Bedarf an Industrieholz wird sich auch auf die Preisentwicklung auswirken. Für die Bereitstellung der zusätzlichen Holzmengen müssen auf Seiten der Forstunternehmen nicht unerhebliche Investitionen im Maschinenpark getätigt werden. Nicht ausgeschlossen wird außerdem ein neues Sägewerk in unmittelbarer Nähe zum Zellstoffwerk in Stendal. Dies würde weiteren Holzbedarf im Bereich der Schwachholzabschnitte auslösen und die Nachfrage steigen lassen. Das Werk in Stendal hat durch den Einsatz neuster Technik einen Wettbewerbvorteil, der auch geringfügig höhere Rohstoffpreise ausgleichen könnte. Insgesamt also eine positive Entwicklung für die in den zurückliegenden Jahren nicht gerade verwöhnten Nadelwaldbesitzer Norddeutschlands.

(Vgl. Meldung vom 2002-12-06.)

Source: Landvolk Online, Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V. vom 2003-10-15.

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