5 August 2010

Startschuss für Pilotphase der weltweit ersten Lignocellulose-Bioraffinerie

Forschungsprojekt zur vollständigen Verwertung von Holz und Stroh

Deutschland möchte an die Spitze der Bioraffinerie-Forschung. Dazu tragen seit Anfang August 2010 auch Wissenschaftler des Instituts für Lebensmittelchemie und Lebensmitteltechnologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) bei. Das Landwirtschaftsministerium fördert ihr Projekt “Neue Wege zum enzymatischen Aufschluss von Holz und Stroh” mit 130.000 Euro.

“Wir bringen Prozesse der Natur in die Technik”, erklärt Prof. Dr. Holger Zorn vom Institut der JLU. “Enzyme des Pilzes Pleurotus sapidus zerlegen Lignocellulosen, also Holz oder Stroh, in ihre Komponenten, woraus wiederum etwa Biosprit erzeugt werden kann.”

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte Mitte Juni den Startschuss für die Pilotphase der weltweit ersten neuen Lignocellulose-Bioraffinerie gegeben. Im Gepäck: Ein Förderbescheid über rund 8,5 Millionen Euro aus dem Forschungsprogramm “Nachwachsende Rohstoffe”. Die Gelder gehen außer an die JLU unter anderem noch an die Chemie-Konzerne Evonik und Bayer und die Fraunhofer-Gesellschaft. Der Forschungsverbund möchte bis Ende 2012 eine Pilotanlage am Chemiestandort Leuna in Betrieb nehmen.

Die vollständige Verwertung von Holz wird in der Pilotphase erstmals getestet. Die drei wichtigsten Holzkomponenten (Lignin, Cellulose, Hemicellulose) lassen sich hierbei voneinander trennen. Lignin kann anschließend zu Biowerk- und Klebstoffen weiterverarbeitet werden. Auch als Ausgangsstoff für Chemikalien ist Lignin nutzbar. Cellulose und Hemicellulose werden zu fermentierbaren Zuckern verarbeitet und finden in der Biotechnologie Anwendung.

Falls die Pilotarbeiten den hohen Erwartungen gerecht werden, wäre der Bau einer großtechnischen Lignocellulose-Bioraffinerie der nächste Schritt auf dem Weg zur Spitze der Bioraffinerie-Forschung. Die Vision der Wirtschaft und der Forscher ist es, mit den Bioraffinerien ähnlich komplexe und vielfältige Produkte herzustellen, wie dies in den heutigen petrochemischen Raffinerien gelingt.

Weitere Informationen: www.uni-giessen.de/cms/lcb

Source: Universität Gießen, Pressemitteilung, 2010-08-05.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email