1 Februar 2011

Spekulationen an den Rohstoffmärkten nehmen zu

Weitere Preis-Hausse erwartet

In diesem Jahr dürften die Preise für Rohstoffe das große Thema im Einkauf sein. Hoch schießen vor allem Baumwolle, Kupfer und Kautschuk.

Beginnen wir mit Kupfer. Das Metall erzielt an den Börsen derzeit einen Rekord nach dem anderen. Kontrakte zur Lieferung in drei Monaten kosteten an der Londoner Metallbörse LME zeitweise 9210 Dollar pro Tonne. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag der Kurs bei 9030 USD/t.
Jüngst war bekanntgeworden, dass der größte Kupferkonsument China seine Einfuhren im November 2010 im Monatsvergleich um 29 Prozent gesteigert hatte. Sicher ist, dass sich der Boom in der Volksrepublik fortsetzt. Kupfer wird beim Bau von Häusern und bei Infrastrukturprojekten für Stromkabel und Leitungen benötigt.

Doch damit nicht genug. Kupfer ist nun auch ins Visier von Spekulanten geraten. Darauf deutet der Marktstart neuer Fonds hin, die auf Kupfer und andere Industriemetalle ausgerichtet sind.

Nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs werden die meisten Rohstoffpreise in diesem Jahr weiter steigen. Zur Begründung verwies Goldman auf die Erholung der US-Wirtschaft. 2011 werde “der dramatisch gestiegene Rohstoffbedarf Chinas auf eine stärkere USA treffen”. Die stärksten Auswirkungen seien bei Rohöl, Kupfer, Baumwolle, Sojabohnen und Platin zu erwarten.

China braucht von allem mehr
Was Baumwolle angeht, so haben Einkäufer hier derzeit auch einen schweren Stand. Und das wird 2011 nicht besser. Der Gesamtverband Textil und Mode rechnet mit einer fortgesetzen Hausse bei den Preisen für natürliche sowie chemische Fasern. Allein der Preis für das wichtige Basismaterial Baumwolle hat im Oktober mit 1,31 US-Dollar pro Pfund ein historisches Hoch erreicht. Der Einkaufspreis für Wolle ist 2010 um rund 40 Prozent gestiegen. Ähnlich verhält es sich bei vielen erdölbasierten Chemiefasern, deren Bedeutung gegenüber Naturfasern stetig zunimmt.

Schuldige gibt es aber noch mehr. Einer der schlimmsten ist das Wetter. Wie bei Baumwolle übt das Wetter großen Einfluss auf Produktion und Preise von Kautschuk aus. Erst war es zu trocken, jetzt ist es zu nass: Schlechtes Wetter in Thailand schadet den Bäumen, aus denen der Rindensaft gewonnen wird. Überschwemmungen haben den Kautschuk-Preis auf ein Rekordhoch getrieben. Zugleich befeuert der Automarkt in China und Indien die Nachfrage der Reifenhersteller.

Angesichts abnehmender Erträge aus dem weltgrößten Anbaustaat von Kautschuk-Bäumen befürchten viele Händler, dass das Angebot mit der wachsenden Nachfrage aus China und Indien nicht schritthalten kann. Kautschuk wird hauptsächlich aus der Rinde des Kautschuk-Baumes gewonnen und ist der Grundstoff für die Herstellung von Gummi.

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC geht hervor, das globale Bevölkerungswachstum, wachsender Wohlstand in den Schwellenländern und die zunehmende Energieerzeugung aus Biomasse liessen die Nachfrage nach Rohstoffen stetig steigen. Da sich das Rohstoffangebot nur begrenzt ausweiten lässt und die Spekulationen an den Rohstoffmärkten zunehmen, können Preissteigerungen nicht ausbleiben.

Besserung nicht in Sicht
Viele Einkäufer setzen daher auf die Etablierung langfristiger Beziehungen zu den Rohstoffproduzenten. Ein wichtiges Instrument zur Lieferantenbindung ist die gemeinsame Durchführung von Nachhaltigkeitsprojekten. Diese Projekte werden vor allem für die Sicherung bestimmter Rohstoffqualitäten wie zum Beispiel Bioprodukten weiter an Bedeutung gewinnen.

Source: Industrie.de, 2011-02-01.

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