12 April 2002

Spanplatten als Recycling-Rohstoff

Altholz zur stofflichen Verwertung gewinnt zunehmend an Bedeutung

Von den 8-10 Mio. Tonnen Altmöbeln, die zu 95% aus Spanplatten bestehen und jährlich auf den Müll wandern, werden bisher nur 1,2 Mio. Tonnen für die stoffliche Verwertung genutzt. Nach der neuen Altholzverordnung soll dies bald anders werden und spätestens ab Juni 2005 ist geplant, in Verbindung mit dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz die Deponierung von Abfällen, die mehr als 5% organische Stoffe enthalten, zu untersagen. „Für die Möbelindustrie war bislang vor allem die ungeregelte rechtliche Situation ein Risiko bei der Wiederverwertung von Spanplatten“, erklärt Bernd Wittke vom Nolte Spanplattenwerk hierzu während einer Tagung des Institutes für Holzbiologie der Universität Göttingen. Fünf Kategorien sieht die Altholzverordnung für Gebrauchtholz vor und regelt somit die thermische und stoffliche Verwertung von unbehandeltem bis zu dem mit polychlorierten Biphenylen (PCB) kontaminierten Material.

Der Trend zu alternativen Rohstoffen wird auch zunehmend Thema bei den Bindemitteln. „Lange Zeit ging es bei Bindemitteln vor allem um die Vermeidung von Formaldeyd-Emissionen“, berichtet Rainer Marutzky vom Fraunhofer WKI. Gegenwärtig herrschen auch hierbei ökologische Gesichtspunkte vor. Am Institut für Holzbiologie und Holztechnologie der Universität Göttingen wird bereits an einem Verfahren geforscht, das ohne Bindemittelzusatz auskommt. Als Ausgangsmaterial verwendet man hier mit Harnstoff-Formaldehyd (UF)-Harzen verleimte, mechanisch zerkleinerte Faserplatten. Nach thermo-hydrolytischem Aufschluss durch einstündiges Kochen bei 130°C im Autoklaven verbleibt ein Rest des ursprünglichen Bindemittels, das beim Pressen des Recyclingmaterials durch weitere Hydrolyse Formaldehyd freisetzt. Eine Tannin-Zugabe sorgt dann für den gewünschten Effekt: „Der Formaldehydrest sorgt beim Pressen für die Vernetzung des Tannins, so dass im Idealfall die Zugabe eines Vernetzungsmittels nicht erforderlich ist“, weiß Claus Behn vom Institut für Holzbiologie zu berichten. Die aus dem Prozess hervor gegangenen Faserplatten haben eine große Querzugsfestigkeit, hohe Biegefestigekit und minimale Formaldehyd-Emissionen.

Auch Klebstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden immer wichtiger. Bei den Mannheimer Chemischen Werken Zell-Wildshausen entwickelte man ein Elektrolyse-Verfahren, mit dessen Hilfe aus Ligninsulfonaten, die in großen Mengen als Nebenprodukt der Zellstoffgewinnung anfallen, Lignosulfonsäure entsteht (Vgl. auch Meldung vom 2001-12-15). Auch Pflanzenproteine, z.B. aus Weizenkörnern, sind interessant zur direkten Einkondensierung in Phenol-Formaldehyd-Harz-Systeme.
Leider sind die besherigen Entwickungen auf diesem Sektor noch nicht erfolgreich genug, den hohen Anforderungen der Holzwerkstoff-Industrie und der Praxis Genüge zu tragen. Den Vorzug bewahren sich daher wohl auch noch einige Zeit die bewährten synthetischen Harze wie Harnstoff-Formaldehyd, Melamin-Harnstoff-Formaldehyd, Phenol-Formaldehyd oder polymere Diisocyanate.

Source: VDI nachrichten vom 2002-03-28.

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