20 Juli 2005

Spanische Forscher entwickeln ein System zur Massenproduktion von pharmakologisch interessanten Pigmenten

Ein Forscherteam des Instituts für Pflanzenbiochemie und Photosynthese des spanischen nationalen Forschungsrats (CSIC) in La Cartuja, Sevilla, hat ein System entwickelt, das die Produktion von großen Mengen von Lutein ermöglicht, einem biologischen Pigment, das auch Bestandteil zahlreicher Heilmittel ist. Laut neueren Untersuchungen tragen die antioxidativen Eigenschaften des Luteins zur Vorbeugung gegen degenerative Krankheiten wie Arteriosklerose oder grauem Star bei.

Experten der Gruppe “Biotechnologie der Mikroalgen” gelang es, ein innovatives System zu entwickeln, mit dem dieser wertvolle Bestandteil aus den Zellen der Grünalge Muriellopsis gewonnen werden kann. Das in Sevilla konzipierte Verfahren garantiert eine reichliche und dauerhafte Lutein-Produktion und ist bedeutend profitabler als konventionelle Methoden, bei denen der Stoff aus den Blütenblättern der Ringelblume (Calendula officinalis) gewonnen wird, einer orangefarbenen Blume mit heilenden Eigenschaften, die vor allem im Süden der USA und in Mexiko angebaut wird.

Laut Miguel García Guerrero, dem Leiter des Teams, liegt ein Vorteil dieses erst kürzlich patentierten Verfahrens in der Tatsache, dass die Biomasseproduktion quasi das ganze Jahr über gewährleistet und nicht auf die Blütezeit einer Pflanze und auf die Ernte beschränkt ist, wie dies bei den Ringelblumen-Plantagen der Fall ist.

“Die Algen reifen in sieben Tagen. Dann werden sie geerntet, wobei ein winziger Teil der Zellen zurückbehalten werden muss, um eine neue Generation zu kultivieren. Das bedeutet, dass die wöchentliche Ernte fast das ganze Jahr über gesichert ist”, erläutert Dr. García.

Die Algen werden in offenen Teichen im Freien kultiviert. Die Mikroalgensuspension wird permanent homogenisiert, dank eines einfachen aus drei Kellen bestehenden Systems, das für konstante Bewegung sorgt, damit sowohl Nährstoffe als auch Licht gleichmäßig in alle Zellen gelangen. “Dadurch werden auch Algenablagerungen an den Wänden und auf dem Boden des Beckens vermieden und die Entwicklung der Algen ist gewährleistet”, erklärt der Forscher. Darüber hinaus wird dem Teich den ganzen Tag über Kohlenstoffdioxid zugeführt. Sobald es dunkel wird, stoppt die Zufuhr automatisch, da dann die Zellen das Gas natürlich aufnehmen können.

Experten erwarten eine durchschnittliche Produktion von reinem Lutein von bis zu 200 kg pro Hektar und Jahr. Damit wäre der Ertrag 20-mal so hoch wie der, der aktuell durch das Ringelblumen-Extraktionsverfahren erzielt wird.

Lutein ist ein Carotinoid, ein gelbes Pigment, das in Pflanzen vorkommt und das in der Agro-Lebensmittelindustrie unterschiedliche Anwendungen findet. Als Tierfutterzusatz dient es nicht nur als Farbstoff für Fleisch und Eier, sondern ist auch ein Lichtfilter und ein Antioxidanz, der die Sehnerven schützt und andere positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass Lutein zur Vorbeugung gegen Makuladegeneration in der alternden Bevölkerung und gegen Herzkrankheiten beitragen und die Immunabwehr gegen verschiedene Krebsarten stärken kann.

Weitere Informationen sind auf folgender Website abrufbar: http://www.ibvf.cartuja.csic.es/Biotec_microalgas/Biotech_Microalgae.htm

Source: CORDIS-News vom 2005-07-20.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email