6 Dezember 2007

Shell fordert Zertifizierung von Biokraftstoffen

Auftragsstudie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts betont Unterschiede in der Nachhaltigkeitsperformance

Angesichts des zunehmenden Einsatzes von Biokraftstoffen fordern Shell und das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) eine Zertifizierung nach internationalen Standards. “Um mit einem vermehrten Einsatz von Biokraftstoffen nicht andere Nachhaltigkeitsziele zu gefährden, müssen das CO2-Reduktionspotenzial ebenso wie andere Nachhaltigkeitskriterien geprüft, überwacht und zertifiziert werden”, heißt es in der Studie “Biokraftstoffe und Nachhaltigkeit – Ziele, Probleme Instrumente, Lösungen”, dioe das HWWI im Austrag von Shell erstellt hatte.

Dem Ziel, auch in Zukunft eine sichere, bezahlbare und gleichzeitig nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten, werden Biokraftstoffe nach Einschätzung des HWWI nicht zwangsläufig gerecht. “Biokraftstoffe sind höchst heterogen und tragen deshalb sehr unterschiedlich zur Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele bei”, erklärt Dr. Michael Bräuninger, Kompetenzbereichsleiter “Wirtschaftliche Trends” im HWWI. Darüber hinaus kann die Produktion von Biokraftstoffen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und auch in Konflikt zu anderen Nachhaltigkeitszielen, wie etwa dem Erhalt der Biodiversität stehen.

Das Problem mit der Nachhaltigkeitsperformance sieht auch Shell. “Umso mehr fühlen wir uns als größter Vermarkter von Biokraftstoffen verpflichtet, zu einer möglichst nachhaltigen Nutzung biogener Komponenten beizutragen”, sagt der Chefvolkswirt der Shell Deutschland Oil GmbH (SDO), Dr. Jörg Adolf.

Konkret verfolgt Shell zwei Ansätze:

Erstens ist Shell dabei, Nachhaltigkeitskriterien für die Beschaffung von Biokomponenten zu entwickeln. Hier arbeitet Shell zum einen mit relevanten Partnern aus Regierung, Interessengruppen und Wirtschaft an der Formulierung entsprechender Standards und beteiligt sich an Initiativen wie dem ‘Roundtable for Sustainable Biofuels’ und anderen. Darüber hinaus arbeitet Shell auch mit seinen Lieferanten daran, nachhaltige Liefer-Standards zu etablieren.

Zweitens investiert Shell schon heute in Biokraftstoffe zweiter Generation, die eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von bis zu 90% im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen erreichen können. Konkret engagiert sich Shell in drei Projekten: der Herstellung synthetischen Diesels aus Biomasse mit dem sächsischen Unternehmen CHOREN, der Erzeugung von Bioethanol aus Zellulose (zum Beispiel aus Stroh) durch enzymatische Verfahren zusammen mit der kanadischen Firma Iogen, sowie der Entwicklung von Enzymen, welche Biomasse in Kraftstoff umwandeln können – hier hat Shell gerade seine Kooperation mit dem US-Unternehmen Codexis ausgebaut.

Biokraftstoffen der zweiten Generation bescheinigen die HWWI-Experten eine besonders gute Nachhaltigkeitsperformance etwa mit Blick auf die CO2-Emissionen. Allerdings sind diese heute noch nicht marktreif. Hier schlägt das HWWI vor, über Nachhaltigkeitsfaktoren ökonomische Anreize zu setzen. “Eine progressive Anrechnung nach CO2-Emission würde bei steigenden Vermeindungskosten zusätzliche Anreize setzen, in die neue Biokraftstoff-Generation zu investieren”, sagt Bräuninger.

Nach Ansicht des HWWI erfordert eine angemessene Beurteilung von Biokraftstoffen eine detaillierte Analyse des CO2-Reduktionspotenzials und der Nachhaltigkeit über die gesamte supply chain, das heißt, über alle Produktionsstufen vom Anbau, den Transport, die Herstellung, den erneuten Transport und den Verbrauch hinweg. Eine Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe könnte nach derzeitigem Stand noch 2008 in Deutschland in Kraft treten. Angesichts der Komplexität sei das zwar ehrgeizig, aber dennoch möglich. Vor Inkrafttreten, so die gemeinsame Erkenntnis von HWWI und Shell, wäre jedoch grundsätzlich eine Pilotphase empfehlenswert.

Weitere Informationen
HWWI-Studie Biokraftstoffe und Nachhaltigkeit – Ziele, Probleme Instrumente, Lösungen (PDF-Dokument)

(Vgl. Meldungen vom 2007-11-21 und 2006-06-22.)

Source: Shell, Pressemitteilung, 2007-12-04.

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