22 April 2005

Schweden: Saab startet Verkauf des ersten “Flexible-Fuel Vehicle”

9-5 BioPower Modell als Limousine und Sport-Kombi

Wie Autosieger.de berichtet, hat die schwedische Premiummarke Saab in ihrem Heimatland mit dem Verkauf des ersten “Flexible-Fuel Vehicle” (FFV) begonnen, das wahlweise mit Bio-Ethanol oder mit reinem Benzin in jeder denkbaren Konstellation betrieben werden kann. Das Modell 9-5 BioPower wird als Limousine und Sport-Kombi angeboten und basiert auf dem 9-5 2.0t, der in der BioPower-Ausführung über eine Leistung von 132 kW / 180 PS verfügt. Die ersten Fahrzeuge werden in Schweden ab Juni an die Kunden ausgeliefert.

Saab in Schweden bietet zum Verkaufsstart seinen Kunden ein besonderes Angebot: Wer den Saab 9-5 2.0t BioPower noch vor Ende Mai bestellt, muss keinen Aufpreis gegenüber dem Serienmodell bezahlen. Anschließend beträgt die Differenz 8.000 Schwedische Kronen, das entspricht ca. 870 Euro. Interesse an Saab BioPower-Fahrzeugen ist auch in anderen Märkten vorhanden. Hier sollen in naher Zukunft Vorführflotten bereitgestellt werden.

Als nächstes plant Saab die Einführung einer BioPower-Version für die Sport-Limousine, den neuen SportCombi und das Cabriolet der 9-3-Modellfamilie.

Zurzeit wird Ethanol in Schweden unter dem Namen E85 als Treibstoff-Gemisch im Verhältnis von 85 Prozent Ethanol zu 15 Prozent Benzin angeboten. In Schweden liegt der Preis für E85 an der Tankstelle um 25 Prozent unter dem Benzinpreis. Tests haben ungefähr gleich hohe Treibstoffkosten bei Fahrten in der Stadt und im gemischten Zyklus ergeben, während bei gleichmäßigem Fahren auf der Autobahn eine Einsparung von bis zu 15 Prozent zu erwarten ist.

Perfekte Umstellung durch Saab Trionic

Die Saab Trionic-Motorsteuerung vereinfacht die Umstellung auf die unterschiedlichen Zündzeitpunkte und Anforderungen an das Kraftstoff-Luft-Gemisch im Betrieb mit E85. Die Trionic überwacht, erkennt und veranlasst sämtliche eventuell notwendigen Anpassungen für den Betrieb in jeder denkbaren Kombination von E85 und Benzin.

Der BioPower-Motor wurde von schwedischen Ingenieuren in Zusammenarbeit mit GM Powertrain-Experten in Brasilien entwickelt. Das Land selbst produziert aus Zuckerrohr 100-prozentiges Ethanol, den auf dem heimischen Markt dominierenden Treibstoff E100.

”Unsere Motorsteuerung passt sich automatisch dem gerade verwendeten Typ Treibstoff an”, erklärt Kjell Bergström, Präsident und CEO der Saab Automobile Powertrain AB. ”Sollte also einmal kein Ethanol zur Verfügung stehen, kann der Kunde das Fahrzeug jederzeit mit Benzin fahren. Gerade die Turbomotoren profitieren besonders von den Vorteilen, die Ethanol bietet. Unsere Arbeit an diesen Motoren weist außerdem auf das große Entwicklungspotenzial dieses Treibstoffs hin.”

Gesamteuropäische Initiative

Die Europäische Union (EU) setzt sich stark für die Reduzierung der Emission von Treibhausgasen ein und unterstützt den breiteren Einsatz von Bio-Treibstoffen im Straßenverkehr. Eine Flotte von Saab 9-5 BioPower-Modellen wird voraussichtlich an einer Vorstellung in den fünf EU-Mitgliedsstaaten Niederlande, Großbritannien, Irland, Spanien und Schweden sowie auch in China und Brasilien teilnehmen.

Die unter dem Namen BEST (BioEthanol for Sustainable Transport) mit den Herstellern Saab, Scania und Ford Europe lancierte Initiative wird mit Unterstützung von Ethanol-Herstellern und universitären Forschungszentren ebenfalls noch 2005 anlaufen. Im Rahmen dieser Aktion können Behörden und Betreiber großer Flotten die Straßenleistung von Fahrzeugen, die mit Bio-Ethanol angetrieben werden, prüfen und bewerten.

Eine EU-Richtlinie zur Energiebesteuerung verlangt von den Mitgliedsstaaten, auf reine Bio-Treibstoffe oder Treibstoffe mit einem geringen Gemischverhältnis entweder einen reduzierten Steuersatz anzuwenden oder diese Treibstoffe gänzlich von der Besteuerung zu befreien. In Schweden wird dies bereits umgesetzt. Außerdem liegt der Kundenpreis für E85 etwa 25 Prozent unter dem Benzinpreis. Fahrer eines Ethanoltreibstoff-Modells zahlen zudem weder Maut- noch Parkgebühren in Innenstädten. Inhaber von Firmenwagen kommen zudem in den Genuss einer um 20 Prozent geringeren Besteuerung des geldwerten Vorteils.

Jan-Ake Jonsson, Managing Director der Saab Automobile AB mit Sitz in Trollhättan, ist überzeugt davon, dass Schweden in Europa bei der Umstellung auf die flächendeckende Produktion und den Einsatz von Bio-Ethanol als erneuerbaren und umweltfreundlichen Energieträger die führende Rolle spielt. Er sieht bei Bio-Ethanol das Potenzial, die zukünftigen Anforderungen dauerhafter Mobilität nachhaltig zu sichern.

”Ich bin fest davon überzeugt, dass mit Ethanol in Kürze ein gangbarer Weg zur Lösung unserer Verkehrsprobleme vorhanden sein wird”, betont Jonsson. ”Es ist keine neue, aufwändige Technologie erforderlich. Unsere Autos sind bereits für diesen Kraftstoff geeignet und fahren auch schon damit und eine unkomplizierte Versorgung über die bestehende Infrastruktur ist gesichert.”

Warum Bio-Ethanol?

Bei der Suche nach alternativen Energiequellen kommt es Saab wesentlich auf eine Reduzierung von ”fossilem CO2” an. Saab ist der Überzeugung: Bio-Ethanol kann dabei eine entscheidende Rolle spielen. Der Kraftstoff wird bereits gewerblich in den USA aus Mais und in Brasilien aus Zuckerrohr hergestellt. In Brasilien vermarktet General Motors do Brasil die einmalige Chevrolet Astra 2.0i Multipower Limousine, die mit Ethanol, Benzin und sogar Erdgas (CNG) fährt.

Brasilien hat als größter und fortschrittlichster Hersteller von Bio-Ethanol der Welt bereits gezeigt, wie große Mengen Ethanol ohne Subventionen produziert werden können – und das zu Kosten, die unter dem Weltmarktpreis für Benzin liegen. In Schweden wird Ethanol momentan kommerziell aus Getreide hergestellt. Die Firma ETEK (Etanolteknik AB) in Örnsköldsvik entwickelt in ihrem Pilotwerk derzeit außerdem ein Verfahren für die industrielle Produktion von Ethanol aus Holz und Holzabfällen für einen kommerziellen Einsatz auf breiter Basis. Das kanadische Unternehmen IOGEN entwickelt mit Unterstützung von Shell ebenfalls neue Produktionsverfahren für die Herstellung von Ethanol aus Biomasse. Nach Schätzung einer umfassenden Studie der OECD-Organisation International Energy Agency aus dem Jahr 2004 steht gegenwärtig weltweit genügend Biomasse zur Erzeugung von Biokraftstoffen wie Ethanol zur Verfügung, mit der zwei Drittel des gegenwärtigen Energiebedarfs für den Transport auf der ganzen Welt gedeckt werden könnten.

Zu den gegenwärtigen Entwicklungen in Schweden gehören die Einführung von Stadtbussen, die mit reinem Ethanol betrieben werden, Steueranreize und kostenlose Parkplätze für Besitzer von Fahrzeugen mit Biotreibstoffen sowie die vom Markt getriebene Einrichtung von mehr als 160 Tankstellen mit Ethanol-Zapfsäulen. Die Regierung hat ferner angekündigt, bis zum Jahr 2008 würden 25 Prozent aller Tankstellen des Landes zum Anbieten erneuerbarer Kraftstoffe verpflichtet werden. Ab diesem Jahr müssen außerdem alle Regierungsbehörden mindestens die Hälfte ihres Fuhrparks auf umweltfreundliche Fahrzeuge umstellen.

Jonsson betont: ”Wir können der schwedischen Regierung und den Behörden zum Umgang mit der Herausforderung nur gratulieren. Wir werden außerdem anderen europäischen Märkten Demo-Fahrzeuge für Werbezwecke zur Verfügung stellen, um so Anreize für die Entwicklung einer Infrastruktur zu schaffen. Ethanol ist ein wirkungsvoller erster Schritt – eine Brücke, die uns wegführt von fossilen Kraftstoffen, die nicht mehr zeitgemäß sind, und hin zu neuen, nachhaltigen Technologien die sich noch in der Entwicklung befinden, wie zum Beispiel Fahrzeugen mit Bio-Brennstoffzellen. Wir sind an einem Wendepunkt angekommen, an dem es zu handeln gilt, wenn wir unseren zukünftigen Energiebedarf für das Transportwesen risikolos und nachhaltig decken wollen.”

(Vgl. Meldungen vom 2005-03-21 und 2005-01-17.)

Source: Autosieger.de vom 2005-04-21.

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