19 April 2005

Schweden: Bald mehr Tankmöglichkeiten für Bio-Treibstoffe

Stockholm will ab 2006 Vorschrift für Zapfsäulen mit Alternativtreibstoffen einführen. Vornehmlich Ethanol und Rapsdiesel sollen dann leichter erhältlich sein

Ethanol in Schweden nachzutanken lässt sich ohne eine spezielle Tankstellenkarte kaum realisieren. Etwas nördlich von Stockholm wird der Nachschub nämlich ziemlich dünn. Mit Autogas gar wird die Fahrt schnell zu einer Abenteuerreise. Da muss man die gut versteckten Industriezapfsäulen kennen oder sich zu Bürozeiten auf dem städtischen Bauhof einfinden. Nicht verwunderlich, dass der Absatz von alternativ betriebenen Fahrzeugen noch in den Startlöchern festhängt. Erst 20.000 Pkw, entsprechend einem halben Prozent der betriebenen Fahrzeuge, fahren mit Ethanol, Rapsdiesel oder Gas. Und müssen sich mit gerade 200 Tankmöglichkeiten durchschlagen.

Aber ab 1. Januar 2006 müssen alle Tankstellen mit einem Umsatz von jährlich über 3.000 Kubikmeter Benzin oder Diesel eine grüne Zapfsäule haben. Dies wären vor allem jene in größeren Städten und an Autobahnen. Schrittweise bis 2009 soll die Umsatzgrenze sinken, so dass anschließend nur noch Minitankstellen oder solche mit spezieller Ausnahmegenehmigung keinen “grünen” Sprit anbieten müssen.

Die Mineralölbranche moniert diese gesetzlich verordnete “Subventionswirtschaft” gar nicht. Hätten die grünen Zapfsäulen doch jetzt schon nur ein Zwanzigstel bis ein Zehntel des Umsatzes der konventionellen. Dass die Regierung von den Ölkonzernen verlange, die staatliche Energiepolitik mit nicht lohnenden Investitionen zu subventionieren, will die Branche mit rechtlichen Schritten angehen. Bisher scheiterten alle Versuche Stockholms, sich mit den Konzernen auf ein freiwilliges Abkommen zu einigen. Beabsichtigt sei lediglich “im angemessenen Takt zur steigenden Nachfrage” auszubauen.

Immerhin sollen dieses Jahr schon ein Viertel aller neu erworbenen Regierungsfahrzeuge “Umweltautos” sein. Im Herbst wollen Volvo und Saab eigene “grüne” Modelle an den Start bringen, welchen ein weiterer Nachfrageschub prognostiziert wird. Die Ölkonzerne haben die Wahl, welchen Biotreibstoff sie ins Sortiment nehmen. Der Vorzug wird wohl Ethanol oder Rapsdiesel gewährt, da hier noch die größte Nachfrage herrscht. Biogasfahrzeuge haben allerdings noch eine Durststrecke vor sich, wie es aussieht.

Source: taz Nr. 7637, Wirtschaft und Umwelt, Seite 10 vom 2005-04-12.

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