5 Juli 2006

Schilf: Vollwärmeschutz und Naturbaustoff

Schilf ist nicht nur der wahrscheinlich älteste Naturbaustoff für Vollwärmeschutz auf dieser Erde, sondern auch der in der Herstellung wohl natürlichste. Das Schilf wird geschnitten und gebunden und kommt ohne Zusatz von chemischen Mitteln an die Wand.

Schilf, welches zur Schonung und Erhaltung der Schilfbiotope ohnehin geschnitten werden soll, ist als Wasserpflanze natürlich wasserfest und wächst rasch wieder völlig selbstständig nach. In Putzen ist dieser Naturbaustoff schon Hunderte von Jahren unbeschadet alt geworden.

Schilfdämmsysteme erhalten immer eine Dickputzschale, das heißt, die Putzfläche ist wesentlich stabiler als bei herkömmlichen Dünnputzsystemen. Aufgrund dessen, dass die Dämmplatten, bzw. deren Schilfhalme untereinander verschiebbar sind, können auch leichte Bewegungen im Untergrund
problemlos überarbeitet werden.

Hier einige Fakten zum Dämmstoff Schilf:

  • Sehr niedriger Primärenergieverbrauch. Schilf muss z.B. nicht unter hohem Energieverbrauch geschmolzen und aufgeschäumt werden, denn das natürliche Wachstum des Schilfrohres hat schon für reichlich “Porengehalt” gesorgt. Das Rohr wird lediglich geschnitten, zusammengepresst und mit rostfreien Drähten gebunden.
  • Da wir es hierbei mit einer Wasserpflanze zu tun haben, ist ebenso eine hohe Wasserbeständigkeit gegeben. Schön zu sehen ist die Verrottungsbeständigkeit zum Beispiel in Putzen, bei welchen Schilfmatten als Putzträgermatten eingesetzt wurden und die oft mehrere hundert Jahre in den historischen Gebäuden verweilten. Einzig die damalige Flachsbindung ist über die Jahre verrottet, das Schilfrohr ist hierbei absolut unangegriffen.
  • Der hohe Silikat-Gehalt des Schilfrohrhalmes bewirkt kein bemerkbares Schwinden und Quellen.
  • Bei der Außendämmung ist keine Verklebung erforderlich, es wird nur gedübelt.
  • Im Entsorgungsfall fällt kein naturfremder Abfall an. Den Verschnitt kann man frei von Bedenken häckseln und einfach kompostieren und als Dünger dem eigenen Garten zuführen.
  • Durch die relativ hohe Eigendichte wird zugleich eine verbesserte Schalldämmung erreicht.
  • Der Rohstoff Schilf ist ein ständig nachwachsender Dämmstoff. Durch die jährliche Ernte der Schilfgürtel wird ein erheblicher Beitrag zur Landschaftspflege geleistet und das Nachwachsen gesichert. Abgesehen davon trägt man hierbei auch zur wirtschaftlichen Sicherung und Wachstum
    in manch ärmeren Ländern bei – wobei der Rohstoff natürlich auch vor unserer Haustüre wächst.
  • Durch die grobflächige Oberflächenstruktur erreicht man eine hervorragende Putzhaftung.
  • Altputze können direkt überarbeitet werden, historische Substanzen bleiben hierbei vollständig erhalten.
  • Aufgrund dessen, dass die Schilfrohre in sich verschiebbar sind, können auch leichte Bewegungen im Untergrund problemlos überarbeitet werden.
  • Als Innendämmung im Fachwerkbereich mit Lehm zeigt die Schilfdämmung eine hervorragende Eignung und ist ebenso kombinierbar mit modernen Wandflächenheizungen.
  • Im Brandfall werden keine giftigen Gase, wie z.B. bei Polystyrol- oder Polyurethan-Dämmstoffen abgegeben. Das Schilf im Putz ist schwer entflammbar.

Im Allgemeinen werden Dämmmatten in Abmessungen von 1,25 * 1 m (da es sich um ein Naturprodukt handelt, weichen die Maße in aller Regel immer ein wenig ab) angeboten, dabei sind Dicken von 2 und 5 cm beziehbar.

Eingeordnet wird Schilf als Dämmstoff in die Wärmeleitfähigkeitsgruppe 055, wie nahezu alle Naturdämmstoffe.

Bei der Dübelung von den obengenannten Dämmstärken müssen Schraubdübel der Dübellastklassen 0,15 KN [hierbei ist in jedem Fall der Untergrund zu beachten (Beton = 0,5 KN; Vollstein = 0,25 KN; Lochstein = 0,20 KN; Porenbeton = 0,15 KN)] mit einem Tellerdurchmesser von 60 mm verwendet werden.

Bei Gebäuden bis zu einer Höhe von 8 m werden in der Fläche 6 Dübel pro m² verwendet und im Randbereich 10. Wie bei allen anderen Dämmungen müssen die Matten im Verband verlegt werden, mit der üblichen Verzahnung an Gebäudeecken. Plattenstöße dürfen auch hierbei nicht auf Öffnungsecken treffen. Bei einer zweilagigen Dämmung (10 cm) müssen in jedem Fall beide Lagen gedübelt werden, so als ob jede Lage für sich stehen bleiben muss.

Untergründe sollten frei von losen Teilen und eben egalisiert sein, Verschmutzungen in Form von Staub spielen hierbei keine große Rolle, da die Matten nicht verklebt werden.

Die Platten können aufgrund der Abrutschsicherung des Putzes (beim Aufbringen) mit waagerechter Schilfhalmanordung verlegt werden. Dies erleichtert den Putzauftrag, beeinträchtigt jedoch nicht das Dämmverhalten, wenn die Ausführung zum Dach- und Sockelanschluss luftdicht ist.

In den Anschlussbereichen unterhalb der Fensterbänke und zu eventuellen Sparren oder Sichtpfetten-Anschlüssen etc. ist ein vorkomprimiertes Butylband als Abdichtung einzubringen. Bei eventuell vorkommenden Dämmlücken, in welche man keine Schilfstücke bündig einbauen kann, ist eine Ausschäumung mit PU-Dämm-Schaum (B1-Schaum) unumgänglich, um Wärmebrücken auszuschließen. (Auch wenn die DIN aussagt, dass solche Lücken mit dem dämmstoffgleichen Material auszuführen sind – es gibt leider noch keinen Schilfschaum.)

Für Sockel (Spritzwasserschutzzone; 30 cm) und im erdberührten Bereich ist nur eine dafür zugelassene Perimeterdämmung mit der zusätzlichen Abdichtung erlaubt. Hierbei (wie bei allen Sockelputzen) ist auch die flexible Abdichtung auf dem Sockelputz durchzuführen.

Technische Daten:

  • Baustoffklasse: Normal Entflammbar; B 2
  • Wärmeleitfähigkeitsstufe WLS: 055
  • Rechenwert Wärmeleitfähigkeit: 0,055 W/mK
  • Spezifische Wärmespeicherkapazität: 1.200 J/(kg · K)
  • Diffusionswiderstandszahl: 1 – 2
  • Gewicht der Schilfrohrdämmplatte: 2 cm Dämmplatte ca. 4,5 kg/m2; 5 cm Dämmplatte ca. 10,0 kg/m2
  • Rohdichte: ca. 190 kg/m3 – 225 kg/m3
  • Durchschnittliche Dämmplattenmaße: Breite: 1,25 m; Länge: 1,0 m; Dicken i.d.R. 2 und 5 cm
  • Durchschnittliche Dicke der i.d.R. verzinkten Metalldrahtbindung: 1,8 mm

Weitere Informationen:

G. Holzmann-Bauberatung
Planung-Beratung-Handel e.K.
Kerngebiete: WDVS, Sanierungen in Altbau und Denkmalpflege, Biobaustoffe
im Putz- und WDVS-Bereich, Baubetreuung/-beratung/-ausführung
Klostergasse 27
86465 Welden

24 Std. Bauberatung:
Aus Deutschland: 0900 – 580 62 10 284 (1,99 Euro/min)
Aus Österreich: 0900 – 51 03 61 060 (2,16 Euro/min)

Source: G. Holzmann-Bauberatung sowie pers. Mitteilung von Gerhard Holzmann vom 2006-07-04.

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