24 Januar 2002

Schafwollvliese “Weilröder Patent” als wirksame Waffe gegen Formaldehydbelastung?

Ein Kindergarten in Rod an der Weil wurde zum Anlass, den sowohl kostengünstigen, als auch vom TÜV Süddeutschland empfohlenen natürlichen Rohstoff Schafwolle zur Innenraumentgiftung einzusetzen. Nachdem Messungen und Proben durch diese Institution für den Kindergarten zu hohe Konzentrationen an Formaldehyd, Tris (Flammschutz) und Phthalate (Weichmacher) ergeben hatten und dieser zunächst geschlossen werden musste, berief sich die Kommune auf die Schadstoffreduktion mit Hilfe dieses wirkungsvollen Naturvlieses.

Ergebnisse eines Forschungsprojekts der ECO-Umweltinstitut GmbH, Köln in Zusammenarbeit mit der Fritz Doppelmayer GmbH, Kempten belegen hierzu: “Die Reaktion von Formaldehyd mit Bestandteilen von Schafwollfasern ist seit Jahrzehnten bekannt. Neu ist der Einsatz von Schafwolle zur Sanierung formaldehydbelasteter Gebäude. Als tierische Faser gehört Schafwolle zu den Eiweißfasern und besteht zu etwa 97 Prozent aus Wollproteinen. Die Eiweißstoffe werden bei der Schafwolle als Keratine bezeichnet. Ihr kleinster chemischer Baustein ist die Aminosäure. Die Keratine der Schafwolle werden aus ca. 18 bis 24 verschiedenen Aminosäuren aufgebaut und liegen als kettenförmige Makromoleküle (Peptidketten) vor. Formaldehyd ist als äußerst reaktives Molekül in der Lage, mit den Seitenketten der Aminosäuren zu reagieren. Aus den Additions- und Kondensationsreaktionen bilden sich stabile und unschädliche Verbindungen. Außerdem können zwischen zwei Aminosäureresten Methylen-Querverbindungen oder Oxy-Methylen-Querverbindungen gebildet werden, die zu Quervernetzungen führen.”

Kostenbilanz des “Weilröder Patents”: Gegenüber einer lokal ansässigen Firma, die eine Großflächen-Sanierungsberechnung von 60.000 Euro und 20.000 Euro als “Ausweichlösung” für den Einsatz so genannter Module vorlegte, ergibt sich nun durch die Initiative tatkräftiger Mithelfer ein Gesamtbetrag von 250 Euro pro Raum. In Folge wird eine Konstruktion aus Lattengerüsten, mit Schafwollvlies ausgeschlagen und mit Gipskarton verkleidet, an den emittierenden Wänden angebracht, so dass eine Luftzirkulation dazwischen die chemische Neutralisation bewirken kann. Nach der Fertigstellung eines ersten Gruppenraums will man indes zunächst erneute Messungen veranlassen, bevor dieser wieder in Betrieb genommen und in den anderen Räumen weiter saniert wird.

(Vgl. auch Meldung vom 2002-01-09.)

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Usinger Anzeiger vom 2002-01-24.

Source: Usinger Anzeiger vom 2002-01-24.

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