13 Juli 2007

Sachsen-Anhalt: Bioethanolausbau gebremst

Der weitere Ausbau der Bioethanolerzeugung in Sachsen-Anhalt verläuft gedämpfter als bisher geplant. Wie die Magdeburger Tageszeitung “Volksstimme” berichtet, soll ein für Magdeburg-Rothensee geplantes Bioethanolkraftwerk nun doch nicht gebaut werden. Investoren einer in Arneburg bei Stendal geplanten Anlage halten mit veränderter Schwerpunktsetzung an ihrem Projekt fest: Die benötigte Prozessenergie soll nun mit fossilem Erdgas erzeugt werden, zudem soll vor allem Mais statt Getreide als Rohstoff dienen.

“Die Anlage kommt”, versicherte Harald Gatzke, geschäftsführender Gesellschafter der Bio Ethanol Arneburg, “auf Grund der Veränderungen am Markt mussten wir aber die Auslegung des Werkes modifizieren, um die Kosten zu senken.” Der Baubeginn soll sich von Herbst 2007 auf Frühjahr 2008 verzögern.

Die Getreidepreise steigen. Daher wollen die Arneburger nun anstatt 575.000 Tonnen Getreide vorrangig Mais einsetzen – rund 500.000 Tonnen. Aber auch ein kleiner Anteil Weizen werde verarbeitet. “Damit wollen wir unsere Zusage an die Landwirte erfüllen, ohne in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion zu geraten”, betonte Gatzke. 160.000 Tonnen Kraftstoff, rund 90 Prozent der insgesamt geplanten Kapazität, sollen jährlich für die Beimischung zu Benzin erzeugt werden. “Hierfür wird – anders als beim reinen Biokraftstoff – ohnehin schon die volle Steuer angesetzt”, sagte Gatzke. “Für uns kann es also von der Steuerseite her nicht mehr schlimmer kommen.”

Erdgas erzeugt Prozessdamp
Von dem geplanten integrierten 18-Megawatt-Biomassekraftwerk, das Energie für den Eigenverbrauch und für den Verkauf erzeugen sollte, haben sich die Investoren verabschiedet. Stattdessen soll Erdgas die Grundlage für die Prozessdampferzeugung werden. Insgesamt reduziere das neue Konzept den Aufwand für das Projekt in der Altmark von 195 Millionen Euro auf 135 Millionen Euro. Statt 100 Arbeitsplätzen werden nun 80 entstehen.

Aus für Magdeburger Projekt
Anders als in Arneburg haben sich die Investoren aus dem Magdeburger Hafengebiet erst einmal von ihren Plänen für ein Bioethanolwerk verabschiedet. Fast 90 Millionen Euro sollten investiert werden und 80 Arbeitsplätze entstehen. Die Verarbeitungskapazität war auf 360 000 Tonnen Getreide ausgelegt, der jährliche Ausstoß auf 130 000 Kubikmeter Bioethanol. Ronald Westphal, Gesellschafter bei den Magdeburger Bio-Ölwerken, sagte gegenüber der Volksstimme, die Rentabilität sei nicht gewährleistet.

Langfristige Lieferverträge als Fördergrundlage
Auch die Landesregierung überdenkt ihre Förderpolitik. Jedes Investitionsvorhaben werde einem strengen Einzelprüfverfahren unterworfen, sagte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). “Ich habe das Gefühl, wir kommen hier strukturpolitisch an Grenzen.” Die Ressoursen seien endlich. “Der Acker ist nicht mehrstöckig”, hatte Agrarministerin Petra Wernicke (CDU) festgestellt. Deshalb müssen Investoren verbindliche langfristige Lieferverträge für Rohstoffe vorweisen, die logistische Situation darlegen und zahlreiche andere Nachweise erbringen. Weizen aus der Ukraine und Palmöl aus Übersee für die Biokraftstoffproduktion anzutransportieren, mache wenig Sinn, sagte Haseloff. Außerdem wolle das Land keine Überproduktion mitfinanzieren und damit bestehende Unternehmen in die Knie zwingen.

Für das Bioethanolprojekt in Arneburg jedenfalls ist es laut Gatzke bei der Fördermittelzusage des Landes geblieben.

Den Beitrag “Bioethanol-Investoren und Land treten auf die Bremse” lesen Sie hier auf den Internetseiten der Volksstimme.

(Vgl. Nachrichten vom 2007-05-21, 2006-06-30 und 2007-02-27.)

Source: Volksstimme, 2007-07-13.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email