13 April 2007

RP7: Kommission veröffentlicht Bilanz der Strategie für Biowissenschaften und Biotechnologie

Die Förderung von Forschung und Wissenstransfer ist Schwerpunkt der Halbzeitbilanz über die Strategie für Biowissenschaften und Biotechnologie der Europäischen Kommission.

Die Strategie für Biowissenschaften und Biotechnologie wurde 2002 veröffentlicht. Sie soll dafür sorgen, dass die Biotechnologie in Europa zu einer wissensbasierten Gesellschaft beitragen kann. Die Bilanz beschäftigt sich mit den bisher gemachten Fortschritten und legt den Schwerpunkt des Aktionsplans auf fünf vorrangige Themen: Forschung, Innovation, ethische Fragen, Landwirtschaft und die Umsetzung der Strategie.

“Biowissenschaften und Biotechnologie sind von großer Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und helfen uns meiner Ansicht nach auch, mit Problemen fertig zu werden wie unserer wachsenden Abhängigkeit vom Erdöl, globale Erwärmung, Nahrungsmittelsicherheit und öffentliche Gesundheit”, so der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung Janez Potocnik. “Das RP7 [Siebte Rahmenprogramm] ist darauf ausgerichtet, diese Probleme anzugehen und die Entwicklung einer europäischen wissensbasierten Biowirtschaft zu fördern.”

In Bezug auf die Forschung hebt der überarbeitete Aktionsplan die Bedeutung des Siebten Rahmenprogramms der EU hervor, spricht sich jedoch auch für die Mobilisierung von Forschungsmitteln für Biotechnologie aus anderen Quellen wie öffentlichen Einrichtungen und dem privaten Sektor aus.

Zu Innovation und Wissenstransfer hält das Dokument fest: “Die engagierten Biotechnologieunternehmen Europas sind zum größten Teil KMU mit begrenzten Ressourcen, deren Wachstum und wirtschaftliche Stärke durch drei zentrale Einschränkungen behindert werden: Das zersplitterte Patentsystem Europas, eine Unterversorgung mit Risikokapital und eine unzulängliche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.”

Vor diesem Hintergrund spricht sich die Kommission für die Entwicklung bewährter Verfahren zur Vergabe von Lizenzen für Erfindungen in der Genetik aus, und ruft die Mitgliedstaaten auf, darüber nachzudenken, spezielle Regeln oder Anreize für junge, innovative Unternehmen einzuführen. Diese Unternehmen werden außerdem von den weitergehenden Maßnahmen der Kommission zu Innovation profitieren, mit denen unter anderem Verbindungen zwischen Forschung und Industrie gefördert werden sollen und die Patentfrage geklärt werden soll.

Der dritte Aktionsbereich der Kommission beinhaltet die Förderung einer “fundierten gesellschaftlichen Debatte” über Nutzen und Risiken von Biotechnologien. Laut einer aktuellen Eurobarometer-Erhebung sind die meisten Europäer zuversichtlich in Bezug auf Biotechnologie im Allgemeinen und glauben, dass Technologien wie Gentherapie, Biokraftstoffe oder Biokunststoff ihr Leben verbessern können. Knapp 60 Prozent sind jedoch gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel.

In ihrem Aktionsplan schlägt die Kommission die Gründung einer institutionalisierten Schnittstelle vor, in der Beteiligte die Vor- und Nachteile der Biotechnologie diskutieren können. “Es sind eindeutig Maßnahmen erforderlich, um eine möglichst enge Beziehung zwischen der Öffentlichkeit und den Beteiligten im Entscheidungsfindungsprozess herzustellen, der die Vorteile und Risiken der Biowissenschaften und der Biotechnologie auf Basis von harmonisierten Daten und Statistiken sowie ethischen Überlegungen berücksichtigt”, heißt es in dem Dokument.

Der vierte Punkt des Aktionsplans betrifft den Einsatz von Biotechnologie in der Landwirtschaft. Hier gebe es laut der Kommission ein “enormes Entwicklungspotenzial, insbesondere beim Ersatz von chemischen Prozessen und fossilen Treibstoffen”.

Der fünfte Punkt des neu ausgerichteten Aktionsplans widmet sich schließlich einer Verbesserung des Rechtsvollzugs und seinem Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit. Das Dokument betont insbesondere die Bedeutung einer Überwachung der Strategieumsetzung auf Ebene der Mitgliedstaaten und eine verbesserte Koordinierung der Politik, vor allem dort, wo neue Probleme entstehen.

Die Biotechnologiebranche begrüßte die Bilanz. Der Verband der Bioindustrie EuropaBio bezeichnete die neu ausgerichteten Aktionen als “einen wichtigen Schritt zum Aufbau der Biowirtschaft”. Die Gruppe bedauert jedoch, dass viele Mitgliedstaaten die Strategie noch nicht vollständig umgesetzt haben.

“Die Mitgliedstaaten müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und die Strategie für Biowissenschaften ernsthaft umsetzen. Ansonsten wird die aktuelle Halbzeitbilanz der europäischen Strategie keine Biowirtschaft hervorbringen, und in der Zwischenzeit werden die USA, China und der Rest der Welt Europa den Rang ablaufen”, warnte der Generalsekretär von EuropaBio Johan Vanhemelrijck.

Die europäischen Forschungsminister werden aufgefordert, das Bilanzdokument in den kommenden Monaten anzunehmen. Die Strategie selbst soll bis 2010 laufen.

Weitere Informationen sind abrufbar unter:
http://ec.europa.eu/biotechnology/index_en.htm

Biotechnologieforschung unter dem RP7:
http://cordis.europa.eu/fp7/cooperation/food_en.html

Source: Informationsdienst der Gemeinschaft für Forschung und Entwicklung (CORDIS), 2007-04-12.

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