10 März 2002

Rohstoffmangel bei Hanfverarbeiter VERNARO

Es fehlen 300 Hektar Anbauflächen

Die VERNARO GmbH Gardelegen sieht sich einem drastischen Rückgang von Hanfanbauflächen gegenüber, seit die Flächenbeihilfen gesunken sind. “Die Nachfrage ist größer als unsere Kapazität. Trotzdem fehlen 2002 noch 300 Hektar Hanfanbaufläche, um die Kapazität unserer Anlage voll auszulasten”, berichtet Geschäftsführer Fred Bohndick besorgt. Die Flächenbeihilfen für Landwirte seien in den letzten sechs Jahren halbiert worden und lägen derzeit bei 375 Euro pro Hektar. Damit hätten die Landwirte im Vergleich zu anderen Kulturen etwa 100 Euro Einkommenseinbuße pro Hektar. “Da ist es für viele Bauern attraktiver, auf leichten Böden Roggen anzubauen”, so
Bohndicks Resümee – obwohl das Unternehmen den Bauern zum Ausgleich eine Verarbeitungsbeihilfe zahlt. Auch die höheren Hanfstrohpreise (s.u.) können dies nur teilweise ausgleichen.

Nach Bohndicks Angaben liegt die derzeitige Verarbeitungsleistung der modernsten Anlage Europas bei 26 Tonnen täglich, auch der Preis für Hanfstroh habe sich seit der Produktionsaufnahme 1999 von 100 DM auf derzeit knapp 82 EUR (160 DM) erhöht. Zu den Abnehmern der Hanffasern nach dem Aufschluss gehören Bau- und Dämmstoffhersteller, aber auch Autokonzerne wie Audi, DaimlerChrysler oder Volvo, die Formteile aus Hanf als Hutablage, Dachhimmel, Armaturenbrett oder Innentürverkleidung fertigen. Selbst der Staub wird als Bindemittel in der Baustoffindustrie eingesetzt – so dass das Konzept einer abfallfreien Fabrik aufgeht. Aber um dem sich entwickelnden Markt weiterhin ohne Rohstoff-Zukäufe aus osteuropäischen Ländern gerecht zu werden, braucht es Bohndick zufolge einen Anbauzuwachs auf das dreifache der bisherigen Fläche von rund 1.000 Hektar.

Nach Einschätzung Bohndicks benötige Deutschland gesamt 10.000 Hektar Anbaufläche, um den Bedarf der Industrie nachhaltig zu decken, aber “ohne einen ökonomischen Anreiz für die Bauern ist das nicht machbar”, so Bohndick, der auf kurzfristige Hilfe von Bund und Land hofft, um den Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland und Sachsen-Anhalt zu sichern.

(Vgl. auch Meldung vom 2001-08-11.)

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 2002-03-10.

Source: Mitteldeutsche Zeitung vom 2002-03-10.

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