9 März 2005

Rohstoffe vom Acker sind die Zukunft der Chemischen Industrie

“Die Nutzung von Biomasse könnte die Volkswirtschaften in den nächsten Jahren verändern. Gewinnen werden nur die Wirtschafträume, die rechtzeitig biobasierte industrielle Produkte und Bioraffinerien fördern. Während in den USA Chemie, Biotechnologie und Landwirtschaft vielerorts schon kooperieren, fällt deutschen Unternehmern das Umdenken noch schwer.”

Die USA treiben momentan die Umstellung auf eine Biomassewirtschaft massiv voran, so Rainer Busch von Dow Deutschland in Rheinmünster. “Bis zum Jahre 2030 sollen ein Viertel der derzeit auf fossilen Rohstoffen basierenden organischen Grundstoffe und ein Zehntel der Öle und Kraftstoffe auf eine biologische Rohstoffbasis umgestellt und vorrangig mit Bioraffinerie-Technologien produziert werden.”

Nach Aussagen von Busch werden hierzulande trotz Einzelprojektförderung durch Bund und EU nachwachsende Rohstoffe noch nicht in dem Umfang genutzt, wie es ihrem Potenzial angemessen wäre.

Führend seien deutsche Unternehmen dagegen in den Technologien zur Nutzung von Biorohstoffen. “Der Erfolg einer Rohstoffpflanze hängt davon ab, ob sie biobasierte Building Blocks liefern kann”, wie Busch konstatiert. “Das sind molekulare Bausteine, die biotechnisch oder chemisch in viele Chemikalien oder Materialien umgebaut werden können.”

So sind etwa Biohochleistungsschmierstoffe und Bioverbunde für Kfz mit über 450 verschiedenen Sorten im Handel vefügbar: “Egal ob Hydraulik-, Motor-, Sägeketten- oder Haushaltsöl, für fast jede Anwendung gibt es ein Produkt. Ihr Vorteil gegenüber herkömmlichen Ölen: Sie halten länger und schmieren besser, sind zudem biologisch schnell abbaubar.”

Aber nicht nur Schmierstoffe sind aus nachwachsenden Rohstoffen generierbar. Aus Stärke, Zucker oder Pflanzenöl können Biokunststoffe hergestellt werden, die in Form von Verpackungen, Einweggeschirr oder Pflanztöpfen den Weg in den Markt finden.

Naturfaserverstärkte Kunststoffe (NFK), die beispielsweise zu einem bestimmten Anteil aus Flachs- oder Hanffasern bestehen, werden in modernen Kraftfahrzeugen verbaut – und zwar durchschnittlich etwa 16 kg. Vor allem im Innenraumbereich z.B. für Türinnenverkleidungen finden NFKs Verwendung.

Zukunftspotenzial scheint aber insbesondere die so genannte “Biokonversion” zu haben. Damit umschreibt man die “Veredelung von Bio-Rohstoffen durch Mikroorganismen oder Enzyme zu hochwertigen Chemikalien”. Es können dadurch z.B. neue organische Zwischenprodukte, Fein- und Spezialchemikalien oder Biopolymere gewonnen werden.

Einen Überblick über den Stand der Biomasse-Industrie gibt “Nachrichten aus der Chemie 2/05” – Beitrag hier zum Download

(Vgl. Meldungen vom 2005-02-03, 2004-12-09 und 2003-07-21.)

Source: VDI Nachrichten vom 2005-03-05.

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