7 April 2015

Revolutionäre Lebensmittelverpackungen dank PBS?

Christophe Cotillon, Koordinator von SUCCIPACK, spricht über die im Rahmen seines Projekts entwickelte Lebensmittelverpackungstechnologie auf Basis von PBS, die bald auf den Markt gebracht werden soll

Das Projekt SUCCIPACK legte eine technische Lösung vor, mit der Verpackungen auf Basis von fossilen Brennstoffen schrittweise durch biobasierte Lösungen ersetzt werden können. Die neue biologisch abbaubare und recycelbare Verpackung verspricht eine längere Haltbarkeit sowie einen besseren Schutz von Lebensmittelprodukten.

Ein durchschnittlicher EU-Bürger produziert pro Jahr 159 kg Verpackungsabfälle, wovon rund 40% nicht recycelt werden. Angesichts der weiter zunehmenden Weltbevölkerung und des anwachsenden Müllstrudels im Pazifik wäre jede Verpackungslösung höchst willkommen, die recyclingfähig und biologisch abbaubar ist und einen gleich guten oder sogar besseren Schutz der Lebensmittelprodukte bietet.

Mit diesen Hoffnungen vor Augen haben sich 18 Unternehmen aus ganz Europa zusammengetan, um innovative Lebensmittelverpackungsmaterialien auf Basis von Polybutylensuccinat – besser bekannt als PBS – zu schaffen. Das Konsortium arbeitete zwei Jahre daran, Qualitäten, Struktur, Formulierung, Behandlungs- und Recyclingoptionen von PBS zu verfeinern, damit sich das Material für unterschiedlichste Lebensmittelverpackungen eignet. Gleichzeitig sollten die Investitionskosten niedrig gehalten werden.

Der Einsatz ist hoch: Bei Erfolg würde die kommerzielle Nutzung von PBS in der Industrie Europa einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA und Asien verschaffen und die EU gleichzeitig der Kreislaufwirtschaft einen Schritt näher bringen.

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©SUCCIPACK

Christophe Cotillon, Projektkoordinator im Auftrag von ACTIA, erläutert die Besonderheiten des EU-finanzierten Projekts SUCCIPACK (Development of active, intelligent and sustainable food PACKaging using PolybutyleneSUCCInate) und seiner Technologie und spricht über die Möglichkeiten für eine großflächige Vermarktung im Lauf der nächsten zwei Jahre.

Beim Thema Verpackung geht es in der Regel um einen Kompromiss zwischen Nachhaltigkeit und mehr Lebensmittelsicherheit. Wie bringt Ihre Technologie diese beiden Seiten in Einklang?

PBS-basierte Verpackungen bieten einen hochwertigen Schutz für Lebensmittel und müssen sich vor Vergleichen mit den existierenden Verpackungen insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit nicht verstecken. Durch bessere Barriereeigenschaften dieser neuen Verpackungsart kann die Haltbarkeitsdauer von Nahrungsmitteln gesteigert werden und dank der von uns entwickelten Multifunktionalität wird nur eine Folie benötigt werden, um Lebensmittelprodukte zu schützen. Die verschiedenen Verpackungsschichten und Überverpackungen werden überflüssig.

In dieser Hinsicht tragen SUCCIPACK-Verpackungen zum Schutz unserer Umwelt bei. Darüber hinaus sind sie biologisch abbaubar und können problemlos recycelt werden.

Welche Vorteile soll SUCCIPACK bringen?

PBS-basierte Verpackungen wurden mit verschiedenen Lebensmittelprodukten wie Käse, tischfertigem Gemüse, Fleisch und Fisch getestet. Die erwarteten Vorteile im Hinblick auf die Haltbarkeit sind mindestens vergleichbar mit gebräuchlichen Verpackungen und manchmal sogar besser. Indem wir Barriereeigenschaften wie antimikrobielle Beschichtung und andere Aspekte (Gas, Dampf, Aroma) weiter verbessern, können wir eine bessere Konservierung von Lebensmitteln als bei den heute üblichen Verpackungen erreichen.

Warum PBS?

PBS ist eine Plattformkomponente mit Anwendungen in verschiedenen Industriebranchen. Es wird bereits in der Petrochemie verwendet, kann aber auch zu 100 % biologisch sein. Biobasiertes PBS kann leicht aus Zellulosematerial und erneuerbarer pflanzlicher Biomasse hergestellt werden, entweder aus Pflanzen oder Pflanzenabfällen. In Zukunft rechnen wir mit steigenden Produktionskapazitäten, sodass die Verfügbarkeit von biobasiertem PBS kein Problem darstellen sollte.

Auf Ihrer Website sprechen Sie davon, dass Ihre Technologie Auswirkungen auf die KMU haben wird. Können Sie das näher erläutern?

Verpackungshersteller können aus PBS-Verpackungsmaterial Folien, Schalen und Beutel mit exakt den gleichen Technologien herstellen, die sie bei aktuellen Verpackungsmaterialien verwenden: Spritztechnik, Formverfahren, Extrusion, Folienblasen und Tiefziehen. Sie müssen ihre Prozesse nicht ändern und für die Umstellung auf PBS braucht es nur sehr kleine Investitionen. Das bedeutet, dass KMU diese Verpackungen leicht und zu einem wettbewerbsfähigen Preis herstellen können.

Auch für KMU aus der Lebensmittelindustrie wird der Ersatz bestehender Verpackungen durch SUCCIPACK-Verpackungen in Bezug auf den Prozess kein Problem darstellen. Schlussendlich werden die einzigen Änderungen eine bessere Konservierung, eine längere Haltbarkeit und kostengünstigere Nahrungsmittel sein.

Wann soll Ihr Verpackungsmaterial auf den Markt kommen?

In zwei Jahren soll es soweit sein. Anfangs wird das PBS für die Herstellung nicht zu 100% aus Biomaterial bestehen. Es wird eine Mischung aus petrochemischen und biobasierten Rohstoffen sein.

Wenn die Produktionskapazitäten für PBS in Europa steigen werden, wird das Material schrittweise mehr und mehr biobasiertes PBS enthalten.

Angenommen, das Produkt hat Erfolg: Kann es in großem Maßstab hergestellt werden kann?

Die Großproduktion hängt von der Verfügbarkeit von biobasiertem Rohmaterial ab, wenn wir 100 % biobasierte Verpackungen produzieren wollen, aber in der Zwischenzeit kann petrochemisches PBS in großem Maßstab hergestellt werden.

Haben sie für die Zeit nach Abschluss des Projekts irgendwelche Folgepläne?

Wir möchten ein neues Projekt einrichten, etwa als ein Projekt über den „schnellen Weg zu Innovationen“, das von der EU unterstützt wird, um den Markt leichter erreichen und durchdringen zu können. Das bestehende Konsortium setzt sich aus wichtigen und effizienten Partnern zusammen, die sehr motiviert sind, weiterzumachen, bis das Produkt auf dem Markt ist.

Source: CORDIS news, Pressemitteilung, 2015-03-30.

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