10 Februar 2015

Review zum Statuskolloquium: Holz, Chemie, Werkstoffe

Pilotvorhaben für „grüne“ Wirtschaft nehmen Gestalt an

Nachwachsende Rohstoffe für die Chemie, biobasierte Materialien für den Leichtbau, Holz als ressourceneffiziente Alternative zu Stahl und Beton in der Bauwirtschaft: Am 3. und 4. Februar 2015 fand im Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien IAMO in Halle/Saale das Statuskolloquium des Spitzenclusters BioEconomy statt. Mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten die Clusterakteure den aktuellen Stand ihrer Projekte. Ziel des Clusters ist die Entwicklung der Region Mitteldeutschland mit ihrer Chemietradition und einer ausgeprägten Forst- und Landwirtschaft zur Modellregion für die Bioökonomie.

„Das mitteldeutsche Chemiedreieck mit seiner Infrastruktur, aber auch mit seiner unmittelbaren Nähe zu Standorten der Holzwirtschaft z.B. im Harz bietet einzigartige Voraussetzungen für den Wandel von einer fossil basierten Wirtschaft hin zu einer biobasierten Wirtschaft“, erklärte Prof. Dr. Thomas Hirth, Vorstand und wissenschaftlicher Koordinator im BioEconomy e.V. Damit eigne sich die Region wie keine andere in Europa als Vorreiter, um nachwachsende Rohstoffe als klimaschonende und effiziente Alternative zu fossilen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Einen Ansatz hierfür liefert die seit zwei Jahren erfolgreich laufende Projektarbeit im Spitzencluster BioEconomy: 26 Verbundprojekte in den Bereichen Holz, Chemie, Werkstoffe und Energie wurden in dieser Zeit gestartet, 42 sollen es insgesamt werden. Insbesondere in der zweiten Phase der Spitzenclusterförderung rückt der Fokus auf die Umsetzung der Prozesse und Produkte in der Bauwirtschaft, in der Spezialchemie, im Leichtbau und in der Verpackungsindustrie.

Von der Forschung zu marktfähigen Wertschöpfungsketten

„In der Clusterentwicklung befinden wir uns derzeit an der Schwelle von Forschung und Entwicklung zur Bildung erster Wertschöpfungsketten“, erklärte Prof. Dr. Matthias Zscheile, Vorstandsvorsitzender des BioEconomy e.V. und ergänzte: „Damit hält die forstbasierte Bioökonomie Einzug in die regionale Wirtschaft und bietet sowohl den Unternehmen als auch Fachkräften zahlreicher Branchen interessante Anknüpfungspunkte.“ Gefördert wird das Pilotvorhaben mit einem aktuellen Projektvolumen von 80 Mio. Euro im Rahmen des Spitzenclusterwettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt unterstützt die strukturelle Entwicklung der Bioökonomie. 2015 wird zudem beim Hugo-Junkers-Preis, dem Innovationspreis des Landes, ein eigener Sonderpreis für das Themenfeld ausgelobt. Wissenschaftsstaatssekretär Marco Tullner sagte dazu: „Für Sachsen-Anhalt mit seinen traditionellen Chemiestandorten spielt die Bioökonomie eine herausragende Rolle. Spitzenforschung und innovative Unternehmen treffen hier aufeinander. Diese Potenziale müssen wir noch sichtbarer machen. So können wir gezielt Wissenschaft und Wirtschaft noch besser verknüpfen und von den daraus resultierenden Innovationen profitieren.“

Bioökonomie zwischen Holzwirtschaft, Chemie und automobilem Leichtbau

Bereits 97 Partner aus Industrie und Forschung arbeiten in sechs eng verzahnten Themengebieten. Am Anfang steht das Holz: Entwickelt werden hier Konzepte und Technologien für die nachhaltige Waldbewirtschaftung und effiziente Lieferketten sowie innovative Holzprodukte, wie z.B. tragende Formholzsäulen. Im zweiten Themengebiet steht die Gewinnung von Basischemikalien aus Reststoffen im Fokus – erste Pilotanlagen für Bioraffinerien entstanden hier bereits am Chemiestandort Leuna. Holzfasern und Biokunststoffe fließen im dritten Themengebiet zu innovativen Leichtbaumaterialien zusammen. Mögliche Anwendungen wurden u.a. im Automobilbau und bei Sportgeräten identifiziert. Im vierten Themengebiet finden die Optimierung der Reststoffströme und die energetischen Nutzung biogener Reststoffe statt. Mit dem Konzept der HTC-Bioraffinerie ergänzen an der Schnittstelle zwischen stofflicher und energetischer Nutzung auch neue Ansätze das Projektportfolio.

Schulterschluss bei Rahmenbedingungen und Fachkräftesicherung für die Bioökonomie

Modellcharakter hat das fünfte Themengebiet: Aufgrund der zahlreichen involvierten Branchen und bereichsübergreifender Prozesse arbeitet eine eigene Begleitforschung an Rahmenbedingungen, Marktchancen und Eintrittsbarrieren sowie an Produktionsprozessen zwischen nachhaltiger Naturnutzung, Biodiversität und Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen. Im sechsten Themengebiet dreht sich alles um die Ausbildung und Fachkräftesicherung. So bietet die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ab dem Wintersemester 2015 einen erweiterten Studiengang „Industrial and Pharmaceutical Biotechnology“ an. Am Chemiestandort Leuna ergänzt die Bildungsakademie Leuna mit neuen Inhalten zur industriellen Biotechnologie ihre technische Ausbildung.

Die Bandbreite der im Spitzencluster BioEconomy vertretenen Themengebiete spiegelt zum einen die Komplexität biobasierter Wirtschaftskonzepte, aber auch die Chancen für eine Vielzahl von Branchen wider. Die Bioökonomie bietet perspektivisch eine Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen sowie Möglichkeiten zur Verringerung des CO2-Ausstoßes und die Realisierung innovativer Wertschöpfungsansätze.

Source: BioEconomy Cluster, Pressemitteilung, 2015-02-04.

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