21 August 2004

REGIONEN AKTIV: Von der Wolle bis zum Pullover – aus einer Region

SkuddenExtensive Schafhaltung leistet einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege, rentiert sich aus ökonomischer Sicht jedoch kaum noch. Mit dem Projekt “Schafe schaffen Landschaft – Schafe brauchen Zukunft” will die Modellregion Sächsische Schweiz/Weißeritzkreis Alternativen aufzeigen, wie durch zeitgemäße Verarbeitung der Wolle, die Schafhaltung auch wirtschaftlich wieder interessant gestaltet werden kann. Nun wurde das “Woll-Projekt” von den Akteuren der anderen 17 Modellregionen zum REGIONEN AKTIV-Projekt des Monats Juli 2004 gewählt.

Im Rahmen des Projektes soll der gesamte Produktionszyklus von der Rohwolle bis zur Veredelung, wie Waschen, Kardieren, Spinnen, Filzen und Färben wieder in der Region realisiert werden.

Mit einer Studie wurden bereits die Chancen einer zeitgemäßen Verarbeitung von Schafwolle in der Region untersucht. Dabei wurden sowohl die Schafbestände als auch die mögliche Weiterverarbeitung sowie die Veredelung der anfallenden Rohwolle analysiert. Die Ergebnisse belegen, dass es durchaus möglich ist, Wolle regional zu verarbeiten. So ergaben Recherchen, dass Schafhalter sehr daran interessiert wären, ihre gereinigte Wolle wieder zurückzukaufen und selbst zu vermarkten. Zurzeit wird die Wolle zumeist noch an Großhändler verkauft und wandert von dort aus in industrielle Großwäschen, zum Beispiel nach Belgien.

PulloverAuf der Suche nach regionalen Absatzmöglichkeiten für die Wolle wurden elf sächsische wollverarbeitende Betriebe kontaktiert. Fünf der Betriebe erklärten, dass sie die in der Modellregion anfallende Wolle nach einer Testphase in Lohnarbeit weiter verarbeiten würden, sei es zu Wollvliesen, Dämmstricken, Strickgarnen, Socken oder Filzprodukten. Darüber hinaus stellte sich im Rahmen der Untersuchung heraus, dass die Region, neben den typischen Wollsorten, über zehn besondere Sorten verfügt, die von seltenen und zum Teil vom Aussterben bedrohten Schafrassen stammen. Großhändler haben auf Grund der unterschiedlichen Eigenschaften keine Verwendung für die außergewöhnliche Wolle. Probeverarbeitungen haben aber ergeben, dass diese Wollarten gerade in ihrer Vielfalt für das Kunsthandwerk und den Kreativbereich von besonderem Interesse wären.

Für die Nutzung dieses Potenzials wird eine Wollwaschanlage in der Region benötigt, die in der Lage wäre, auch geringe Mengen zu waschen. Dann könnten die einzelnen Wollarten separat gewaschen und verarbeitet werden. Daher wird nun nach einem geeigneten Standort für die Wollwaschanlage gesucht sowie eine Kostenkalkulation und ein Betreiberkonzept erstellt. Im Rahmen eines weiteren REGIONEN-AKTIV-Projektes wird ein Logistik- und Informationszentrum aufgebaut. Hier soll zum einen der Einkauf, die unterschiedliche Verarbeitung der verschiedenen Wollen und die regionale Vermarktung koordiniert werden. So erhalten Schafhalter die Chance, ihre anfallende Rohwolle zu hochwertigen Produkten verarbeiten zu lassen und sie mit Wertsteigerung an Endkunden weiterverkaufen zu können.

Zum anderen werden in dem Informationszentrum Ausstellungen rund um das Thema Schafwolle sowie Schauwerkstätten eingerichtet. Damit soll das Image des wertvollen Naturproduktes Wolle verbessert werden. Mit dem im April 2004 durchgeführten Woll-Fest in Bad Schandau wurde ein Anfang gemacht: Marktstände mit Schafwollprodukten, eine Modenschau und Vorführungen im Handspinnen und Filzen begeisterten 1.500 Besucher.

Das Modellvorhaben “REGIONEN AKTIV – Land gestaltet Zukunft” ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Im Zeitraum von 2002 bis 2005 unterstützt das Bundesverbraucherschutzministerium 18 Modellregionen darin, die Zukunft ihrer Region durch innovative Ideen und Projekte nachhaltig zu verbessern. Den Modellregionen stehen dabei insgesamt mindestens 45,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Source: BMVEL-Informationen Nr. 31 vom 2004-08-20.

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