13 April 2004

Region Aktiv Wendland/Elbetal e.V.: Biogasanlage für den Ökolandbau

Landräte und Samtgemeindebürgermeister der Region informieren sich über Pilotprojekt

Manfred Ebeling, Vorstand von Region Aktiv Wendland/Elbetal e.V. und stolzer Betreiber der Pilot-Biogasanlage für den Ökolandbau, lädt die Spitzen aus Politik und Verwaltung zu einer Informationsveranstaltung auf seinen Hof nach Püggen ein. Hier wird nicht nur die komplexe Technik dieser Anlage besichtigt und erklärt, sondern auch über mögliche Impulse durch den Bau bäuerlicher Biogasanlagen für unsere Region diskutiert.
Ebelings Botschaft: Durch bäuerliche Biogasanlagen werden Probleme der Landwirtschaft verringert, bäuerliche Existenzen gesichert und die Wirtschaft der Region nachhaltig gestärkt.

Mist stinkt, das wissen selbst Grundschulkinder aus der Großstadt, nur warum er stinkt, wissen meist nur eingeweihte Fachleute. Mist hat nicht nur seine guten Seiten als organischer Dünger, denn aus dem offen gelagerten Stalldung entweichen etwa 50% des gebrauchten Stickstoffs als Methan und Lachgas. Das stinkt nicht nur, sondern schädigt das Weltklima erheblich. Außerdem wäscht der Regen aus Festmist in offenen Feldmieten große Teile des guten Düngers ins Grundwasser und belastet dieses mit Nitrat. Darunter haben alle zu leiden.

Biogasanlagen können nicht nur dieses allgemeine Umweltproblem der Landwirtschaft lösen, denn sie stinken nicht, wenn sie dem Stand der Technik entsprechen und sachgerecht errichtet und betrieben werden. Hier kommen der Mist, die Gülle und andere nachwachsende Rohstoffe aus biologischem Anbau in einen abgeschlossenen Behälter und werden bei konstant 37,5°C vergärt. Die Schadgase werden aufgefangen und in elektri-sche Energie und Wärme umgewandelt. Aus Mist wird hochwertiger Flüssigdünger für den gezielten Düngeeinsatz im Ackerbau. Diese technische Umwandlung erzielt dreifachen Nutzen: die Gewinnung elektrischer Energie, Wärme und hochwertigen organischen Dünger. Gleichzeitig werden die Umweltprobleme der Landwirtschaft verringert.

Aber es gibt weitere Gründe, eine solche Anlage zu betreiben:

  • Speziell die Biolandwirtschaft ist auf organischen Dünger angewiesen, der nur in Verbindung mit Viehhaltung in einer Kreislaufwirtschaft zu gewinnen ist. Dem Grundsatz der Kreislaufwirtschaft bleibt die Biolandwirtschaft auch in Zukunft verpflichtet, doch die Umstrukturierung und Spezialisierung wird auch hier nicht halt machen. Die Devise Ebelings ist, in kleinräumigen Kooperationen von Viehbetrieben und Ackerbaubetrieben überbetrieblich ökologisch zu wirtschaften. Im überbetrieblichen Wirtschaften sieht Ebeling eine Zukunftschance für einen sich ausweitenden Ökolandbau.

  • Der Beweis für den ökonomischen Sinn einer Biogasanlage im Ökolandbau muss noch erbracht werden. Rechnet sich der Einsatz allein über die Einspeisevergütung? Wie kann die anfallende Wärme sinnvoll eingesetzt und verkauft werden? Funktioniert die Technik auch ohne den Einsatz fetthaltiger Industrieabfälle allein mit ökologisch angebauten Rohstoffen? Wie hoch ist der Düngewert des Gärsubstrates und welche Preise müssen dafür erzielt werden?

In der über 600.000,- Euro teuren Anlage in Püggen werden täglich 15 t Biomasse verarbeitet. Das mit Biogas gespeiste Blockheizkraftwerk hat eine elektrische Leistung von 330 kW und versorgt über 500 Haushalte mit Strom, der direkt ins Netz gespeist wird. Mit der überschüssigen Wärme sollen Wohnhäuser im Dorf über eine Wärmeleitung versorgt werden. Und das im eigenen Ackerbetrieb nicht benötigte Gärsubstrat erhält ein Kooperationsbetrieb in Korvin, der auch Biomasse anliefert.

Ziel des Pilotprojektes ist der Beweis, dass überschaubare bäuerliche Anlagen durch Optimierung der Prozesssteuerung wirtschaftlich arbeiten können und so die Wertschöpfung bei den Bauern bleibt.

Das ist ein Grund für das Bundesumweltministerium, den Bau der Biogasanlage in Püggen mit einem Investitionszuschuss aus dem Programm zur Förderung von Demonstrationsanlagen zu fördern.

Der Bau bäuerlicher Biogasanlagen ist in Ebelings Augen ein Paradebeispiel zukunftsweisender Regionalentwicklung.

  • Die Wirtschaftskraft der Region wird gefestigt. Investitionen halten das Geld im Land.
  • Alle wesentlichen Bauaufträge können an heimische Handwerksbetriebe vergeben werden, denn hier in der Region sitzen die Spezialisten dieser Technologie.
  • Für bäuerliche Betriebe kann ein zukunftssicheres Einkommen erzielt werden.
  • 100% regenerative Energieversorgung des ländlichen Raumes ist auf diesem Hintergrund keine Träumerei.
  • Der Beitrag von Biogasanlagen zum Klimaschutz ist erheblich.
  • Bio Landwirtschaft kann über diesen Weg zur Normalität in der Landwirtschaft werden.

All diese Überlegungen hatten den 15-köpfigen Vorstand von Region Aktiv Wendland/Elbetal e.V. dazu bewogen, eine Beratungsstudie zum Bau von Biogasanlagen an ein hiesiges Ingenieurbüro zu vergeben. Die Biogasanlage in Püggen ist die sichtbare Investition, die dieser Beratungsstudie folgte: Eine weitere Anlage in Quickborn ist im Planungsstadium, die Baugenehmigung wird demnächst erwartet.

Die Region Wendland/Elbetal ist eine von 18 Modellregionen, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft ausgerufenen Wettbewerbs “Regionen Aktiv – Land gestaltet Zukunft” ausgewählt wurde. Leitbild ist die vorbildliche Verbindung von wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer Ausgewogenheit und intakter Natur und Umwelt. In diesem Sinne kann zur Halbzeit ein positives Zwischenergebnis gezogen werden.

Der Vorstand von Region aktiv Wendland Elbetal e.V. möchte Sie und einen Kreis regionaler Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung zur öffentlichen Vorstellung des durch Region aktiv geförderten Projektes “Beratungsleistungen zum Bau von Bio Biogasanlagen” herzlich einladen.

In der Folge dieses Projektes sind nachhaltige Investitionen getätigt, weitere werden erwartet.
Der Vorstand von Region aktiv möchte Ihnen die in Püggen im Probebetrieb laufende Bio Biogasanlage vorstellen. Erwartete nachhaltige Wirkungen auf die Bio Landwirtschaft unserer Region sollen erläutert und mit Ihnen diskutiert werden.

Termin: Donnerstag 15.04. – 11.30 Uhr
Ort: Biolandhof “Wilde Henne” Karola und Manfred Ebeling Püggen

Download Einladung

Download Rückantwort

Source: Pressemitteilung der Region Aktiv Wendland/Elbetal e.V. vom 2004-04-08.

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