6 Juni 2007

Regelstrom aus Biogas

Hessen fördert Entwicklung eines Energiemanagementsystems

Das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz unterstützt gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung ein Projekt zur Entwicklung und Demonstration eines Energiemanagementsystems (EMS), das dazu dienen soll, die durch den steigenden Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien entstehenden veränderten Anforderungen an den Netzbetrieb zu bewältigen. Gezeigt und dokumentiert werden soll, wie durch die Bereitstellung von Systemdienstleistungen aus Biogasanlagen (z.B. Spitzenlastkappung oder Notstromfunktion) in einem ländlich strukturierten Raum die Stromererzeugung effizienter organisiert werden kann.

“Dieses zukunftsweisende Projekt stellt einen wichtigen Schritt bei der Bewältigung der Herausforderungen dar, die durch den steigenden Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien an den Netzbetrieb zu meistern sind”, erklärte heute der Staatssekretär des Hessischen Umweltministeriums Karl-Winfried Seif in Wiesbaden. Dabei, so Seif weiter, gelte es, die Technologie weiterzuentwickeln, aber auch aufzuzeigen, wie durch die Bereitstellung von Systemdienstleistungen mit Biogasanlagen im ländlichen Raum eine höhere Wertschöpfung geschaffen werden kann und gleichzeitig ein Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung geleistet werden kann.

Landwirtschaftszentrum Eichhof als Modellgebiet
Das Projekt wird vom Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) auf dem Landwirtschaftszentrum Eichhof (LWZ) in Bad Hersfeld durchgeführt. Die Struktur des Landwirtschaftszentrums Eichhof mit Wohnungen, Büros, Bildungseinrichtungen und Werkstätten zeigt bezüglich des Lastganges von Strom ein Profil, das dem kleinerer Dörfer entspricht. Somit ist das Landwirtschaftszentrum Eichhof ein idealer Ort, um die notwendigen Technologien zu entwickeln und unter realistischen Bedingungen direkt vor Ort zu erproben.

Seif wies daraufhin, dass die Möglichkeit der Bereitstellung von Regelleistung oder weiteren Systemdienstleistungen grundsätzlich eine aussichtsreiche Option, Biogasanlagen auch unter Marktbedingungen (also ohne die Vergütung des Erneuerbaren Energien Gesetzes zu nutzen) und wirtschaftlich zu betreiben. Zwar, so erläuterte der Staatssekretär, stünden die notwendigen Technologien als Einzelkomponenten zur Verfügung, es fehle jedoch an einer geschlossen Technologie im Sinne eines umfassenden Energiemanagementsystems. “Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Projekt des Energiemanagementsystems nicht nur die Probleme meistern, die durch den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien an den Netzbetrieb gestellt werden, sondern auch die Versorgungssicherheit stärken und neue Geschäftsmodelle insbesondere für die Betreiber von Biogasanlagen entwickeln können”, betonte Seif. Damit würden sich im ländlichen Raum neue Einkommensmöglichkeiten ergeben.

Nach der Entwicklung, dem Aufbau und der Durchführung des Energiemanagementsystems (EMS) sollte es dann möglich sein, wie und wo und zu welcher Zeit beispielsweise Biogas oder eine andere regenerative Energie am effizientesten eingesetzt wird.

Netzstabilität durch Regelleistung
Eine verstärkte dezentrale Einspeisung aus verschiedenen, zunehmend auch regenerativen, Quellen führt zu wachsenden Anforderungen an die Netzbetreiber zur Sicherung der Netzstabilität. Insbesondere die Last- und Einspeisespitzen können besondere Probleme bereiten. Dies kann zu einem erhöhten Bedarf an bereitzustellender Regelleistung oder zu der Notwenigkeit einer kostenintensiven Netzverstärkung führen. Es ist bereits durch ein Überangebot an elektrischer Leistung in einigen Netzbereichen außerhalb Hessens zu Situationen gekommen, dass zeitlich begrenzt Anlagen gedrosselt oder gar vom Netz genommen werden müssen. Gelingt es, die Lasten und Einspeisungen zumindest teilweise aufeinander abzustimmen, würden diese Probleme stark gemildert werden und kann die Energieerzeugung und -verteilung effizienter gestaltet werden.

(Vgl. Meldungen vom 2006-01-25 und 2007-02-27.)

Source: Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Pressemitteilung, 2007-06-05.

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