13 Dezember 2006

Recyclingfähige Naturfaserwerkstoffe jetzt auch fürs Autodach

Papierwaben stabilisieren selbsttragende Autobauteile

Die Firma R+S Technik hat einen Werkstoff aus Kunst- und Naturfaservliesen mit einer stabilisierenden Papierwabenschicht sowie das dafür notwendige Herstellungsverfahren entwickelt.

Damit steht erstmals ein 100-prozentig recyclingfähiges Material zur Verfügung, das sich auch für freitragende Ausbauteile wie PKW-Dachhimmel eignet. Gleichzeitig ist der Werkstoff kostengünstiger als die bislang eingesetzten duroplastischen Polyurethan-Faserverbunde. Gefördert wurde das Vorhaben über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Recyclingfähige Materialien mit Naturfaserbestandteilen haben sich für den Innenausbau von Autos seit einigen Jahren etabliert, doch für großflächige, selbsttragende Teile konnten sie bislang noch nicht genutzt werden. Solche Teile werden in der Regel aus duroplastischem Polyurethan, gegebenenfalls verstärkt mit Glas- oder Naturfasern, hergestellt und haben den Nachteil, überhaupt nicht recyclebar zu sein. Vor dem Hintergrund der EU-Altautoverordnung, die bis 2015 die Wiederverwendbarkeit von 85 Prozent aller Teile eines Autos vorschreibt, suchen die Hersteller deshalb händeringend nach Alternativen.

Eine Solche könnte nun gefunden sein: Der Werkstoff der Firma R+S besteht aus zwei Schichten eines Natur-/Kunstfaservlieses, in deren Mitte Papierwaben den Bauteilen die nötige Formstabilität verleihen. Jute, Kenaf und Flachsabfälle stellen den Naturfaseranteil, ergänzt durch die Kunstfasern Polypropylen und Polyester.

Das Verhältnis zwischen Natur- und Kunstfaser liegt bei 60 : 40. Damit besteht der neue Werkstoff komplett aus wiederverwertbaren Rohstoffen und aus Papier. Zusätzlich wurde für eine wasserundurchdringliche Oberflächenbeschichtung ein recyclebarer Polyethylenschaum entwickelt.

Geeignet ist das Material für alle selbsttragenden, großflächigen und nicht zu stark verformten Innenausbauteile von Autos wie Dachhimmel, Hutablagen und Kofferraumverkleidungen; auch die Innenraumverkleidung von LKW ist mit dem Werkstoff möglich. Armaturenbretter und PKW-Türverkleidungen sind aufgrund der starken Verformung hingegen weniger geeignet. Die erfolgreichen Anwendungstests mit Dachhimmel-Prototypen führte ein deutscher Automobilhersteller durch.

R+S entwickelte nicht nur den Werkstoff, sondern auch das Produktionsverfahren, das aufgrund eines einstufigen Pressvorgangs sehr effizient abläuft. Dies in Kombination mit den relativ niedrigen Kosten für die Rohstoffe führt dazu, dass der neue Werkstoff rund 20 Prozent günstiger angeboten werden kann als herkömmliche Materialien. Entsprechend groß wird das Marktpotenzial eingeschätzt; R+S befindet sich bereits in Verhandlungen für den Verkauf der ersten Produktionsanlage.

Kontakt
R+S Technik GmbH
Lynn Spengler
Tel.: 069 – 89 000 214
E-Mail: lynn.sp@rstechnik.de

(Vgl. Meldungen vom 2005-09-12 und 2006-08-07.)

Source: FNR-Meldung Nr. 500 vom 2006-12-13.

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