4 Oktober 2002

Rapsöl für kommunale Fuhrparks im Kreuzfeuer

Umweltbundesamt lässt Klimaschutz als Argument nicht gelten

Eine Expertendebatte in Roth sollte jüngst Klärung in das Vorhaben des Bürgermeisters Richard Erdmann bringen, einen Teil des städtischen Fuhrparks auf Rapsöl umzustellen. “Einsatz von Pflanzenölen in kommunalen Fuhrparks” lautete das Thema, zu dem sich die Fachleute äußerten. Der Idee entgegen kommt mit der Firma Elsbett ein kompetenter Motoren-Partner sowie die Verfügbarkeit von Ölmühlen im Landkreis, die den Treibstoffbedarf sichern könnten.

Berater Bernhard Widmann vom Technologie- und Förderzentrum in Straubing betonte indes die wirtschaftlichen Erwägungen bei der Fahrzeugauswahl: “Autos suchen mit hoher Kilometerleistung, damit die Umstellung Effizienz zeigt”. Zusätzlich sei eine Umstellung am sinnvollsten für Fahrzeuge, die in Umwelt-relevanten Bereichen Einsatz finden – z.B. Wasser- und Landschaftsschutz.

Initiator der Debatte war der Arbeitskreis Klima- und Umweltschutz der Rother Agenda, der mit seiner Anregung, den Fuhrpark auf Rapsöl umzustellen, bei den Stadtvätern zunächst auf Granit stieß. Diese waren durch einen TV-Bericht in “Panorama” verunsichert. Dort war auf die Feststellung des Umweltbundesamtes verwiesen worden, dass die Produktion von Rapsöl und dessen Verwendung als Treibstoff Umwelt und Wirtschaft zum Nachteil der Steuerzahler schädige. Umweltbundesamt-Vertreter Andreas Ostermeier bekräftigte dies nachdrücklich vor dem Rother Publikum und verwies zudem darauf, dass die Förderung von Rapsöl ein lediglich landwirtschaftspolitisch begründeter Vorgang sei.

Umwelt- und Klimaschutz ließen sich laut Ostermeier an anderen Stellen wesentlich effizienter erreichen: “Das ist eine extrem ineffiziente Variante”, so der Physiker. “Rausgeschmissenes Geld.” Den Argumenten hinsichtlich der Endlichkeit fossiler Energieträger aus der aufgebrachten Zuhörerschaft hatte er entgegen zu halten, dass die Verwendung des hoch subventionierten Rapsöl als Treibstoff eigentlich mehr Energie verbrauche: “Das selbe Geld würde anderswo viel mehr Erdöl einsparen”, so seine lakonische Feststellung.

Pflanzenöl als Treibstoff hält dagegen Professor Marcus Brautsch von der Fachhochschule Amberg für eine Zukunftstechnologie, deren volkswirtschaftliche Bedeutung für eine Region nicht zu unterschätzen sei: “Rapsöl als Treibstoff ist Einkommensquelle für die Landwirte und schafft Kaufkraft”, erklärte der Wissenschaftler mit Verweis auf Bayerns weltweite Führung auf diesem Gebiet und stellte abschließend fest: “Der Schlüssel ist die volkswirtschaftliche Bilanz und da schneidet die Idee nicht schlecht ab.”

(Vgl. Meldungen vom 2002-07-30, 2002-02-05, 2001-11-22 und 2002-03-11.)

Source: Roth-Hilpoltsteiner-Volkszeitung vom 2002-10-02.

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