6 Dezember 2005

Rapsöl: Das Risiko wird geringer

Viele Landwirte rüsten derzeit ihren Traktor auf Pflanzenölbetrieb um. Das Interesse an dem günstigen Treibstoff ist so groß wie nie. Aktuelles Fachwissen vermittelt das "2. Deutsche Pflanzenöl Energieforum" am 18. Januar im ICC Berlin

Einen solchen Boom hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Galt Rapsöl als Kraftstoff bisher nur als Nischenprodukt für wenige Idealisten, haben in diesem Jahr Landwirte zu Hunderten Traktoren auf den Pflanzenölbetrieb umrüsten lassen. Auch wenn Skeptiker immer noch warnen und der Abschlussbericht des 100-Traktoren-Pflanzenölprogrammes noch nicht vorliegt: Die Landwirte reagieren damit auf ökonomische Zwänge.

Grund: Seit Anfang des Jahres sind die Dieselpreise explodiert. Dazu kommt, dass die Steuervergünstigung, die Agrardieselbeihilfe, seit Anfang des Jahres stark gekürzt wurde. Hatte ein Landwirt früher für den gesamten Diesel 21,48 Cent je Liter zurückerstattet bekommen, gilt diese Vergünstigung heute nur noch für Dieselverbräuche ab 1.860 Liter und maximal bis 10.000 Liter.

Das bedeutet: Ein Ackerbauer, der 20.000 Liter im Jahr verfährt, bekommt statt 4.300 Euro jetzt nur noch 1.700 Euro wieder. Geht man von einem Dieselpreis von 1,10 Euro pro Liter aus, zahlt dieser Landwirt heute abzüglich der Agrardieselbeihilfe 20.300 Euro für den Treibstoff.

Anders beim Einsatz von Pflanzenöl: Bei einem Preis von 65 Cent je Liter würde er bei 20.000 Liter Verbrauch 13.000 Euro zahlen. Damit spart er gegenüber dem Agrardiesel 7.300 Euro in einem Jahr ein. Der Haken dabei: Der Traktor muss auf den Pflanzenölbetrieb umgerüstet werden. Hier sind verschiedene Anbieter auf dem Markt, die entweder Ein- oder Zweitankmodelle anbieten.

Die Praxis zeigt, dass sich viele Landwirte für das System entscheiden, das ihre Servicewerkstatt vor Ort anbietet. Immer mehr Umrüster vergeben Lizenzen oder vermarkten ihr Konzept an Werkstätten vor Ort. Auch Maschinenringe oder Genossenschaften sind in diesen Markt eingestiegen.

Der Vorteil vom Eintanksystem ist, dass kein Diesel mehr benötigt wird und die Verbrennung optimal auf das Pflanzenöl abgestimmt ist. Das Zweitanksystem, bei dem zum Starten noch Diesel verwendet wird, hat den Vorteil in seinem Kaltstartverhalten. Außerdem wählen Praktiker dieses System, wenn sie mit ihren Maschinen im Teillastbereich fahren, also unter 1.700 Umdrehungen pro Minute.

Wie Untersuchungen der Universität Rostock gezeigt haben, besteht beim Pflanzenölbetrieb im Teillastbereich die Gefahr, dass Motoröl in den Schmierölkreislauf eindringt.

Die Umrüstkosten liegen je nach System und Anbieter zwischen 3.000 und 6.000 Euro je Traktor. Innerhalb eines Jahres hat der Fahrer diese Kosten mit dem günstigen Pflanzenöl wieder hereingefahren.

Aber wie groß ist das Risiko, das Landwirte mit dieser Technik eingehen? Dieses ist nicht zu vernachlässigen, da die Motorenhersteller noch sehr skeptisch gegenüber Rapsöl sind und keine Freigabe erteilen. Aber mehr und mehr steigen Versicherungen ein, die Maschinenbruch – bis hin zu Vollkaskoversicherungen für den Pflanzenöltraktor anbieten.

Viel hängt aber auch von der Rapsölqualität ab. Wie die Untersuchungen der Uni Rostock zeigen, sind Störungen an den Einspritzpumpen, Ablagerungen und andere Störungsursachen vor allem auf falsche Rapsölqualität zurückzuführen. Immer mehr Ölmühlen bemühen sich zwar, den Qualitätsstandard für Rapsölkraftstoff einzuhalten, der in der Praxis auch als “Weihenstephaner Standard” bekannt ist.

Sicherheit erhalten die Praktiker aber erst, wenn dieser Standard zu einer DIN-Norm umgewandelt wird. Die Signale dafür stehen gut: Mitte des Jahres ist bereits eine Vornorm verabschiedet worden. Gegenüber dem bisherigen Standard wird diese Norm vor allem niedrigere Phosphor-, Calcium- und Magnesiumgehalte haben. Diese Vornorm könnte Anfang 2006 in die DIN 51605 umgewandelt werden.

Was gut für die Fahrer ist, bedeutet aber für die Ölmühlenbetreiber technischen Mehraufwand. Damit die Interessen der rund 250 deutschen Ölmüller zukünftig besser vertreten werden, hat sich Mitte 2005 ein Bundesverband der dezentralen Ölmühlen gegründet.

Die Kraftstoffnorm bezieht sich derzeit nur auf Rapsöl. Dr. Edgar Remmele, der Leiter der Arbeitsgruppe zur Einführung der Norm, betont, dass Rapsöl derzeit am besten erforscht sei. Daher könnten die Qualitätsparameter für diesen Kraftstoff am ehesten festgelegt werden. Langfristig könnte es aber auch Normen z.B. für Leinöl oder Leindotter gegeben. Diese Pflanzen spielten bislang bei der Ölproduktion kaum eine Rolle.

Aber gerade im Mischfruchtanbau ist Lein sehr erfolgreich. Bei diesen Mischungen werden Ölpflanzen zusammen mit Getreide oder mit Leguminosen wie Erbsen zeitgleich auf einer Fläche angebaut und gemeinsam geerntet. Über die unterschiedliche Größe der Samen lassen sich die Früchte anschließend wieder trennen.

Wie Versuche aus Bayern und Schleswig-Holstein zeigen, kann der Ölertrag pro Hektar bei 350 kg liegen. Da landwirtschaftliche Arbeiten pro Hektar etwa 150 kg im ökologischen Landbau benötigen, kann ein Hektar Mischfruchtanbau Öl für 1,1 bis 1,4 ha Ackerfläche erzeugen.

Wie genau es mit der Kraftstoffnorm weitergeht und welche aktuellen Erfahrungen es mit der dezentralen Ölsaatenverarbeitung gibt, zeigt das “2. Deutsche Pflanzenöl Energieforum” auf der Messe CLAEN ENERGY POWER® 2006 parallel zur Grünen Woche in Berlin.

Bei der Tagung am 18. Januar 2006 geht es aber auch um neue Erkenntnisse zu Anbauverfahren von Ölpflanzen und um Praktiker-Erfahrungen. Genaue Hinweise zum Tagungsprogramm, zur Anmeldung und weiteren Informationen erfahren Sie unter Tel.: 07121 – 3016-0 oder im Internet unter www.energiemessen.de.

erneuerbare energien Kommunikations- und Informationsservice GmbH
Unter den Linden 15, 72762 Reutlingen
Miriam Hegner
Tel.: 00 49 – 71 21 – 30 16-0
Fax: 00 49 – 71 21- 30 16-100
redaktion@energie-server.de

(Vgl. Veranstaltungshinweis vom 2006-01-18.)

Source: erneuerbare energien Kommunikations- und Informationsservice GmbH vom 2005-12-06.

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