21 August 2002

Rapsernte schlechter als gedacht

Wetter sorgte für hohe Verluste

Es ist gerade einmal vier Wochen her, dass man in der Branche davon ausging, die Rapsernte 2002 werde eine hohe Menge und gute Qualitäten bringen. Doch gegen Ende Juli deutet für Deutschland vieles in die andere Richtung: Zwar ist in südlichen Landesteilen in vielen Regionen bis in die Mittelgebirge hinein die Rapsernte beendet, so dass der Regen der letzten Tage keinen allzu großen Schaden anrichten konnte, doch enttäuschten vielerorts die Erträge.

In Nord- und Ostdeutschland jedoch hat der Regen in der zweiten Julihälfte dem Raps verbreitet sehr geschadet: Vielfach platzen nun die Schoten, für die anderen werden die Ertrags- und Qualitätserwartungen immer weiter zurückgenommen; einige Schläge hat man sogar infolge Unbefahrbarkeit schon abgeschrieben. In den jüngsten Ertragsschätzungen geht man davon aus, dass in den noch stehenden Beständen die Erträge zu 20 Prozent unter Vorjahr liegen könnten. Alles in allem würde damit die Ernte in Deutschland statt der prognostizierten 4,4 Millionen Tonnen noch 3,9 bis 4,0 Millionen Tonnen bringen.

In den Rapspreisen auf den verschiedenen Handelsstufen hat sich dies bisher allerdings noch nicht bemerkbar gemacht. So lag der Schwerpunkt der Rapspreise in der vierten Juliwoche bundesweit bei 207,25 Euro je Tonne frei Lager der Erfassungsstufe und damit nicht wesentlich über den Werten der Vorwochen.

Und auch für die nächsten Wochen sollte man keine allzu hohen Erwartungen an die Preisentwicklungen knüpfen, denn allein in Frankreich werden die Ernteschätzungen immer wieder nach oben revidiert; zurzeit erwartet man etwa 300.000 Tonnen mehr als noch vor einigen Wochen prophezeit. Und auch in Großbritannien, einem ebenfalls bedeutenden Rapsproduzenten in der Europäischen Union, wird noch immer mit einer guten Ernte gerechnet. Insofern könnte sich die Rapsernte für die gesamte EU trotz der widrigen Umstände hierzulande immer noch auf etwas knapp unter zehn Millionen Tonnen summieren und damit die ursprüngliche Prognose von einem Plus von einer Million Tonnen gegenüber dem Vorjahr nur knapp verfehlen.

Weltweit mehr Raps

Andererseits spricht auch vieles gegen eine ausgemachte Schwäche am Rapsmarkt. Zwar dürften weltweit im angelaufenen Wirtschaftsjahr mit 36,4 Millionen Tonnen knapp eine Million Tonnen Raps mehr erzeugt werden als ein Jahr zuvor. Doch in Kanada und Australien, die etwa zwei Drittel des Welthandels abdecken, deuten letzte Meldungen darauf hin, dass hier geringere Ernten heranwachsen als noch vor wenigen Monaten prognostiziert.

Hinzu kommt, dass die weltweite Rekordproduktion von Ölsaaten insgesamt – laut der Schätzung des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums 328 Millionen Tonnen – auch benötigt wird, um die weltweite Nachfrage nach Eiweißschroten und Speiseölen zu decken. Insbesondere der Speiseölmarkt könnte einen weiteren Kursanstieg der Ölsaaten ermöglichen.

Dabei kommt der Sojaproduktion nach wie vor die entscheidende Rolle zu. Und die ist in den letzten Wochen wieder etwas pessimistischer eingeschätzt worden, da es in den Hauptanbaugebieten in den USA teilweise zu trocken war.

Störend für den Anstieg der Rapspreise ist allerdings die Kursentwicklung des Euro im Vergleich zum Dollar. Hier hat die Stärkung des Euro in den letzten Wochen den Rapspreisen hierzulande eher geschadet. Denn im letzten Wirtschaftsjahr wurden rund 300.000 Tonnen Raps aus der EU exportiert, und im laufenden Wirtschaftsjahr könnten es durchaus noch größere Mengen werden. Allerdings verteuert ein festerer Euro den EU-Raps auf dem Weltmarkt und wirkt insofern im Inland preisdämpfend.

© ZMP 2002

Source: ZMP-Newsletter, Ausgabe 17/2002 vom 2002-08-16.

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