7 Oktober 2014

„Raps 2.0 – Was muss der Raps der Zukunft leisten?“

UFOP-Fachforum mit optimistischem Ausblick auf Erzeugung und Vermarktung

Anlässlich ihrer Mitgliederversammlung 2014 hat die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) in Würzburg ein mit rund 100 Teilnehmern sehr gut besuchtes öffentliches Fachforum durchgeführt. Experten aus Züchtung, Sortenprüfwesen, Anbau, Pflanzenschutz, Ölsaatenverarbeitung, Tierernährung und Markt diskutierten entlang der Wertschöpfungskette die wichtigste heimische Ölsaat in zahlreichen Facetten einschließlich der politischen Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe und der künftigen Nachfrage nach Produkten der Öl- und Eiweißpflanzen.

Bernt Farcke vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erläuterte die Position der Bundesregierung in der Biokraftstoffpolitik. Obwohl die Bundesregierung Biokraftstoffen grundsätzlich unterstützend gegenübersteht, fehlen aus Sicht der Biokraftstoffbranche konkrete Vorgaben zur Sicherstellung des bisherigen Marktanteils von Biodiesel und Pflanzenölkraftstoffen aus Raps. Eine Strategie, die vorrangig auf Abfall- und Reststoffe als Rohstoffe setzt, wird den Anforderungen und Interessen der deutschen Ölsaatenerzeuger nicht gerecht. Stephan Kleiner vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie stellte mit „RapsTrak200“ ein jüngst gestartetes Programm zur Förderung der klimaschonenden Treibstoffversorgung land- und forstwirtschaftlicher Arbeitsmaschinen in Bayern vor. Damit ist die Erwartungshaltung verbunden, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken sowie die heimische Eiweißfuttermittelproduktion zu unterstützen. Prof. Dr. Jürgen Krahl, Hochschule Coburg, fasste die Anforderungen an die Forschungsförderung aus Sicht der Kraftfahrzeugforschung zusammen.

In der Diskussion wurde von den Praktikern die fehlende Verlässlichkeit bei den politischen Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe beklagt: Während in der Vergangenheit Biokraftstoffe der ersten Generation durchaus als sehr gut geeigneter Lösungsansatz zur Erreichung der europäischen Klimaschutzziele angesehen wurden, stehen in letzter Zeit vorrangig kritische Sichtweisen und Bedenken im Fokus der Betrachtungen. Darüber hinaus zeigte sich deutlich, dass in Deutschland – im Gegensatz zur Motorenforschung – eine systematische Kraftstoffforschung fehlt. Um die Marktanteile für Biokraftstoff aus Raps künftig sicherzustellen, adressierte das UFOP-Fachforum sowohl bei der Verlässlichkeit des politischen Willens als auch bei der Unterstützung der Biokraftstoffforschung erheblichen Handlungsbedarf.

Im Bereich „Anbau und Züchtung“ führte Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen in die Diskussion mit den Podiumsteilnehmern Alois Aigner und Prof. Dr. Michael Zellner, Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern, Dr. Martin Frauen, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, und Dr. Herbert Siedler, Amt für Landwirtschaft und Ernährung Würzburg, ein. Als Herausforderungen für den Rapsanbau konnten die Verbesserung der N-Effizienz sowie eine bessere Kontrolle und Bekämpfung von Schadinsekten und Pilzkrankheiten sowie die Anpassung an den Klimawandel identifiziert werden. Die Rapszüchtung lieferte einen positiven Ausblick: Während der Ertrag zur Ernte 2014 mit 44,5 Dezitonnen je Hektar im bundesweiten Mittel einen neuen historischen Rekord darstellt, ist das Ertragspotenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Aktuell im Zuchtgarten stehende Zuchtlinien lassen ein Ertragsniveau in der Praxis von 6 Tonnen je Hektar und mehr bei gleichzeitig sehr hohen Ölgehalten über 45 Prozent erwarten. In der Diskussion berichtete Prof. Dr. Michael Zellner über die aktuelle Einschätzung beim Auftreten der Herbstschädlinge in Bayern. Aktuelle Erhebungen belegen zwar ein durch den milden Winter 2013/14 bedingtes regional hohes Auftreten des Rapserdflohs. Allerdings ist dieser durch Flächenspritzungen mit Pyrethroiden gut kontrollierbar. Mittel- und langfristig bedarf ein erfolgreiches Resistenzmanagement gegen bedeutende Rapsschädlinge sowohl unterschiedlicher Bausteine in der Bekämpfungsstrategie als auch der Verfügbarkeit verschiedener Wirkstoffklassen.

Der dritte Block der Veranstaltung setzte sich mit der Nachfrage nach Produkten der Öl- und Eiweißpflanzen auseinander. Wienke von Schenck, AMI Bonn, dokumentierte in ihrem einführenden Vortrag die Entwicklung des heimischen Rapsanbaus vor dem Hintergrund des weltweit steigenden Bedarfs an Ölen und Fetten sowie pflanzlichem Protein. So konnte Rapsextraktionsschrot als wichtigstes heimisches Eiweißfuttermittel im abgelaufenen Wirtschaftsjahr bei der Einsatzmenge in Deutschland erstmals nahezu mit Sojaextraktionsschrot gleichziehen. Prof. Dr. Hubert Spiekers von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft Grub bestätigte den hohen Futterwert von Rapsfuttermitteln gemäß zahlreicher Fütterungsversuche. Demnach setze man sowohl bundesweit als auch bei der Eiweißinitiative Bayern auf deren verstärkten Einsatz bei Rind, Schwein und Geflügel.

Auf ganz neue Wertschöpfungsmöglichkeiten neben dem immer beliebter werdenden Rapsspeiseöl machte Dr. Michael Raß, Teutoburger Ölmühle Ibbenbüren, in der Podiumsdiskussion aufmerksam: Das hochwertige Aminosäurenmuster des Rapses legt die Herstellung von Proteinisolaten für die menschliche Ernährung nahe. Die Voraussetzung hierfür habe die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Ende letzten Jahres mit der sogenannten Novel Food-Zulassung geschaffen. Jetzt sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis erste Proteingewinnungsanlagen hierzulande gebaut sowie hochwertige Rapsproteine in den Rezepturen von Sportlernahrung, Getränken und Grundnahrungsmitteln Eingang finden werden.

In der Diskussion wurde die ganze Bandbreite bei der Nutzung von Rapsprotein aufgezeigt. Demnach existieren sowohl für das klassische Rapsextraktionsschrot als auch für standardisierte Rapskuchen oder Spezialprodukte aus geschälter Rapssaat bereits heute breite und vielfältige Einsatzmöglichkeiten bei allen landwirtschaftlichen Nutztieren. Insbesondere der Trend im Lebensmitteleinzelhandel zur Auslobung von Gentechnikfreiheit führt zu einem Wettbewerbsvorteil von heimisch erzeugtem Raps. Darüber hinaus ist auch vor diesem Hintergrund ein hohes Wachstumspotenzial für pflanzliche Proteine in der Humanernährung zu sehen.

Der UFOP-Vorsitzende Wolfgang Vogel fasste in seinem Fazit die intensiven Diskussionen im Fachforum zusammen: „Raps in Deutschland hat in den letzten 25 Jahren wahre Überflieger-Qualitäten gezeigt. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Erfolgsgeschichte – trotz der identifizierten Herausforderungen – fortgeschrieben werden kann und wird.“

Source: UFOP, Pressemitteilung, 2014-09-30.

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