4 Februar 2004

Raketentreibstoff aus Escherichia Coli-Bakterien

Billige Kraftstoff-Produzenten für US-Streitkräfte brauchen nur Zucker

Die Finanzkassen der US-Armee dürfen sich auf spürbare Entlastung freuen: Künftig sollen “Apache”-Kampfhubschrauber ihre “Hellfire”-Raketen mit Treibstoff abschießen, dessen Hauptadditiv billig von Darmbakterien produziert werden kann.

Escherichia Coli scheint somit äußerst vielfältig modifizierbar: nicht nur Polymere, Strom oder Farbstoff kann der Einzeller nach entsprechender Manipulation herstellen (vgl. Meldungen vom 2003-06-27, 2003-09-09 und 2002-11-22), inzwischen liefert er sogar kostbaren Raketentreibstoff. Entdeckt hat diese Möglichkeit ein Forscherteam um den Chemiker John Frost an der Michigan State University. Gibt man den genetisch veränderten Bakterien einfache Zuckernahrung, produzieren sie hieraus so genanntes Butantriol, einen Kohlenwasserstoff, der anschließend nitriert und damit zu Butantrioltrinitrat (BTTN) wird, einem wichtigen Additiv für hochwertigen Raketentreibstoff.

Auf herkömmliche Weise hergestelltes Butantrioltrinitrat kostet zwischen 65 und 88 Dollar je Kilogramm und wird bislang wegen seines hohen Preises nur als Komponente für Luft-Boden-Raketen eingesetzt, um eine gleichmäßige Verbrennung zu gewährleisten. Künftig soll die BTTN-Produktion über Bakterien den Preis auf 22 bis 33 Dollar je Kilo reduzieren können, behauptet Frost in einem Artikel für die Fachzeitschrift “Journal of the American Chemical Society”, denn: “Mikroben erlauben uns, große Mengen zu produzieren.”

Bei reduziertem Preis könnte sich BTTN auch als Alternative für den Nitroglyzerin-Markt anbieten: “Verglichen mit Nitroglyzerin, das keinen Fehler verzeiht, ist BTTN in allen Aspekten der Produktion und Anwendung sicherer”, äußerte Frost gegenüber der britischen BBC. Dies erlaube den Einsatz von BTTN in zahlreichen militärischen und zivilen Anwendungen, wie z.B. Cholesterin senkende Medikamente, die auf Butantriol basieren.

Nicht zuletzt spricht auch der Umweltfaktor für die biologische Herstellung der Chemikalie, da sie bei Zimmertemperatur und normalem Luftdruck ablaufe und somit die Verschmutzung gegenüber herkömmlichen Produktionsverfahren geringer sei.

Source: SPIEGELonline vom 2004-02-04.

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