19 Dezember 2003

Radeburg bald Bioethanol-Standort?

Landhandels- und Recycling-Zentrum GmbH will Sekundärrohstoffe verwerten

Reststoffe der Lebensmittelindustrie, wie Altbackwaren, Teig- und Kartoffelabfälle will die Landhandels- und Recycling-Zentrum GmbH aus Neukirchen (LRZ) demnächst auch in Radeburg (Sachsen) zu Treibstoff verarbeiten: “Es handelt sich, einfach gesagt, um Schnaps”, wie Geschäftsführer Jochen Auerbach dem Technischen Ausschuss der Stadt Radeburg darlegt – davon sollen allerdings dann acht Millionen Liter täglich erzeugt – und damit auch rund zehn bis zwölf neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Nach fünfjähriger Erprobung per Demonstrationsanlage in Neukirchen konnte das Unternehmen seine Anlagenplanung für das erste industrielle Vorhaben in Bad Köstritz bereits abschließen. In Radeburg fehlt es noch an der baurechtlichen Zulassung für das avisierte Areal im Gewerbegebiet Radeburg-Süd, das sich in Autobahnnähe, aber fern von Wohnsiedlungen, ideal anmaßt: “Pro Arbeitstag rechnen wir mit zwölf bis vierzehn Lastfahrten, mit denen das Ausgangsmaterial angeliefert wird. Deshalb ist für uns die gute verkehrstechnische Lage wichtig.”

Auerbach baut auch auf das Interesse der industriellen Nachbarschaft, denn die beim Umwandlungsprozess zu Bioethanol frei werdende Energie will der Unternehmer gern an Großmärkte und Logistikbetriebe weiter leiten: “In Radeburg haben wir bereits mit Firmen wie der Dachser GmbH und dem Selgros-Großhandelsmarkt verhandelt, die daran durchaus interessiert wären”.

Kopfschmerzen machen indes Bürgermeister Dieter Jesse die Baupläne der Industrieanlage, die mit einer Höhe von bis zu 25 Metern den Bebauungsplan der Stadt korrumpieren könnten: “Kein Gebäude soll höher sein als unsere Kirchturmspitze”, weist Jesse auf die Höhengrenze von derzeit 21 Metern hin. Nichtsdestotrotz will er sich zunächst an einer ähnlichen Anlage in Radeberg – mit einem Biogasspeicher mit weißer Kuppel – optisch orientieren und im Anschluss die Diskussion mit dem Technischen Ausschuss fortsetzen.

Einwände bzgl. Geruchs- oder Keimemissionen weist der Investor indes zurück: “In einer normalen Biotonne sind mehr Keime enthalten”, betont Auerbach und erklärt, dass das Verwertungsgut sicher in geschlossenen Containern angeliefert und alle Biofilterabgase durch Schlote abgeleitet würden.

(Vgl. Meldung vom 2003-07-11.)

Source: Sächsische Zeitung vom 2003-12-18.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email