3 April 2002

Prenzlauer Hanffabrik meldet Insolvenz an

Geschäftsführung und Mitarbeiter erarbeiten Erneuerungskonzept

Nach drei Jahren hoffnungsvollen Einsatzes musste am 27. März die Hanf-Faser-Vertriebs GmbH in Prenzlau für das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Mit viel Engagement und Energieaufwand sowie einem 5 Mio. Mark Schuldenberg war Rainer Nowotny Anfang 1998 in seine Selbständigkeit gestartet. Seine Idee, Hanfaufschluss mit hochwertigen Fasern zu betreiben, scheiterte an vielen Details. Obwohl er die Banken von seinen Ideen und die märkischen Bauern vom Hanfanbau überzeugen konnte, selbst auf den von ihm mit entwickelten Erntemaschinen saß und keine Wege scheute, Produktideen bis hin zum Absatz zu entwickeln, war das Aus unvermeidbar. “Am Ende fehlte es am Eigenkapital, um die lange Anlaufphase zu überstehen. Wir hatten einfach nichts auf der hohen Kante”, resümierte Rainer Nowotny im Gespräch mit der Presse.

Die jährliche Verarbeitungskapazität seiner 68 Meter langen Anlage lag bei zirka 7.000 bis 10.000 Tonnen Hanfröststroh jährlich, zum Zeitpunkt seines Betriebsstartes entsprach dies dem Anbauaufkommen in ganz Brandenburg. Trotz hoffnungsträchtiger Kooperation mit den Zehdenicker Dämmstoff-Partnern und der Automobilindustrie gestalteten sich der Absatz sowie die vertraglich gesicherte Abnahme seiner Fasern nur schwer. Drei Jahre häuften sich die Schulden, obwohl die letzten monatlichen Umsätze und Aufträge Anlass zur Hoffnung geben, dass die “Fabrik nicht abgewickelt wird”. “Ein Teil der zuletzt 8-köpfigen Belegschaft arbeitet noch weiter”, berichtet Nowotny zuversichtlich. Mit dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern beabsichtigt der ideenreiche Unternehmer nun, einen Neuanfang auszuhandeln, um den Standort zu erhalten und die Geschäfte ohne Unterbrechung der Arbeiten fortsetzen zu können. “Geschäftsführung und Mitarbeiter erarbeiten gerade ein Erneuerungskonzept”, lässt Nowotny wissen.

(Vgl. auch Meldung vom 20010103.)

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Lokales Prenzlau vom 2002-04-03.

Source: Lokales Prenzlau vom 2002-04-03.

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