30 Juni 2004

Pilze lassen Äcker gesunden

Das Unternehmen Prophyta auf Poel setzt Mikroorganismen als biologische Pflanzenschutzmittel ein. Die Firma will die Produktion erweitern

Malchow (dpa) Peter Lüth sucht gern Pilze, von Berufs wegen. Allerdings tut er dies nicht im Wald, sondern im Labor seines Unternehmens Prophyta in Malchow auf der kleinen Ostseeinsel Poel vor der Hansestadt Wismar. Sporenbildende Mikroorganismen setzt der Agrarwissenschaftler als biologisches Pflanzenschutzmittel zur Gesundung von Ackerböden ein. Jetzt will er mit insgesamt zehn Millionen Euro die Produktion seiner Pilz-Präparate erweitern, die vor allem im Ausland begehrt sind.

Die renommierteste Entwicklung von Prophyta ist das Mittel “Contans”, das einzige Fungizid Deutschlands, welches auf Mikroorganismen basiert, bestätigte eine Sprecherin der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) Braunschweig. Dieses Anti-Pilzmittel wirkt gegen die Krankheitserreger der Sclerotinia-Fäule an Kulturpflanzen und verhindert so herbe Ernte- und Qualitätsverluste, wie Geschäftsführer Lüth erklärt.

Ausgebracht werde das wasserlösliche Granulat mit herkömmlichen Geräten. Nebenwirkungen für Pflanzen oder Umwelt gebe es keine. Seit vier Jahren wird “Contans” in Wismar mit selbst konstruierter Technik hergestellt. 2003 waren es rund 100 Tonnen.

Der große Durchbruch allerdings sei noch nicht gelungen, meint Lüth. “Biologische Produkte sind stark erklärungsbedürftig, sie wirken anders als Chemie und der Erfolg ist nicht sofort auf dem Feld zu sehen”, erklärt der Wissenschaftler. Er baut nun auf ein Aufstocken der EU-Fördermittel für biologischen Pflanzenschutz ab 2005 und damit stärkere finanzielle Anreize für die Landwirte.

Wenn in dieser Saison – vornehmlich im August – wenigstens 170 Tonnen des Präparats verkauft würden, sei die Anlage in Wismar ausgelastet, ist Lüth zuversichtlich. Dann werde ab Herbst angebaut und die Jahreskapazität auf 600 Tonnen gesteigert.

Dass seine Pilze das Zeug dazu haben, einmal ganz groß rauszukommen, daran zweifelt der Firmenchef keine Sekunde. Schließlich bekam er vor zwei Jahren für seine Erfindung den Deutschen Umweltpreis verliehen. Das Produkt ist patentiert, in den USA sowie – nach sechsjährigem Verfahren – seit Januar 2004 auch in der gesamten EU zugelassen. Wirkstoff sind die Sporen des natürlichen Bodenpilzes Coniothyrium minitans. Die Parasiten wachsen im Erdreich und zerstören damit die Dauerkörper der Sclerotinia-Fäule.

Das Infektionspotenzial im Boden wird so nachhaltig reduziert, erklärt der 48-jährige Experte. In elf Ländern der EU wird “Contans” bereits eingesetzt. Hauptabnehmer sind Frankreich sowie die USA, die das Mittel bei Raps, Sonnenblumen und Gemüse anwenden. Deutschland nutzt es im Salat- wie auch im Rapsanbau.

Die zehn Mitarbeiter des Poeler Unternehmens haben jetzt noch weitere “Übeltäter” untertage im Visier: Fadenwürmer, so genannte Nematoden, die die Wurzeln von Pflanzen befallen. Mit einem speziellen Pilzstamm – der Lizenz eines australischen Patents – hat Prophyta ein neues biologisches Pflanzenschutzmittel entwickelt. Noch 2004 werde die Zulassung in Amerika erwartet, so Lüth. Interesse hätten auch südeuropäische Länder für den Einsatz bei Tomaten angemeldet. Die Philippinen und Costa Rica behandelten damit Bananen-Plantagen.

“Das Mittel wird hochtoxische Chemikalien vom Markt verdrängen”, ist Lüth überzeugt. Voraussichtlich im kommenden Jahr soll für die Produktion von jährlich 500 Tonnen des Anti-Wurmpräparats ein Neubau in Wismar entstehen.

Source: dpa-Meldung vom 2004-06-29.

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