22 September 2005

Pflanzenöl im Schleppertank

L P D – Kostenexplosionen für Treibstoffe machen auch den Bauern sehr zu schaffen. Auf der einen Seite sind sie mit dem Dieselbedarf für ihre Traktoren und Maschinen Großverbraucher, zugleich können sie aber mit der Produktion von Pflanzenölen Energie in großem Umfang selbst bereit stellen. Mutige Landwirte experimentieren bereits mit dem Einsatz von Pflanzenöl als Motortreibstoff. Mehr Informationen zu dem Thema vermittelte kürzlich eine Pflanzenöltagung des Landvolks Niedersachsen an der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (Deula) in Hildesheim.

Dabei ging es vor allem um die Frage, welche Chancen die Nutzung von Pflanzenöl bietet, aber auch welche Risiken damit verbunden sind. Der verstärkte Biokraftstoffeinsatz ist gerade in der Landwirtschaft sinnvoll, die entsprechenden Rahmenbedingungen sind vorhanden, Fördermöglichkeiten bestehen, lautete das Fazit der Tagung. Die Technik ist allerdings noch nicht serienreif, ein Risikomanagement ist deshalb nötig.

Einfach Pflanzenöl in den Tank – das geht nicht. Weil sich Pflanzenöl in wesentlichen motortechnischen Eigenschaften von Diesel und Biodiesel unterscheidet, sind Anpassungen des Motors notwendig, für die bei den Herstellern aber aufgrund der geringen Stückzahlen kein Anreiz besteht. Die Umrüstung ist deshalb Sache von Spezialfirmen. Weil dabei die Gewährleistung des Motorenherstellers erlischt, sollten sich die Landwirte deshalb entsprechende Garantieerklärungen der Umrüster geben lassen, riet Harald Wedemeyer vom Landvolkverband den Tagungsteilnehmern. Die Hersteller bieten häufig Versicherungslösungen an.

Und die Landwirte sollten sich nur qualifizierten Umrüstungen zuwenden, denn nur hochwertige Umrüstungen lassen einen langfristigen Betrieb mit Pflanzenöl unter Einhaltung der Abgasgrenzwerte erwarten. Verbreitet ist der Einsatz von Pflanzenöl im Zwei-Tank-System: Wegen des problematischen Kaltstarts mit Pflanzenöl wird mit Diesel gestartet und erst bei Betriebstemperatur des Motors auf Pflanzenöl umgeschaltet. Neu entwickelt wurde jetzt eine Technik, bei der durch Ultraschall Gasblasen aus dem Öl entfernt und so die Nachteile umgangen werden sollen.

Noch ist das Fahren mit Pflanzenöl allerdings nicht immer störungsfrei, wie die Erfahrungen aus dem öffentlich geförderten Pilotprojekt mit 100 umgerüsteten Schleppern, das demnächst abgeschlossen wird, gezeigt haben. Nicht alle Motoren und nicht alle Einspritzpumpen sind für Pflanzenöl geeignet, das größte Problem ist aber die oft unzureichende Qualität des Pflanzenöls. Hier gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Eine Norm tritt aber demnächst in Kraft. Auch in das Förderprogramm für nachwachsende Rohstoffe soll die Umstellung auf Pflanzenöltreibstoff künftig aufgenommen werden.

(Vgl. Meldungen vom 2005-09-19, 2005-09-21 und 2004-06-29.)

Source: Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V. vom 2005-09-22.

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