5 November 2009

Pflanzenmüll aus dem Meer soll Strom liefern

Biogasanlage für Treibgut von Nord- und Ostseestränden geplant

Algen und Pflanzenreste an deutschen Stränden sind ein Ärgernis für Badegäste und eine Gefahr für Deiche. Forscher wollen daraus Strom, Lebensmittel und Kosmetika gewinnen.

An den Stränden und Deichen von Nord- und Ostsee verursacht der riechende Abfall hohe Entsorgungskosten, da dieser vor allem für Touristen beseitigt werden muss. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Grasnarbe, die den Deichkörper schützt, verloren geht, wenn bei Ebbe durch zurückweichende Wassermassen Pflanzenteile im Deichvorland abreißen und an die Deichkanten gespült werden.

Bisher räumten Bautrupps die Treibsel zusammen, damit nach dem Aussortieren von anorganischem Material die verbleibende kleingehäckselte Biomasse zurück auf den Deich und ins Vorland verteilt werden kann.

Die Hanseatische Umwelt aus Sandhagen bei Rostock beschäftigt sich seit Jahren mit der Verwertung von Nord- und Ostseetreibsel. Das Unternehmen hat sich ca. 25.000 t des Materials jährlich in Schleswig Holstein gesichert. Derzeit werden verschiedene energetische Verwertungsverfahren geprüft sowie eine Projektplanung erstellt.

Laut dem verantwortlichen Projektleiter Andreas Abdessemed stehe ein Langzeit-Gärversuch kurz vor dem Abschluss und für 2010 sei eine Pilotanlage geplant. Hintergrund für dieses Projekt seien auch die steigenden Preise für Substrate wie Mais gewesen, die auf knappen Ackerflächen gewonnen werden.

Energiegewinnung aus Seegras-Algen-Gemischen
Die Fachhochschule Flensburg untersucht die Gewinnung von Energie durch Seegras-Algen-Gemische. Verschiedene Ostsee-Treibsel ließen sich grundsätzlich vergären, so Jens Born, Professor für chemische Technologie. Der Biogasertrag von 8 – 20 m3 aus 1 t Ausgangsmaterial sei jedoch gering. Zudem würde die Verwertung durch den Anteil von 50% Sand erschwert. Das letzte Wort sei hierzu jedoch noch nicht gesprochen, sagt Born.

Lebensmittel und Kosmetik aus Seegras
Christel Dötsch-Jutsch vom Forschungsunternehmen Aquazosta Marine Plant Biotechnology in Schwerin erforscht die Nutzung von Seegras (Zostera marina). Dieses Material wurde bislang unter anderem zu Dämmzwecken genutzt. Aus diesem wertvollen Naturrohstoff könne man Produkte für die Ernährungswirtschaft und Arzneimittel herstellen sowie Kosmetika, Thalasso-Wellnessanwendungen, erläutert Frau Dötsch-Jutsch.

Weitere Informationen
Projektbeschreibung (PDF-Dokument)

Source: Hanseatische Umwelt GmbH, 2009-11-05

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