19 Juli 2019

Paludikulturen mit Schilf und Rohrkolben in die Praxis bringen

Projekt erarbeitet Leitlinien für Landwirte, Behörden und Politik – Praxisversuche auf 8 Hektar

Trockengelegte, landwirtschaftlich genutzte Moore sind für rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen des hiesigen Agrarsektors1  verantwortlich. Deren Wiedervernässung würde die Emissionen stark verringern, dafür bedarf es aus Sicht der Landwirte jedoch gleichwertiger Nutzungskonzepte für die nassen Flächen. Die Universität Greifswald und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern wollen vor diesem Hintergrund die Gewinnung von Schilfrohr und Rohrkolben für Bau- und Brennstoffe auf wiedervernässtem Niedermoorgrünland optimieren. Die Forscher suchen nach geeigneten Arten bzw. Genotypen und ermitteln die optimale Bestandesführung für die verschiedenen Produktlinien. Unter anderem sind Anbau- und Ernteversuche auf einer acht Hektar großen Fläche geplant, um die Machbarkeit in der Praxis zu überprüfen. Außerdem bewerten die Forscher die Ökonomie und entwickeln Vorschläge zur Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das Projekt „Paludi-PRIMA“ über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

In Deutschland bestehen rund sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen aus entwässerten Mooren. Dass diese Flächen hierzulande zu den größten Treibhausgasquellen der Landwirtschaft zählen, ist bislang wenig bekannt – rund ein Drittel der agrarischen Klimagas-Emissionen gehen auf ihr Konto (Siehe auch https://greifswaldmoor.de/files/dokumente/Infopapiere_Briefings/GMC_Stellungnahme%20KSP2050_Endf.pdf). Deren Wiedervernässung bietet die Chance, einen Großteil dieser Emissionen einzusparen und damit einen Beitrag zum Klimaschutzplan 2050 zu leisten. Insbesondere Landwirte stehen diesem Ansinnen jedoch oft ablehnend gegenüber, sofern sie dadurch produktive Flächen verlieren. Als Lösungsansatz wurde das Konzept der Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) zur land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore entwickelt.

Im Projekt Paludi-PRIMA wollen die Forscher nun die Paludikultur auf wiedervernässten Grünlandstandorten mit Schilf (Phragmites australis) und Rohrkolben (Typha angustifolia, Typha latifolia) praktisch umsetzen. Dafür gilt es, geeignete Genotypen zu identifizieren, die sich für den Anbau in Deutschland eignen und die erforderliche Qualität für die Nutzung als Baustoff (u. a. Dach-Reet) mitbringen sowie deren Anbau und die Ernte zu optimieren. Aktuell wird der Rohstoff vor allem aus Süd- und Osteuropa und China importiert. Für Feldversuche steht ihnen eine Demonstrationsfläche von acht Hektar zur Verfügung, die auch Landwirten zur Anschauung dient.

Eine wichtige Rolle kommt der ökonomischen Analyse zu. Das Paludi-PRIMA-Team ermittelt Kosten und Erlöse, um Landwirten eine Entscheidungshilfe zu geben, aber auch, um die Höhe einer eventuell benötigten Förderung aufzuzeigen. Zudem wollen sie Fragen zur wasserrechtlichen Bewertung einer dauerhaften Vernässung von Grünland und mögliche Einwände durch den Naturschutz bewerten. Auch das Agrarrecht, das momentan ein Umwandlungsverbot für Grünland vorsieht, wirft noch Fragen auf.

Um für Landwirte attraktiv zu sein, muss nach Ansicht der Forscher auch die Beihilfefähigkeit der Flächen erhalten bleiben. Sie wollen Vorschläge erarbeiten, wie Paludikulturen sinnvoll in den Rechts- und Förderrahmen intergiert werden können.

Informationen zum Projekt stehen auf www.fnr.de unter den Förderkennzeichen 22026017 und 22032718 sowie unter www.moorwissen.de zur Verfügung.

Source: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) e.V., Pressemitteilung, 2019-07-10.

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