31 Januar 2006

Palmöl für Emden: Pläne für Biodiesel-Raffinerie im Grünen-Kritik-Feuer

Landtagsfraktion will wissen, wie die Landesregierung zu dem Vorhaben im Hafen steht

Kritisch sehen die Grünen die Pläne, im Emder Hafen Palmöl zur Herstellung von Biodiesel einzusetzen. Das sei “ökologisch und ökonomisch fragwürdig”, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Klein.

Wie berichtet, soll im Ölhafen eine Anlage gebaut werden, die Biodiesel auf der Basis von Palmöl erzeugt. Die Investoren haben vor, in Emden bis zu 430 000 Tonnen Biodiesel pro Jahr zu produzieren.

Der Rohstoff wird nach Informationen der Emder Zeitung per Schiff aus Indonesien importiert. Und genau dort sehen Kritiker das Problem, denn für die riesigen Palmöl-Plantagen wurden bereits viele tausend Hektar Regenwald vernichtet.

Die wichtigsten Anbauländer für Palmöl sind Malaysia und Indonesien, die etwa 80 Prozent der Weltproduktion abdecken. Neuere Anbaugebiete liegen in Brasilien und Kolumbien. Geringe Mengen liefern Thailand, Papua Neuguinea, Nigeria und die Elfenbeinküste.

Umweltverbände – allen voran der World Wide Fund for Nature (WWF) – kritisieren seit Jahren die Rodung der unwiederbringlichen Regenwälder, um damit Platz für Palmen-Plantagen zu schaffen. Die Kritik wird vor allem mit der Gefährdung der Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt der betreffenden Länder begründet.

Die Produktion von Palmöl treibe die fortschreitende Entwaldung und das Artensterben in Indonesien voran, betonte gestern Hans-Jürgen Klein. Den Palmöl-Anbietern warf er vor: “Sie verzerren die Konkurrenz, weil sie Ökodumping betreiben.”

Klein will von der Landesregierung wissen, ob für Bau und Betrieb der Anlage im Emder Hafen Fördermittel aus öffentlichen Haushalten zur Verfügung gestellt werden sollen. Außerdem fragt er nach der Position der Landesregierung zur Biodiesel-Produktion aus Palmöl und danach, wie das Land die klein- und mittelständisch geprägten Bioenergie-Unternehmen sowie die Produzenten nachwachsender Rohstoffe “vor dieser unlauteren Konkurrenz schützen will”.

Die Emder Grünen im Rat unterstützen ihre Parteikollegen im Landtag. Nicht das Palmöl selbst sei das Problem, sondern “das boomende Geschäft mit der Rodung immer weiterer Regenwaldflächen in Indonesien”, betonte Fraktionssprecher Bernd Renken.

Renken sieht auch die Betreiber der Emder Anlage in der Verantwortung. “Sie müssen dazu gebracht werden, bei ihren Lieferanten Einfluss zu nehmen, damit ab sofort auf neue Kahlschläge in den letzten Regenwäldern verzichtet wird.” Sollte dies nicht gewährleistet sein, dürfe es keinerlei öffentliche Förderung für die Ansiedlung der Raffinerie geben.

Bernd Renken beschränkt seine Bedenken nicht allein auf die Produktion nachwachsender Rohstoffe in Übersee. Auch der Anbau in Deutschland sei aus ökologischen Gründen “nicht immer unproblematisch”, bezog sich Renken auf den hohen Flächenverbrauch.

Vom künftigen Betreiber der Anlage im Emder Ölhafen war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Die Niederländer unterzeichneten vor zwei Wochen einen Mietvertrag mit der Niedersachsen Ports GmbH.

(Vgl. Meldungen vom 2006-01-19 und 2006-01-24.)

Source: Emder Zeitung vom 2006-01-31.

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