23 Januar 2007

Orkan Kyrill: Unklarheit über Umfang und Folgen für Holzwirtschaft

Europaweit mehr als 40 Mio. Fm Sturmwurf

Der Orkan Kyrill zog vom 18. bis 19. Januar 2007 über Europa hinweg. Deutschlandweit sind nach ersten Berechnungen etwas mehr als 20 Mio. Fm Sturmholz angefallen; dies entspricht umgerechnet etwa 25 Millionen umgeknickten Bäumen. Damit erreicht das Schadausmaß nicht die Intensität wie bei den früheren Orkanen Lothar, Vivian oder Wiebke. Am stärksten betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (10 bis 12 Mio. Fm), Hessen (2 bis 3 Mio. Fm) und Bayern (ca. 4 Mio. Fm).

Auch in anderen europäischen Ländern kam es regional zu Windwürfen. Bereits vor einer Woche hatte der Orkan “Per” in Schweden für einen Anfall von 12 Mio. Fm gesorgt. Europaweit beträgt die Sturmholzmenge mehr als 40 Mio. Fm. Nachdem im Bereich der Europäischen Union (EU 25) jährlich rund 330 Mio. Fm geerntet werden, errechnet sich somit ein Anfall von etwas mehr als 10% dieses Jahreseinschlages.

Genauere Aussagen sind jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich – um so mehr Raum bleibt für Spekulationen und (überhastete) Forderungen.

“Die Sturmholzmenge beträgt rund ein Drittel des jährlichen Einschlags. (…) Der derzeit boomende Holzmarkt wird die insgesamt angefallenen Sturmholzmengen aufnehmen. Ich rechne mit einer stabilen Preissituation. Dies zeigen auch die ersten Preisverhandlungen und Vertragsabschlüsse”, so Michael Prinz zu Salm-Salm, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW).

Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holz und Kunststoffe verarbeitenden Industrie und verwandter Industriezweige e.V. (HDH), Dirk-Uwe Klaas, fordert, “dass dieses Holz schnell und unbürokratisch auf den Markt gelangt. Keinesfalls darf der wertvolle Rohstoff Holz jetzt überwiegend als billiger Brennstoff verschwendet werden.”

Die Zahl ähnlich schwerer Unwetter werde, so befürchtet Bernhard Dierdorf, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), in Zukunft noch zunehmen. Auslöser für diese Klimaentwicklung sei auch die globale Erwärmung. Vor diesem Hintergrund forderte der BDF die Bundesregierung auf, dem Klimaschutz dienende Maßnahmen zur Waldvermehrung in Deutschland stärker zu fördern und die Leistungen der Forstwirtschaft für den Klimaschutz angemessen zu honorieren.

Mittelgebirgsregionen in Nordrhein-Westfalen am stärksten betroffen
Nord- und Ostdeutschland mit Ausnahme der Hochlagen im Harz blieben von nennenswerten Schäden verschont. Relativ geringe Schäden werden auch aus Süddeutschland berichtet, so z.B. aus Baden-Württemberg mit lediglich ca. 500 000 m³.

Besonders betroffen ist dagegen die Mitte Deutschlands in einem Streifen südlich der Linie Dortmund – Kassel und nördlich der Achse Köln, Marburg, Thüringer Wald. Hier liegt der Schadenschwerpunkt im Sauerland und Nordhessen in Mittelgebirgslagen oberhalb von 350 m.

Allein im Hochsauerlandkreis wird eine Schadholzmenge von ca. 5 Mio. Festmetern erwartet. Insgesamt wird der Schadholzanfall in NRW auf 12 Mio. m3 auf rund 5000 Hektar eingeschätzt. Landesumweltminister Eckehard Uhlenberg (CDU) kündigte bei einem Ortstermin in Schmallenberg Hilfe an: Die dem Ministerium zur Verfügung stehenden acht Millionen Euro sollen zur Unterstützung der Betroffenen und zur Beseitigung der Schäden verwandt werden.

“Die deutsche Forstwirtschaft ist insgesamt mit einem “blauen Auge” davon gekommen, auch wenn lokal extreme Schadsituationen vorzufinden sind.”, so die Stellungnahme des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR).

Source: nova-Eigenrecherchen, 2007-01-23.

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