12 Dezember 2000

Offener AVK-Brief zu möglichen Auswirkungen der EU-Altautorichtlinie

Mögliche Auswirkungen der EU-Altautorichtlinie auf den Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Automobilbau

Sehr geehrter
Herr Staatssekretär Baake (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit),

bzw.

Herr Staatssekretär Dr. Martin Wille (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten),

die Arbeitsgemeinschaft Verstärkte Kunststoffe-Technische Vereinigung e. V. (AVK-TV) ist die Fachorganisation der Rohstofflieferanten, Verarbeiter, Anwender und Forschungseinrichtungen, die sich mit verstärkten Kunststoffen und duroplastischen Formmassen beschäftigt. In Arbeitskreisen bieten wir Hilfestellung zur Lösung der zentralen Fragen unserer Branche. Sowohl die Technik als auch das Marketing werden in verschiedenen Arbeitskreisen behandelt.

Am 17.Mai 2000 ist der Arbeitskreis “Naturfaserverstärkte Polymere” gegründet worden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, “industrieneutral” und fachübergreifend Informationen über diese verhältnismäßig neue ökologische Werkstoffklasse zu verbreiten, um deren Entwicklung zielgerichtet voranzutreiben und das Anwendungsspektrum zu vergrößern.

Allgemein wird der Automobilbau als Vorreiter für neue Technologien und die breite Anwendung neuer Werkstoffe gesehen. Deshalb begrüßen wir es natürlich, dass hier in den letzten Jahren die Mengen der eingesetzten naturfaserverstärkten Polymere im Kfz auf beachtliche Umfänge gesteigert worden sind. Gleichzeitig wurden erhebliche Fördermittel aufgewendet, um den Anteil dieser ressourcenschonenden und mit einer günstigen Energie- und CO2-Bilanz ausgezeichneten Werkstoffe weiter zu erhöhen.

Die Auswirkung der am 18.9.2000 verabschiedeten EU-Altautorichtlinie und des geplanten Gesetzes zwingt nun letztlich zu einer Rücknahme des Einsatzes dieser Werkstoffe bis gegen Null, da eine sinnvolle stoffliche Verwertung bis auf wenige Ausnahmen nicht gegeben ist. Auch für andere Einsatzgebiete sind negative Folgen zu befürchten.

Die diesbezüglich im Bundestag gestellte Kleine Anfrage (Drucksache 14/4432) und deren Antwort (Drucksache 14/4587) haben wir mit Aufmerksamkeit verfolgt, sehen aber einen zusätzlichen Handlungsbedarf speziell bezüglich der naturfaserverstärkten Kunststoffe: denn im Gegensatz zur Förderung der direkten Verbrennung von Biomasse wird die ökologisch sinnvolle thermische Nachnutzung von Bauteilen aus nachwachsenden Rohstoffen durch die genannte Richtlinie im Automobilbau weitgehend ausgeschlossen und damit auch die Anwendung dieser Werkstoffe überhaupt.

Wir möchten Sie deshalb zum Dialog zur genannten Problematik auffordern, um gemeinsam Lösungsansätze zumindest für die nationale Ausgestaltung der Richtlinie zu erarbeiten. Für Ihren Vorschlag zu einem Besprechungstermin wären wir Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Uwe Bültjer
AVK-TV Geschäftsführer

Dr. Ulrich Riedel
DLR Braunschweig / Vorsitzender des AK Naturfaserverstärkte Polymere

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