12 April 2005

Österreichs größtes Biomassekraftwerk wird in Wien errichtet

Vorzeigeprojekt soll 48.000 Haushalte mit Strom und 12.000 Haushalte mit Wärme versorgen

Mit dem Spatenstich, der gestern in Wien stattfand, wurde der Start für die Errichtung des größten Waldbiomassekraftwerks Europas gefeiert. Das größte Biomassekraftwerk Österreichs wird ab Mitte nächsten Jahres rund 48.000 Haushalte mit Strom und etwa 12.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Dadurch können jährlich 144.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Das Investvolumen für diesen richtungsweisenden Bau beträgt 52 Millionen Euro. Bei der Errichtung sind bis zu 300 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. ” Durch den Betrieb des Kraftwerkes werden etwa 200 Arbeitsplätze – über Waldarbeiter, Techniker bis hin zu Jobs bei den Lieferanten – gesichert”, so Wiens Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder bei der Feier. Der Spatenstich für den Bau erfolgte durch Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll, Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder, Umweltstadträtin Mag. Ulli Sima, Simmerings Bezirksvorsteherin Renate Angerer, GR Mag. Christoph Chorherr, Dr. Georg Erlacher von den Bundesforsten, sowie Dr. Felix Joklik und Dr. Michael Obentraut von den Wiener Stadtwerken.

Das Biomassekraftwerk in Wien-Simmering ist ein weiterer Schritt zur Erfüllung des Ziels, das sich die Stadt Wien mit dem Klimaschutzprogramm Wien (Klip) gesetzt hat. Bis 2010 sollen die CO2-Emissionen um 14 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. “Die bisherige Entwicklung ist erfreulich, schon jetzt können jährlich CO2-Emissionen von zwei Millionen Tonnen vermieden werden. Die erreichte Reduktion von minus 3 Prozent im Zeitraum von 1990 bis 2002 zeigt in die richtige Richtung”, so die Umweltstadträtin Ulli Sima “Durch den Einsatz modernster Verbrennungs- und Filtertechnik unterschreitet die Anlage die geltenden Grenzwerte für die Emission von Staub und Stickoxiden bei weitem. ”

GR Christoph Chorherr meinte: “Die Ölquelle der Zukunft wächst im Wald. Es ist der richtige Weg, die gesamte Energie- und die Wärmeversorgung auf Erneuerbare Enerige umzustellen.”

Bundesminister Josef Pröll sieht in diesem Projekt eine ideale Möglichkeit, um auch im urbanem Zentrum den Menschen klar zu machen, dass regionale Kreisläufe auch in der Großstadt funktionieren können.

Die geplante Leistung des Biomassekraftwerks wird bei rund 62 MW liegen. Bei der Verbrennung von Biomasse als CO2 neutraler Energieträger fallen nur so viele CO2 – Emissionen an, wie während des Wachstums von der Pflanze aus der Luft aufgenommen wurden. Pro Jahr sollen bis zu 200.000 Tonnen Waldhackgut und Rinde als Brennstoff eingesetzt werden . Die Brennstoffversorgung ist durch einen langjährigen Liefervertrag mit Österreichs größtem Waldbesitzer und Rohholzlieferanten – der Österreichischen Bundesforste AG – abgesichert.

Energie-Ressource Wald

Österreich gehört mit seinen 3,97 Millionen Hektar Wald, das sind rund 4% der gesamten Landesfläche, zu den waldreichsten Ländern Europas. Daher sind die Österreichischen Bundesforste logischer Partner für die gemeinsame Verwirklichung des Kraftwerksprojektes. Als Mitgesellschafter der Wien Energie Bundesforste Biomasse Kraftwerk GmbH kann so die Lieferung des Naturbrennstoffes sichergestellt werden. Es soll ausschließlich naturbelassene Waldbiomasse, aus der Durchforstung, Asthölzer sowie Holz aus Pflegeeingriffen, zum Einsatz kommen.

Hauptantransport der Waldbiomasse mit Schiff und Bahn

Zur Bewältigung der logistischen Herausforderung bei der Bearbeitung und Anlieferung der Biomasse ist der Wiener Hafen eingebunden. Auf einem Grundstück am Alberner Hafen richten dieÖsterreichischen Bundesforste einen verkehrstechnisch optimal gelegenen Hackplatz zur Aufbereitung der angelieferten Holzmengen ein. Zu diesem können die notwendigen Brennstoffmengen zur Bearbeitung über den Wasserweg, als auch per Bahn und Lkw angeliefert und von dort per Bahn und LKW nach einem klugen Infrastrukturkonzept umweltschonend weiter transportiert werden.

Nachhaltiger Brennstoff spart fossile Energie ein

Vorstandsdirektor DI Georg Erlacher von den Österreichischen Bundesforsten: “Rund zwei Millionen Festmeter Holz werden von den Österreichischen Bundesforsten jährlich nachhaltig und ohne Belastung des Waldes geerntet. Wir bringen daher eine solide Basis für eine ideale Zusammenarbeit der Österreichischen Bundesforste mit Wien Energie als Energielieferant ein. Rund 245.000 Festmeter, dies entspricht rund 600.000 Schüttraummeter werden aus den Wäldern in einem Umkreis von rund 100 Kilometern geerntet, zur Verbrennung aufbereitet und zum Waldbiomassekraftwerk Simmering geliefert”. Erlacher weiter: “Der Energieeinsatz für die Biomasse, vom Wald bis zum Kraftwerk, beträgt nur etwa 5%, bei Erdöl als Brennstoff würde er etwa doppelt so hoch sein.”

“Mit der Verwendung von Waldbiomasse für die Strom- und Wärmeerzeugung im Biomassekraftwerk Simmering werden Fossile Brennstoffe von rund 72.000 Tonnen Steinkohle oder 47.000 Tonnen Heizöl oder 40.000 Tonnen Erdgas eingespart. Allein die Reduktion von CO2 – Emissionen in Wien beträgt rund 144.000 Tonnen jährlich, ” betont Generaldirektor Dr. Felix Joklik von der Wien Energie.

Das Biomassekraftwerk wird am Kraftwerksgelände der Wien Energie Wienstrom in Simmering errichtet, um die vorhandene technische Infrastruktur des Kraftwerkparks nützen zu können.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage www.biomassekraftwerk.at

Source: Oekonews.at vom 2005-04-12.

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