24 Mai 2006

Österreich: Rohstoffmobilisierung als Kern des nationalen Biomasse-Aktionsprogramms

Biomasse-Verband: EU-Aktionsplan als einmalige Chance

“Der Biomasse-Aktionsplan der Europäischen Union bietet Österreich die einmalige Chance, durch ein eigenständiges Aktionsprogramm zu demonstrieren, wie diese europäischen Vorgaben auf nationaler Ebene umsetzbar und welche Vorteile damit für Wirtschaft, Versorgungssicherheit, Beschäftigung und Umwelt erzielbar sind”, meint Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes.

Der Europäische Aktionsplan sieht eine Erhöhung des Beitrags der Bioenergie zur Energieversorgung bis 2010 von vier auf neun Prozent vor, der österreichische Anteil dafür würde etwa zusätzliche 75 Petajoule betragen.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssten 500.000 Wohneinheiten auf Biomasse-Heizsysteme umgestellt, etwa 2,5 Terawattstunden (TWh) Strom aus Biomasse erzeugt und rund 550 Mio. Liter Biotreibstoffe und 100 Mio. Kubikmeter Biomethan als Treibstoff produziert werden. Mit diesen Zahlen umreißt Kopetz, der auch Präsident des Europäischen Biomasse-Verbandes ist, die Vorgaben.

“Eine echte Vorreiterrolle im Bereich der Biomasse hat Österreich nicht”, erklärt Ernst Scheiber, Geschäftsführer des Österreichischen Biomasse-Verbandes, im pressetext-Interview. Diese Rolle übernehmen Schweden, Dänemark und Finnland. “Wir können aber noch mehr, und das wollen wir zeigen”, so Scheiber.

Konkret gehe es nämlich darum, die Abhängigkeit Österreichs von Energieimporten durch den Ausbau der Biomasse um über fünf Prozent zu verringern und gleichzeitig der Anteil der erneuerbaren Energieversorgung unter Einbeziehung der Ausweitung der Wasserkraft, der Windenergie und der Solarthermie auf über 30 Prozent zu erhöhen. “Dadurch könnten die Treibhausgasemissionen Österreichs um etwa zehn Mio. Tonnen reduziert werden”, so der Experte.

Eine solche Entwicklung würde auch einen Boom für die Wirtschaft bedeuten, denn die Zahl der Beschäftigten würde um 8.000 zunehmen. Durch die Sekundäreffekte, vor allem der ganzen vorgelagerten Industrie, könnten im Zeitraum der Umstellung zusätzlich 10.000 bis 20.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Experten rufen zu einer verstärkten Rohstoffmobilisierung als Hauptaugenmerk einer erfolgreichen Biomasse-Politik auf. “Dazu gehört ein verstärkter Getreide- und Zuckerrübenanbau zur Herstellung von Bioethanol, Flächen für den Anbau von Ölpflanzen für die Biodieselproduktion, Flächen für “Treibstoffe” aus Biogas, schnellwachsende Hölzer mit höheren Erträgen”, so Scheiber.

“Wir schätzen den zusätzlichen Flächenbedarf für die Bioenergieproduktion auf 240.000 Hektar. Dazu ist die Mobilisierung still gelegter Flächen und bisher nicht genutzter Holzzuwächse notwendig”, so Kopetz. Es bedürfe aber auch eines Umdenkprozesses, denn der Anbau von Energiepflanzen und -hölzern müsse Teil der österreichischen und europäischen Agrarpolitik werden.

Hohe Kosten würde allerdings die Umrüstung von Privathaushalten verursachen, um in der Wärmeproduktion von fossilen auf erneuerbare Brennstoffe umzusteigen. Dafür sollten, so der Biomasseverband, öffentliche Mittel zur Verfügung stehen, um die rund 500.000 Haushalte zum umzusteigen zu bewegen.

“Der Schwerpunkt unseres Aktionsplans liegt dabei eindeutig auf der Wärmeproduktion”, erklärte Kopetz, der dies auch in der Diskussion über den Biomasse-Aktionsplan vor dem Europäischen Parlament in Straßburg in der Vorwoche betonte. “Hier ist die Energieausbeute am höchsten und die konkurrenzlos preisgünstigen Holzbrennstoffe entkräften das Argument einer Überförderung nicht marktreifer Technologien.”

Im Bereich der Treibstoffe werden die Mehrkosten voraussichtlich minimal sein, weil anzunehmen ist, dass bis zum Jahre 2010 die Erdölpreise so weit gestiegen sind, dass sich durch die Biotreibstoffe kaum noch Zusatzkosten ergeben.

Für den Bereich der Stromproduktion äußerte Scheiber sich gegenüber pressetext als zuversichtlich. “Was auf EU-Ebene ankündigt wurde, wird national und auch auf Bundesländerebene durchgesetzt werden.” Die Dynamik für die globale Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien sei so groß, dass es praktisch nicht mehr aufhaltbar sei.

(Vgl. Meldung vom 2006-01-23.)

Source: Pressetext austria vom 2006-05-24.

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