6 Juni 2006

Österreich: Produktion der Holzindustrie 2005 auf EUR 6,21 Mrd. gestiegen

Jahrestagung der Holz-Branche - "Wertschöpfungskette Holz" im Mittelpunkt

Die abgesetzte Produktion der österreichischen Holzindustrie betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005 rund EUR 6,21 Mrd. Dies bedeutet eine wertmäßige Steigerung um 3,8% gegenüber dem Vorjahr. Die positive Entwicklung der letzten Jahre konnte somit fortgesetzt werden. Der Produktionswert der Branche befindet sich auf einem Rekordniveau und konnte in den vergangenen acht Jahren um beinahe 50% erhöht werden.

Diese Zahlen wurden vergangene Woche bei der Jahrestagung der österreichischen Holzindustrie im Haus der Bundesforste AG in Purkersdorf, NÖ, bekannt gegeben.

Die heimische Holzindustrie zählt 1.320 Betriebe, davon sind rund 1.008 aktive Sägewerke. Die wichtigsten Sparten sind, gemessen an der Produktion, die Sägeindustrie, der Baubereich, die Möbelindustrie, die Holzwerkstoffindustrie und die Skiindustrie. Der Großteil der Betriebe der Holzindustrie hat eine mittelbetriebliche Struktur und befindet sich fast ausschließlich in privater Hand. Mit 29.889 nahm die Beschäftigtenzahl im Jahr 2005 in der Holzindustrie leicht zu – 2004 waren es 29.420 Mitarbeiter. Die Anzahl der Lehrlinge in der Holzindustrie konnte von 687 auf 725 ebenfalls leicht gesteigert werden.

Exportquote geht in Richtung 75%

Die Holzindustrie ist eine stark außenhandelsorientierte Branche. Die Exportquote entwickelt sich stetig in Richtung 75%, überproportional tragen dazu Nadelschnittholz, Holzwerkstoffe (Platten) und Ski bei. Das gesamte Exportvolumen konnte 2005 um 2% auf EUR 4,58 Mrd. erhöht werden. Mit 75,5% Anteil an den Ausfuhren oder EUR 3,46 Mrd. war die Europäische Union der wichtigste Abnehmer österreichischer Holzprodukte. Insbesondere wurde nach Deutschland und Italien geliefert.

Die restlichen 24,5% verteilten sich auf USA und Japan mit 19%, auf die osteuropäischen Länder mit 3,8% sowie auf die Entwicklungsländer mit 1,7%. Die Importe von Holzprodukten wurden um 2% auf EUR 2,58 Mrd. angehoben. Auch im Bereich der Einfuhren ist die EU mit rund 85% der wichtigste Partner.

Der traditionelle Überschuss in der Außenhandelsbilanz bei Holzprodukten wuchs 2005 um 2,6% auf knapp EUR 2 Mrd. an. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 betrug der Überschuss noch EUR 1 Mrd. In den letzten Jahren konnte er somit verdoppelt werden. Österreichs Holzindustrie weist lediglich gegenüber den osteuropäischen Ländern eine negative Bilanz auf, dieser Saldo konnte jedoch 2005 deutlich verringert werden.

Gegenüber der Europäischen Union liegt der Handelsbilanzüberschuss bei rund EUR 1,26 Mrd. Der Außenhandel ist somit weiterhin ein wesentliches Standbein der österreichischen Holzindustrie.

“Wertschöpfungskette Holz” soll gestärkt werden

Im Mittelpunkt der Jahrestagung stand die Frage, wie Synergien und Kooperationen in der “Wertschöpfungskette Holz” weiter forciert werden können. Bundesforste-Vorstand Georg Erlacher sprach sich für ein gut abgestimmtes Verhalten der Kooperationspartner aus, um eine möglichst hohe Deckung in Strategien und Zielen zu erreichen.

Hans Michael Offner, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes Holz und Vorsitzender der Österreichischen und Europäischen Sägeindustrie, berichtete über die Aktivitäten des Fachverbandes als Netzwerkplattform und als Teil verschiedener europäischer Organisationen. Laut Offner sind künftig verstärktes Lobbying und PR wichtig, “aber auch in Ausbildung sowie in Forschung und Entwicklung werden wir mehr investieren, um Kompetenz aufzubauen und nach außen zu tragen”, betonte er.

Die Holzbranche zähle zu den größten Industrieclustern europaweit, dieses Faktum werde aber leider allzu oft übersehen, so Offner. Das virtuelle Dach in Form des FHP-Abkommens (Forst-Holz-Papier) sei geschaffen worden, um gemeinsame Ziele miteinander zu verfolgen und Kräfte zu bündeln. Kompetenzsteigerung durch verstärktes EU-Lobbying sei ein wichtiges Anliegen, besonderes Augenmerk gelte daher auch der Mitarbeit in internationalen Holzverbänden.

Grillitsch: Global denken, lokal handeln

“In Zeiten von Globalisierung und Liberalisierung ist es wichtig, gemeinsam auf den Märkten zu bestehen und die Herausforderungen durch den strukturellen Wandel in den vergangenen Jahren anzunehmen”, unterstrich der erste FHP-Vorsitzende, Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch. FHP bewege sich im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit für die Industrie und Absatzsicherung der Forstwirtschaft, so Grillitsch. Wichtig sei, in der jetzigen Situation global zu denken und lokal zu handeln. Zu diesem Thema werde am 23.06. auf der Turrach im Rahmen des Europaforums eine so genannte “Holzcharta” vorgestellt.

Abgerundet wurden die Vorträge durch eine Diskussionsrunde mit Vertretern von Forst, Holz und Papier. In dieser Runde bestätigte Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, die Bedeutung der Versorgungs- und Absatzsicherheit innerhalb von FHP. Der Rohstoff Holz wachse in der Natur, kontinuierliche Lieferungen seien daher – so wie im heurigen Winter – nicht immer möglich, aber sie würden selbstverständlich angestrebt.

Holz & Bioenergie könnten im zukünftigen Europa eine entscheidende Rolle spielen, betonte Montecuccoli. Österreich habe in diesem Bereich eine große Kompetenz in der Produktion und in der Verarbeitung und diese Kompetenz spiegle sich auch in FHP wider. Die Begeisterung für die Waldwirtschaft müsse stärker geweckt werden, nicht nur von Brüssel aus, sondern auch durch lokale Kompetenz- und Beratungsnetzwerke, so der Präsident.

Auch Dieter Kainz, Vorstand des Sägeindustrie-Giganten Stora Enso Timber in Wien und Obmann von proHolz Austria, betonte die Berechenbarkeit und Gleichmäßigkeit der Lieferungen als wichtige Indikatoren. Die Industrie sollte konkret wissen, wie viel Rohstoff in Österreich zur Verfügung steht, damit die Kapazitäten entsprechend angepasst werden könnten, meinte er.

Source: AIZ.info vom 2006-06-06.

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